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Traveler - das Finale (Fourth Realm, 3. Band)

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Reihe: The Fourth Realm, Band 3
Titel: Traveler: Das Finale
Originaltitel: The Golden City - The Fourth Realm 3
Autor: John Twelve Hawks
Übersetzung: Eva Bonné
Buch/Verlagsdaten: Page & Turner (2010), gebundenes Buch mit Schutzumschlag; 416 Seiten; ISBN: 978-3-442-20363-5

Eine Besprechung / Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor auf fictionfantasy findet man hier oder auf ihrer Webseite www.literatopia.de)

Die erste Hälfte des dritten Traveler-Teils widmet sich der Fortführung von „Dark River“: Maya steckt in der ersten Sphäre, der Hölle, fest und verliert allmählich die Erinnerungen an ihr wahres Leben. Gabriel versucht währenddessen, sie zu retten - auch gegen die ausdrückliche Empfehlung des Harlequins Linden, Maya aufzugeben. Hollis verschlägt es auf Gabriels Anraten hin nach Japan. Dort sucht er nach eine Itako, einer Frau, die mit den Toten sprechen kann. Eigentlich findet Hollis die Vorstellung, mit einer verstorbenen Person Kontakt aufnehmen zu können, in höchstem Maße lächerlich. Doch die Hoffnung, ein letztes Mal mit Vicki sprechen zu können, treibt ihn voran. Die Bruderschaft kommt inzwischen der Verwirklichung des Panopticons immer näher - nicht zuletzt durch Michael Corrigan, der in der fünften Sphäre der Halbgötter an Technologien gelangt, die die Pläne der Tabula schon bald Wirklichkeit werden lassen können

Wer sehnsüchtig auf den dritten Teil der Trilogie gewartet hat, wird sich wohl erst einmal wegen des verpfuschten deutschen Titels ärgern. „Das Finale“ ist nichts als Effekthascherei, die nicht hält, was sie verspricht. Zwar kommt es zu einer Konfrontation der beiden Traveler, doch von einem hochdramatischen Showdown mit endgültiger Lösung ist dieses Buch weit entfernt. John Twelve Hawks scheint sich zu viele Handlungsstränge geschaffen zu haben, denen er im letzten Band nicht mehr gerecht wird. Zu schnell werden die einzelnen Schicksale abgehandelt, über Hollis liest man beispielsweise sehr wenig, wobei gerade seine Entwicklung hochinteressant ist. Fast meint man, der Autor wollte die Trilogie möglichst schnell zu Ende bringen. Dennoch hat auch „The Golden City“ seine großen Momente, beispielsweise wenn die Charaktere abermals einen Spießrutenlauf durch das System wagen müssen. Darüber hinaus beschäftigt sich der dritte Teil mit der Politik der Angst, die die Bevölkerung freiwillig in die totale Überwachung treiben soll.

Dazu werden Terroranschläge und groß angelegte Entführungen inszeniert, die einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. John Twelve Hawks versteht sich darauf, die Gegenwart geschickt zu übertreiben und somit seinen Roman verdammt real werden zu lassen. Wie auch bei den Vorgängern wird man nach der Lektüre einen anderen Blick auf Überwachungskameras haben, wird man sich unwohler fühlen, wenn man seine E-Mails verschickt. Wer weiß schon, wer mitliest? Das große Thema der Trilogie ist die individuelle Freiheit, der Kampf für und gegen sie. Intuitiv ist man auf der Seite von Gabriel und den Systemgegnern, wobei man die Bürger, die bereit sind, sich überwachen zu lassen, absolut verstehen kann. Wie würde man selbst handeln, wenn in der Nachbarschaft ständig Kinder verschwänden und eine Firma anböte, alle Kinder mit Hilfe von unter die Haut implantierten Chips überwachen zu lassen? Nimmt man all die Überwachungskameras nicht in Kauf, wenn in der eigenen Stadt ein Terroranschlag verübt wird? Und wie gut verstehen wir eigentlich die technologische Entwicklung des 21. Jahrunderts?

Die Thematik der totalen Überwachung ist in der Literatur kein neues Thema, doch John Twelve Hawks vermag auch in „The Golden City“ den Leser zum Nachdenken zu bewegen. Viele Fragen geistern einem beim Lesen und auch danach im Kopf herum. Hier liegt die große Stärke dieser Trilogie - sie erzählt nicht von einer relativ fernen Zukunft, sie erzählt praktisch von unserer Gegenwart. Hinzu kommt die gelungene Darstellung der verschiedenen Sphären, auch wenn diese durch ihre starke Symbolhaftigkeit teilweise sehr phantastisch wirken. Dieses Mal besucht der Leser die fünfte und sechste Sphäre. In letzter liegt die goldene Stadt, die dem Roman seinen Titel gibt. Diese stellt sich anders als erwartet dar, hilft Gabriel jedoch dabei, in seiner eigenen Sphäre die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die fünfte Sphäre hingegen entspricht der wahr gewordenen Vision der Tabula. Die Halbgötter verfügen über erstaunliche Technologien, lassen der Bevölkerung jedoch nur ein Minimum davon zukommen und benutzen sie, um Wunder und Göttlichkeit vorzugaukeln. Ihnen geht es, wie der Tabula auch, lediglich um Macht.

Alles, was sich in der vierten Sphäre ereignet, liest sich wie ein Technik-Thriller. Der eigentliche Science-Fiction-Anteil sind die verschiedenen Sphären, Parallelwelten, in die besondere Menschen, sogenannte Traveler, ihr Licht entsenden könnten. Die Darstellung der sechs Sphären hat dabei etwas Esoterisches: Sie sind scheinbar hierarchisch aufgebaut, von der Hölle bis hin zur Sphäre der Götter. Bisher war dieses Bild in sich recht logisch. Im letzten Traveler-Roman verhaspelt sich der Autor allerdings etwas in seinen quantenphysikalischen Erklärungen. Dass unser Universum sechs Sphären hat, wäre einleuchtend, dass aber die Erde allein sechs Sphären hat und ein anderer Stern vielleicht mehr, wird nicht logisch begründet. Man bleibt als Leser mit seinen Fragen in der Luft hängen. Auch die emotionalen Bindungen zwischen den Charakteren bleiben etwas steif. Es gibt zwar eine Liebesgeschichte und verschiedene persönliche Motive, doch der Autor tut sich mit dem Ausbau seiner Verschwörungstheorie wesentlich leichter als mit emotionsgeladenen Dialogen. Was die Charaktere fühlen, wird zwar erklärt, bleibt aber für den Leser oftmals schwer greifbar.

„Traveler - Das Finale“ ist bei Page & Turner wieder als Hardcover erschienen, weist aber im Gegensatz zu den Vorgängern deutliche Mängel auf. Ein Lesebändchen gibt es diesmal nicht und das Buch selbst verbiegt sich leicht. Dazu sollte man darauf verzichten, den Roman ohne Schutzumschlag zu lesen - das schwarze Hardcover färbt nämlich stark ab! Zudem ist die schlechte Qualität drei Euro teurer als noch der Vorgänger und das bei weniger Seiten. "Dark River" wurde wesentlich besser präsentiert. Fans werden die knapp zwanzig Euro wohl trotzdem zahlen. Der einzige Trost bleibt das schöne Cover, auch wenn es dem von „Dark River“ verdammt ähnlich sieht.

Fazit: Im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern steht „Traveler - Das Finale“ nicht besonders gut da. Der Roman hat zwar seine großen Momente, doch insgesamt wirkt er hastig heruntergeschrieben. Für Fans der Trilogie dennoch ein absolutes Muss - allein wegen der gelungen Einarbeitung gegenwärtiger Entwicklungen und der persönlichen Entwicklung der liebgewonnenen Charaktere ist der Roman lesenswert.

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