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Liebeslied an den Tod (Grablicht, Band 1)

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Reihe: Grablicht, Band 1
Titel: Liebeslied an den Tod
Autoren: Daniela Winkler
Zeichnungen: Daniela Winkler
Buch/Verlagsdaten: Knaur Taschenbuch (Mai 2010), 176 Seiten, 6,95 EUR, ISBN: 978-3-426-53000-9

Eine Besprechung / Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor auf fictionfantasy findet man hier oder auf ihrer Webseite www.literatopia.de)

Klappentext:
Die junge Emily wacht nachts blutüberströmt auf einem Spielplatz auf. Sie ist orientierungslos und kann sich an nichts mehr erinnern. Der Vampir David will sie erschaffen haben. Sie glaubt ihm nicht, doch ehe sie sich versieht, wird sie mit hartnäckigen Vampirjägern und zwielichtigen Artgenossen konfrontiert

Mit „Grablicht“ liegt ein weiteres Manga aus dem Hause Droemer Knaur vor, das genretechnisch in der derzeit beliebten Dark Fantasy angesiedelt ist. Emily wacht blutüberströmt auf einer Parkbank auf und wundert sich nur, dass sie mit Ketchup verschmiert ist. Die Erinnerungen an den Abend und ihr gesamtes Leben fehlen ihr - nicht einmal an ihren Namen kann sie sich erinnern. Im Folgenden wird sie jedoch von dem Vampir David einfach „Emily“ genannt, wobei ihr der Name selbst gut gefällt. Anfangs kann sie nicht glauben, dass David tatsächlich ein Wesen der Nacht ist und sie zu allem Überfluss in einen Vampir verwandelt hat. Eine andere Möglichkeit, Emily vor dem sicheren Tod zu bewahren, hat dieser jedoch nicht gesehen. Als auch noch der Vampirjäger Jorel auftaucht, gibt es für Emily keinen Zweifel mehr an ihrer neuen Identität.

Emily tritt im schwarzblauen Gothic-Outfit auf und passt damit optisch schon einmal wunderbar zu ihrem neuen Leben als Vampir. Nur innerlich wehrt sich das junge Mädchen gegen die ungewohnte Natur und schafft es so nicht einmal, einem Tier das Blut auszusaugen. Dafür ist sie unheimlich quirlig und tollpatschig. Das macht die Protagonistin zwar durchaus sympathisch, an der einen oder anderen Stelle würde man sich aber ein wenig mehr Contenance wünschen. David dagegen ist nicht nur cool, sondern auch ziemlich arrogant. Dennoch spürt man die innige Zuneigung zu seiner Schöpfung, was den machomäßigen ersten Eindruck abmildert. Beide Charaktere haben Potential, aus dem die Autorin in den Folgebänden etwas machen kann. Die Beweggründe des Vampirjägers Jorel bleiben dagegen weitgehend im Dunkeln, wobei er für Action in der Story sorgt. Die Nebencharaktere sind bisher unspektakulär. Daniela Winkler hat sich in „Liebeslied an den Tod“ sehr auf ihre Protagonisten fokussiert.

Hier liegt leider auch der Knackpunkt. Neben dem Annähern der beiden Protagonisten passiert nicht allzu viel. Jorel hält die beiden ein wenig auf Trab, aber Hintergrundinfos sind rar gesät. Natürlich hat man in einem Manga oder Comic nicht so viel Platz für den Aufbau seiner Geschichte. Andere Mangaserien haben jedoch gezeigt, dass man schon vom ersten Band an jede Menge Andeutungen einbauen kann, die das Interesse des Lesers richtig hochkochen lassen. Das gelingt Daniela Winkler zwar in Ansätzen, aber im nächsten Band muss da etwas mehr kommen. Ein klein wenig mehr Text hier und da hätte da schon Abhilfe schaffen können. Nichtsdestotrotz gelingt der Autorin ein spannender Storyaufbau. Dieser wird von Anfang an mit jeder Menge Gefühl unterstrichen - doch auch humorvolle Szenen kommen nicht zu kurz. Kleine, lustige Einlagen gibt es wahrlich genug. Diese trösten über die nicht ganz so innovative Grundidee des Mangas hinweg. Bisher sieht alles nach einer typischen Vampirstory aus, aber vielleicht gelingen Daniela Winkler noch ein paar Finessen und die ein oder andere Wendung in der Zukunft.

Im Gegensatz zu „das Ich“ wurde „Grablicht“ in der fernöstlich richtigen Orientierung gestaltet. Mangafans können gewohnt „hinten“ anfangen und werden mit einigen düsteren Farbseiten begrüßt. Der Stil erinnert an diverse Gothic-Comics und unterstreicht die Story hervorragend. Harte Kontraste und Schattierungen ergeben ein stimmungsvolles Bild, wobei der Unterschied zu den japanischen Mangas deutlich zu sehen ist. Die Aufteilung in Kästen dominiert auf manchen Seiten recht stark. Insgesamt macht alles auch einen „europäischeren“ Eindruck; lediglich Jorel könnte einem Shônen Manga entsprungen sein. Allerdings kann man der Autorin nicht vorwerfen, die japanische Mangakultur zu kopieren. Sie kreiert ihren eigenen Stil, den sie hoffentlich in den kommenden Bänden weiter ausbauen kann. Leider wird der zweite Band erst im nächsten Jahr erscheinen. Veröffentlichungen wie „Grablicht“ lassen jedoch auf ein Aufblühen der deutschen Manga-Szene hoffen.

„Grablicht - Liebeslied an den Tod“ ist alles in allem ein gelungener Auftakt zu einer vielversprechenden deutschen Mangaserie. Mit viel Gefühl und Humor erzählt Daniela Winkler die Geschichte der neugeborenen Vampirin Emily, die ihr neues Leben noch nicht ganz wahrhaben will. Ein klein wenig mehr Inhalt wäre jedoch wünschenswert gewesen.

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