Harte Landung

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Titel: Harte Landung
Originaltitel: Hard Landing (1993)
Autor: Algis Budrys
Übersetzung: Frank Borsch
Titelbild: doManski
Buch/Verlagsdaten: Wilhelm Heyne Verlag 5938 (1998); 188 Seiten; 12,90 DM; ISBN: 3-453-13968-2 (TB)

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Showreview ist ein Vorort von Chicago. Eine der typischen Schlafstädte, in denen man die Zeit verbringt, die man nicht mit Arbeiten und Fahrten zur und von der Arbeit füllt. Zigtausende Menschen fahren so täglich mit der U-Bahn nach Chicago, nebeneinander im Abteil, und niemand kennt den Anderen. Da ist es leicht, anonym zu bleiben.
Neville Unruh Sealman hat ein unruhiges Leben. Oder besser hatte, denn er ist ja tot. Seine Leiche fand man auf den Schienen der U-Bahn. Die Obduktion sollte zeigen, dass er durch Berührung der dritten, der stromführenden Schiene, starb. Die Untersuchung durch den Leichenbeschauer sollte aber auch noch etwas an das helle Licht der Neonröhren bringen. Neville Unruh Sealman war etwas Besonderes. Seine Innereien stimmen nicht mit denen eines normalen Homo Sapiens überein. Er kam nicht von hier. Wobei hier nicht nur Showreview oder Chicago gemeint ist, sondern die Erde als Planet an sich. Er gehörte zur Besatzung eines Raumschiffes, das während eines langweiligen Fluges in den Sümpfen von New Jersey notlanden musste. Ohne Hoffnung auf Rettung, begannen die vier Besatzungsmitglieder sich unerkannt unter die Menschen zu mischen. Natürlich ist die Erde nicht die Heimat, aber zumindest die Äußerlichkeiten sind nicht zu unterschiedlich. Sein Tod wurde bei einer Auseinandersetzung mit seinem Partner Mullica herbeigeführt, denn man hat das abgestürzte Raumschiff gefunden. Sealman verlor die Nerven, und das Unglück nahm seinen Lauf. Der Hintergrund, der zur Auffindung führte, lag jedoch im Piloten Ditlo Ravashan begründet, der sich der amerikanischen Regierung zu erkennen gab. Ein junger Kongressabgeordneter, genannt Richard Nixon, sorgte dafür, dass Ditlo nicht von den Behörden verfolgt wurde, während Ditlo dafür sorgte, dass genügend Geld floss, um die Karriere des Abgeordneten zu fördern. Das Geld kam durch kleinere Patente zustande und ließ sie zu reichen Männern werden. Ditlo wurde zu einem reichen Mann, der im Luxus schwelgte, während der Kongressabgeordnete zum Präsidenten des Landes wurde. Allerdings nutzt der Luxus nichts, wenn man plötzlich an AIDS zu leiden hat, um sich schließlich mit der Watergateaffäre zu bedanken.
Dem nachforschenden Pathologen stellt sich nun die Frage: Von wo kam er, was wollte er hier, war er allein, wo wollte er hin und war der Tod ein Mord? Fragen über Fragen und am Ende des Buches weiß man mehr.

So wie es bei Musikstücken immer wieder verschiedene Abwandlungen eines bestimmten Stückes gibt, so gibt es diese in der Literatur natürlich auch. Aliens unerkannt auf der Erde ist ein Thema, das immer wieder beschrieben wird. In diesem Fall wird kein Überfall auf die Erde und die Machtübernahme durch Fremde beschrieben, sondern die Verzweiflung von Fremden, die wissen, dass sie nie wieder nach Hause kommen werden. Der Schluss des Romans ist in seiner erzählerischen Folgerichtigkeit überzeugend. Die Fremden entsprechen nicht unbedingt dem, was in der Zeit des Entstehens des Romans unter Aliens verstanden wurde. Keine glupschäugigen, tentakelbewährten Monster, sondern im Aussehen wie du und ich. Budrys lässt in seine Erzählung neben der erzählerischen Handlung immer wieder erfundene Zeugenaussagen und Geheimdienstberichte einfließen. Dem Leser bleibt es überlassen, sich ein Bild zu formen. Mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Manch einer fragt sich, ob hier das Leben und Leiden von Einwanderern erzählt wird. Von den Schwierigkeiten, sich in eine fremde Gesellschaft einzufügen, bis hin zum völligen Aufgehen in der fremden Kultur.

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