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Sachbücher / Magazine

Grumbles from the Grave

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Serie/Zyklus: ~
Originaltitel/Titel: Grumbles from the Grave (1988)
Autor: Robert A. Heinlein
Übersetzer: ~
Verlag/Buchdaten: Del Rey, 281 Seiten, ISBN 978-0345362469

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Grumbles from the Grave bedeutet auf Deutsch ungefähr: Gemotze aus dem Grab. Und so muss man das Buch auch verstehen: Science-Fiction-Autor Robert A. Heinlein hatte sich schon früh entschlossen, seine Korrespondenz aufzubewahren und zu archivieren. Sein letzter Wille war es, dass seine Frau dieses Vermächtnis nach seinem Tode durchsieht und genau mit diesem Titel veröffentlicht. Das Ergebnis ist nun dieses Buch. Man glaubt gar nicht, was man alles aus einem Briefverkehr herauslesen kann. Zunächst ist da der Briefverkehr mit John W. Campbell jr. Das Verhältnis zwischen ihm und Heinlein war sehr interessant. Zunächst war Campbell ein Förderer, der Heinleins Talent erkannte und den Autor mit Kritik stark nach vorne brachte. Campbell kaufte gleich auf Anhieb Heinleins erste Geschichte, lehnte aber dann die folgenden vier ab, weil er sie für nicht gut genug empfand (die Erzählungen wurden später unter einem Pseudonym in anderen Magazinen veröffentlicht). Dann jedoch wurde Heinlein zu einem der wichtigsten Autoren für das Magazin und es wurden viele Geschichten aus dem Future-History-Komplex veröffentlicht. Campbell selbst hatte diesen Begriff geprägt. Zwischen beiden entwickelte sich eine Freundschaft, die dann über der Frage zerbrach, ob man im zweiten Weltkrieg als Soldat kämpfen solle oder nicht. Heinlein kam mit der pazifistischen Sichtweise Campbells nicht klar. Der Autor war sicher kein Kriegstreiber oder Befürworter von Kriegen, aber er sah es als Pflicht eines jeden in einem Staat an, für die Freiheit zu kämpfen.

Noch interessanter aber war das Verhältnis zu der Lektorin und Herausgeberin des Scribbner Verlags. Regelmäßig beschwerte sich Heinlein über die Änderungen, die an seinen Jugendbüchern vorgenommen werden sollten. Sei es nun, dass der jugendliche Held im Buch „Der rote Planet“ eine Waffe tragen durfte und diese auch benutzte oder dass sich ein Mädchen in „Das Sternenbiest“ von seinen Eltern scheiden ließ. Der typische Ton in den berühmten Jugendbüchern Heinleins machte die Bücher erfolgreich, weil sie sich von allem abhoben, was sonst am Markt erhältlich war. Der Autor setzt sich über Konventionen hinweg und ganz offensichtlich provozierte er auch mal gerne. Mehrfach schrieb er seinen Agenten, dass er es als Unverschämtheit empfand, wie die Redakteurin seinen Roman verändern wollte. Heinlein war aber intelligent genug, um alle Kommunikation über ihn als außenstehende Person laufen zu lassen. Der Ekat kam so erst spät, als Heinlein - man kann es sich kaum vorstellen - Starship Troopers als Jugendroman verkaufen wollte. Auch wenn er sich in der Korrespondenz darüber beschwerte, dass man ihm noch nicht mal ein paar Zeilen schrieb und die Ablehnung begründete, so ist es doch ziemlich klar, dass er diesen Bruch bewusst herbeigeführt hatte. Nach 12 Jugendromanen in 12 Jahren war Schluss. Sehr schade, denn zumindest 11 dieser Bücher waren gut, einige gelten sogar als Klassiker der Genres.

Das Buch gibt also in unterhaltsamer Weise einen recht guten Einblick über die Person Robert A. Heinlein. Dabei war er kein unnahbarer Autor - die Fanpost war ihm wichtig und er gab sich lange Mühe, jeden Brief zu beantworten. Doch die Korrespondenz mit seinem Verleger belegte, dass die Fanpost immer mehr wurde und er dann nur noch Briefe mit Rückporto beantwortete (verständlich) und später sogar ganz auf die Beantwortung der Briefe verzichtete und das in die Hände seiner Frau legte, weil er sonst gar nicht mehr zum Schreiben gekommen wäre. Heinlein hat in seinem Leben zwei Häuser gebaut - ein Fakt, der mir persönlich nicht gefällt, denn er hat Jahre dafür verwendet, die er ansonsten für das Schreiben von Romanen hätte verwenden können. Heinlein konnte immer, wenn er sich auf die Arbeit konzentrierte, etwas zu Wege bringen (das kam aus der Korrespondenz recht gut heraus), doch zu oft lenkten ihn andere Dinge ab. Vor allem seine vielen Krankheiten in den 70ern führten zu längeren Schreibpausen.

Wie auch immer: Man lernt über Heinlein aus diesem Buch mehr über die Persönlichkeit als aus jeder Biographie. Und der Fakt, dass der Autor seine Briefe in ähnlich unterhaltsamer Weise verfasste wie seine Romane, macht dieses Buch, das einen recht trockenen Inhalt vermuten lässt, zu einer überraschend kurzweiligen Lektüre.
8 von 10 Punkten.

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