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Dark River - Das Duell der Traveler (Fourth Realm, 2. Band)

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Reihe: ~
Titel: Dark River - Das Duell der Traveler
Originaltitel: The Dark River - The Fourth Realm 2
Autor: John Twelve Hawks
Übersetzung: Eva Bonné
Buch/Verlagsdaten: Page & Turner (Juni 2008); Gebundenes Buch mit Schutzumschlag; 448 Seiten; 13,5 x 21,5 cm; 16,95 €; ISBN: 978-3-442-20319-2

Eine Besprechung / Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor auf fictionfantasy findet man hier oder auf ihrer Webseite www.literatopia.de)

»Mit meinem Roman versuche ich, durch die Macht der Fiktion die versteckte Wahrheit über unsere Welt zu enthüllen. « (John Twelve Hawks)

„Dark River“ ist keine Science-Fiction, wie sie allgemein verstanden wird - es handelt sich um keine Zukunftsvision, sondern eher um einer Überspitzung unserer heutigen Welt. In vielen Großstädten verfolgen uns bereits Kameras. John Twelve Hawks legt noch ein paar drauf und macht es den Protagonisten so wahrlich schwer, den technischen Augen zu entkommen. Im Hintergrund laufen stetig Programme mit, die Gesichter abscannen und mit biometrischen Daten vergleichen. Doch Gabriel, Maya und ihre Freunde sind geübt darin, die wachsamen Geräte zu umgehen, genauso wie sie sich darauf verstehen, mit gefälschten Identitäten zu reisen und ihre eigenen Namen dabei aufzugeben.
Zu dieser thrillerartigen Grundlage kommen noch phantastische Elemente hinzu: Gabriel ist ein Traveler, dessen Geist unsere Welt - unsere Sphäre - verlassen kann und in andere Sphären vordringen. Es gibt insgesamt sechs dieser Parallelwelten, die durch Barrieren aus Luft, Feuer, Wasser und Erde getrennt sind. Die Traveler werden seit tausenden Jahren von sogenannten Harlequins beschützt. Maya gehört zu diesen erbarmungslosen Kämpfern. Sie und die Traveler werden von der „Tabula“ gejagt, einer Bruderschaft, die das virtuelle Panopticum errichten will - die denkt, dass es keine Gewalt und keine Verstöße gegen bestehende Gesetzen gäbe, wenn jeder Mensch zu jeder Zeit vollkommen überwacht würde. Und das Ganze auf Kosten der Freiheit.
Klingt erst einmal alles nicht sonderlich neu. Die absolute Überwachung kennen wir bereits aus anderen Werken des Genres. Geschichten über ominöse Bruderschaften gibt es auch zu Genüge. Was „Dark River“ dagegen ausmacht, ist, dass der Roman nahezu in der heutigen Zeit spielt - es könnte genau in diesem Moment so sein. Das sorgt für den einen oder anderen unbehaglichen Gedanken beim Leser. John Twelve Hawks gelingt es tatsächlich, sich durch Fiktion zu einer „versteckten Wahrheit“ unserer Welt vorzutasten. Diese Wahrheit scheint ebenfalls fiktiv - dennoch hinterlässt der Roman viel Nachdenklichkeit.
Was zudem für „Dark River“ spricht, ist die spannungsgeladene Schreibweise. Bereits auf den ersten hundert Seiten kommt man schwer zum Luftholen. Eine kleine Ruhepause bereitet danach auf den großen Showdown vor. In der Zwischenzeit lernt der Leser anders geartete Systemgegner kennen - die Free Runner. Menschen, die Häuserwände hochrennen und über Dächer sprinten. Die außerhalb des Rasters leben. Auch hier greift der Autor ein bestehendes Phänomen auf und stilisiert diese Extremsportart zu einem Ausdruck der Freiheitsliebe.
Die Protagonisten sind dabei durchaus sympathisch. Gabriel hat eine sehr ruhige Art - fast zu ruhig für einen Protagonisten. Er ist unsicher und naiv und damit weit ab vom Retter der Welt. Und genau durch diese Eigenschaften kann er punkten. Seine Verträumtheit, seine Ängste. Maya dagegen ist die starke Frau an seiner Seite. Durch und durch Harlequin - wobei ihr Vater sie dazu gezwungen hat, so zu werden wie er. Unter ihrer eiskalten Schale entfaltet sich die Liebe zu ihrem Traveler, die die Geschichte mit stützt, aber leider nicht gefühlvoll genug geschildert wird. Der Stil des Autors erscheint dem Leser schlichtweg zu faktenorientiert.
Auch Gabriels Freunde können überzeugen sowie die anderen Harlequins, denen man im Verlauf des Romans begegnet. Sie sind irgendwie „schrill“, ihr Aussehen extrem individuell. Die Bruderschaft selbst wirkt farblos, grau. Zwar bietet sie verschiedene Charaktere, doch diese sind sich alle sehr ähnlich - sie leben im Prinzip schon in der Welt, die sie errichten wollen. Sie überwachen sich gegenseitig. Und zwischendrin steht Michael, Gabriels Bruder, der auch ein Traveler ist, sich aber der Tabula angeschlossen hat. Er will schlichtweg auf der Seite des Gewinners stehen - aber es scheint noch weitere Beweggründe zu geben, die jedoch nicht aufgeklärt werden.
Das Ende gestaltet sich insgesamt sehr offen. Man kann diesen Roman zwar wunderbar lesen, ohne den Vorgänger zu kennen - es wird oft genug Bezug darauf genommen -, aber wenn es keinen Nachfolger gibt, wird der Lesespaß getrübt. Mit so vielen offenen Fragen mag niemand gerne zurückgelassen werden. Zur Ausgabe von Page & Turner sei gesagt, dass es sich um ein tolles Hardcover handelt, das im Vergleich zu anderen gebundenen Büchern relativ günstig ist. Es sieht schlichtweg verdammt gut aus - dazu gibt es ein farblich passendes Lesebändchen. Wer trotzdem keine 16,95 € zahlen will, kann auf die Taschenbuchausgabe bei Goldmann warten, die voraussichtlich im Dezember 2009 erscheint.

Fazit:
„Dark River“ besticht nicht durch superinnovative Ideen, sondern durch die konsequente Umsetzung eines aktuellen Themas. Vermischt mit phantastischen Elementen und einer Menge Spannung ist John Twelve Hawks ein Roman gelungen, der nachdenklich stimmen kann - und bestens unterhält.

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