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Hunter's Moon

Bewertung: 5 / 5

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Sonnensturm


Titel: Hunter's Moon
Autor: Britta Strauß
Genre: Dark Fantasy / Mystery / Historik
Buch-/Verlagsdaten: Drachenmond Verlag (Juli 2014), Softcover, 395 Seiten, 14,90 EUR, ISBN: 978-3-931989-88-0

Eine Rezension von Judith Gor (Weitere Rezensionen von Judith Gor findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Im Jahr 1795 bedeckt ein erbarmungsloser Winter das wilde Nordamerika mit einer Schicht aus Schnee und Eis, als Kate mit ihrer Schwester und deren Verlobten die letzten beiden Menschen verliert, denen sie wirklich vertraut hat. Von nun an ist sie die einzige Frau im Fort und einzig ihr Onkel Williams gewährt ihr Schutz. Ohne ihn würden die verrohten Siedler über sie herfallen. Doch Williams ist längst nicht mehr der liebende und gutmütige Onkel. Der Krieg hat ihn zu einem unberechenbaren und grausamen Mann gemacht. Während der Winter immer mehr Entbehrungen bringt, schleichen namenlose Bestien um das Fort herum. Grauenhafte Kreaturen, weder Wolf noch Bär. Erst will Williams es nicht glauben, aber bald muss er einsehen, dass es die sagenumwobenen Kocodjo sind und diese es auf sein Fort abgesehen haben. Die Palisaden halten nicht mehr lange Stand und Williams bleibt nur eine Wahl: Er muss den Indianerkrieger Kainah um Hilfe bitten, den einzigen Mann, der jemals einen Kocodjo getötet hat …

Kainah ist jedoch nicht bereit, den weißen Menschen zu helfen. Erst durch eine List können sie den Krieger zu einem Blutschwur zwingen, sodass dieser ihnen hasserfüllt folgt. Den heiligen Schwur muss er ausgerechnet mit Kate besiegeln, die Williams mitgenommen hat, weil es allein im Fort zu gefährlich für sie gewesen wäre. Kate ist sofort fasziniert von Kainah und schämt sich für die gemeine List, mit dem man ihn zu seinem Schwur gezwungen hat. Sie ist eine starke junge Frau, die dem Fortarzt Ebenizer hilft, Wunden zu nähen und Kranke zu pflegen. Die Wildnis härtet sie ab, bis sie kaum mehr etwas Damenhaftes an sich hat, doch das ist Kate gleich. Auch wenn sie viel verloren hat, fühlt sie sich auf seltsame Weise frei. Der Gedanke, in den Osten zurückzukehren und eine brave Ehefrau zu werden, widert sie an. Viel lieber würde sie durch das wilde Land reisen und Kainah besser kennenlernen. Der Indianer gibt sich distanziert und kühl, doch Kate entgeht nicht, wie aufmerksam er sie betrachtet.

Obwohl Williams Kainah schwören ließ, seine Nichte niemals anzufassen, kommen sich Kate und der Krieger näher. Nacht um Nacht tötet Kainah die Kocodjo (auch bekannt als „Wendigo“, hier greift Britta Strauß indianische Mythen auf) und wird trotzdem von den weißen Männern erniedrigt. Einzig Kate kümmert sich um den Jäger, wenn er blutverschmiert von der Jagd zurückkehrt. Sie fühlt eine tiefe Verbindung zu ihm und beginnt, von Kainah und den Kocodjo zu träumen. Da ahnt sie noch nicht, dass der Blutschwur sie verändert hat. Immer öfter wird Kate von einem Fieber ergriffen, das ihre Sinne schärft. Auch Kainah scheint von diesem Fieber befallen zu sein. Den Fortbewohnern gegenüber legt er eine stoische Ruhe an den Tag, doch Kate sieht die Wildheit in seinen Augen. Kainah trägt eine schwere Last mit sich und hegt einen sehr persönlichen Groll gegen die Kocodjo, doch seine konkreten Motive bleiben lange Zeit im Dunkeln. Er ist ein äußerst faszinierender Charakter, der nicht nur Kate, sondern auch den Leser in seinen Bann zieht.

Britta Strauß lässt das späte 18. Jahrhundert in einem klirrend kalten und grausamen Winter auferstehen. Während die Indianer mit den Gegebenheiten ihres Landes leben, ist der weiße Mann unersättlich und beutet die Wälder gnadenlos aus. Williams Fort muss dabei die ersten Konsequenzen dieser Ausschlachtung spüren, denn in den Wäldern lässt sich nichts mehr jagen und die Vorräte gehen zur Neige. Zudem stehen nahezu alle Fortbewohner in seiner Schuld, sie sind quasi schlecht bezahlte Zwangsarbeiter, denen keine andere Wahl bleibt. Sie Stimmung im Fort gleicht einem Pulverfass, denn immer mehr Männer sind mit Williams Führungsstil nicht einverstanden. Das menschenverachtende Verhalten vieler Fortbewohner schockiert den Leser dennoch. Die Männer sind verroht und viele von ihnen haben in Kriegen mit den Indianern grausam gemordet und vergewaltigt. Auch Kate muss irgendwann spüren, wie gefährlich und ehrenlos die Männer sind.

Die erste Hälfte des Romans lebt von stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen und der eindringlichen Vorstellung der Protagonisten. Hunter’s Moon wird überwiegend aus Kates Sicht erzählt und so ist der Blick auf die Fortbewohner von ihrer Wahrnehmung gefärbt. Britta Strauß macht deutlich, wie schwer es damals für eine Frau war, ihre Meinung zu sagen und anerkannt zu werden. Kate wird immer wieder wie ein dummes und schlecht erzogenes Kind behandelt. Die Männer sagen ihr, wie sie sich benehmen soll und legen gleichzeitig ein ekelhaftes Verhalten an den Tag. Einzig Kainah behandelt sie beinahe wie eine Gleichgestellte, wobei auch er sie spüren lässt, dass sie nun einmal eine Frau ist. Doch Kainah erkennt auch die Stärke einer Frau und macht Kate klar, dass ihre Fähigkeiten woanders liegen und jeder Mann sie bewundern sollte. Ganz im Gegensatz zu den anderen männlichen Charakteren, die fast ausnahmslos schlechte Menschen sind. Selbst diejenigen, die Kate für ehrbar hält, enttäuschen sie zutiefst. Hier hätte man sich den ein oder anderen Lichtblick gewünscht.

In der zweiten Hälfte wird aus der stimmungsvollen Historik mit Mystery-Elementen ein erotisch angehauchter Dark Fantasy-Roman, der ab und an etwas in Genreklischees abdriftet. Die Erotik ist ansprechend und niveauvoll und bietet phantastische Überraschungen. Zum Ende hin werden die Zustände im Fort immer unerträglicher und Kate springt dem Tod so oft von der Schippe, dass die Dramatik etwas verloren geht. Aber bei Hunter’s Moon ist jede Kritik Meckern auf hohem Niveau. Hier und da gibt es störende Kleinigkeiten, doch die sind bei der nächsten begeisternden Szene gleich vergessen. Britta Strauß schreibt wahnsinnig atmosphärisch und hat einen Roman geschaffen, der sich angenehm von der Masse abhebt und dem Leser lange im Gedächtnis bleiben wird. Dem Verlag ist beim Druck ein kleiner Schnitzer unterlaufen: Statt drei Pünkten („…“) finden sich größere Leerstellen in den Dialogen. Das Softcover wartet mit einem traumhaften Cover auf und angesichts der herausragenden Story kann man den Preis verschmerzen.


Fazit

Mit Hunter’s Moon bietet Britta Strauß ihren Lesern historische Dark Fantasy der ganz besonderen Art. Die Atmosphäre ist so klirrend kalt, wild und finster, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Kate beeindruckt mit einer großen inneren Stärke und trotzt den Widrigkeiten im Fort, während Kainah die Leserschaft mit seiner kriegerischen Ausstrahlung und intelligenten Worten um den Finger wickelt. Einzig die Nebencharaktere sind etwas zu verdorben. Insgesamt ein unheimlich stimmungsvoller Roman, der aus indianischen Mythen eine düstere und vielschichtige Geschichte voller Leidenschaft spinnt. 4,5 von 5 Punkten.

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