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Phantast
| Hausu |
| Film - Horror & Mystery (F) | |||||
Sieben Schulmädchen geraten aus ihren Idyllen heraus in ein sehr einsames Haus, in dem es (oder besser: das) spukt. Ein Plot für den typischen Japan- und Backwood-Horror, wie wir ihn zuhauf kennen? Weit gefehlt, denn "Hausu" ist ein schräges Potpourri sämtlicher Filmgattungen auf dem Hintergrund des 70er-Jahre-Flower-Power-Ambientes. Hierbei handelt es sich nicht einfach um eine gehörige Portion Stück fröhlichen Irrsinns, sondern um das bösartige Resultat einer konsequent durchgezogenen Vorgehensweise, derart perfide, dass die Grenzen aller Geschmacks-Nuancen weit überschritten werden. Was ist dieser vermeintliche Schwachsinn für ein Machwerk? Ein delirierender LSD-Trip-Movie erster Güte. Eines, in dem ein herabfallender Kronleuchter-Glassplitter eine Eidechse zerstückelt, während die dominierende hauseigene Perserkatze in Zeitlupe durch den Raum springt; und niemand anwesend, der sich weiter über diesen Vorfall zu wundern scheint. Anything goes einerseits, rien ne va plus zum anderen. Das wohl Grauenerregendste an "Hausu" ist die Entschlossenheit Obayashis, unter Ausnutzung aller Mittel, die ihm einfallen, wild um sich filmend zu operieren und zu konterkarieren. Dabei enttarnt sich "Hausu" als eine Abart des trojanisches Pferdes, das an seiner Oberfläche auf penetranteste Art Super-Laune und knallbunte Niedlichkeit präsentiert, in seinem Kern jedoch eine bitterböse psychologische Studie über die Verwurstung von Jugend durch althergebrachte Traditionen ist, denn zusammen mit 6 Schulfreundinnen beschließt die sechzehnjährige Oshare (Kimiko Ikegami) auszubüchsen, um die Schulferien im abgelegenen Landhaus ihrer Tante zu verbringen. Die an den Rollstuhl gefesselte, feine alte Dame ist unnatürlich sehr angetan von den unbeschwerten Teenies. Doch die seltsamen Vorfälle häufen sich, und als sich die Tante und das Haus samt Inventar als menschenmampfende Dämonen entpuppen, ist es für die quietschenden Schulfreundinnen bereits zu spät: Das vordergründig Liebliche, Ästhetische, wie ein Klavier, erwächst zum Horriblen; und gerade dies verstört den Betrachter so hundsgemein. Es gibt auch in "Hausu", vor allem nach der Ankunft am Ort des Schreckens, so gut wie keine Sequenz, die von Nobuhiko Obayashi nicht in der Post-Produktion verfremdet wurde. Ob er nun die Stop-Motion-Technik einsetzt, mit Rückblenden arbeitet, oder Bilder ineinander schneidet. Nie scheinen ihm dabei die abstrusen Ideen und Möglichkeiten auszugehen. Allein dies macht das ungewöhnliche Werk zu einem Fest für die Sinne, welches man nicht missen sollte. Dabei werden auch bewusst sämtliche Filmgenre-Regeln auf den Kopf gestellt. Die deutsche DVD des auf dem Fantasy Film Fest 2006 gelaufenen Werkes besticht vor allem in puncto Bildqualität. Für einen asiatischen Film aus den Siebzigern, bei denen man meist Abstriche machen muss, ist die Qualität des Bildes fast schon zu gut. Der Ton liegt in Japanisch Dolby Digital 2.0 vor und ist ebenso okay. Auf die Erstellung einer deutschen Synchronisation wurde gottlob verzichtet. Obayashi, dessen "Riyuu - The Motive" 2005 im Programm der Berlinale lief, schuf mit "Hausu" mit Sicherheit einen der ungewöhnlichsten und unvergesslichsten Horror-Filme der abseitigen Art aller Zeiten. Hausu - die Rezension von Max Pechmann
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