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Gothic Mystery

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gothic mystery

Reihe: One-Shot
Titel: Gothic Mystery
Autor: Miku Momono
Originaltitel: Himeyakana Tousaku
Originalverlag: Shogakukan
Buch-/Verlagsdaten: Egmont Manga & Anime (2013), Taschenbuch, 192 Seiten, 6,50 EUR, ISBN: 978-3-7704-7859-0

Eine Besprechung / Rezension von Judith Gor (Weitere Rezensionen von Judith Gor findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Miyukis Vater hat die Familie für eine andere Frau verlassen, ihre Mutter nahm sich aus Verzweiflung das Leben. Ihr Adoptivbruder und Butler Mikage ist der einzige, den Miyuki als Familie akzeptiert. Ihre anderen Verwandten kreisen wie Aasgeier über den riesigen Vermögen, das sie geerbt hat. Ihr Vater war nämlich ein berühmter Puppenbauer und seit seinem Verschwinden gelten seine Puppen als begehrte Sammlerobjekte. Miyuki hasst die leblosen Geschöpfe jedoch und möchte sie allesamt verkaufen. Mikage unterstützt sie dabei und steht ihr in jeder Hinsicht zur Seite – doch plötzlich ist Mikage in Miyukis Träumen mehr als ein Bruder: er wird zu einem leidenschaftlichen Liebhaber. Und Miyuki scheint immer öfter nicht mehr sie selbst zu sein …

Miyuki ist ein ausgesprochen hübsches und freundliches Mädchen, das sich eigentlich nur mit Mikages Hilfe wirklich behaupten kann. Sie entspricht dem naiven, puppenhaften Mangamädchen, das von einem gut aussehenden jungen Mann beschützt und umsorgt wird. Doch Miyuki hat eine dunkle Seite, die immer öfter die Kontrolle übernimmt und sich ungeniert mit Mikage vergnügt. Es scheint, als würde eine vollkommen andere Frau in ihrem Körper leben. Mikage versucht allerdings, dieses zweite Gesicht vor Miyuki zu verbergen, dabei hat er selbst eine finstere Seite, die den Leser lange an seinen Motiven zweifeln lässt. Nutzt er Miyuki etwa nur aus? Was hat es mit ihrer zweiten Persönlichkeit auf sich und was weiß Mikage darüber? Letztlich münden diese Fragen in Miyukis tragische Vergangenheit, die bis zum Schluss für Überraschungen sorgt.

Im Vergleich zu „Gothic Love“, das eher episodenhaft war, ist „Gothic Mystery“ eine zusammenhängende Geschichte, die sich kontinuierlich aufbaut. Dabei stehen die Beziehung von Miyuki und Mikage sowie ihre dunklen Seiten im Vordergrund. Nebencharaktere dienen lediglich als Statisten und bestehen vor allem aus geldgierigen Verwandten und Dienerschaft. Die Protagonisten sind etwas facettenreicher als jene in „Gothic Love“, doch auch „Gothic Mystery“ setzt auf Genreklischees und ist letztlich nicht mehr als seichte Unterhaltung. Die Erotik wurde ein wenig zurückgenommen, wobei sie auch dieses Mal aufgesetzt anrüchig daherkommt. Die Liebe zwischen Miyuki und Mikage ist jedoch durchweg spürbar. Zwar ist von Anfang an abzusehen, wie sich die Liebesgeschichte entwickelt, doch die Annäherung der beiden wird schön beschrieben.

Aus der Hintergrundgeschichte um die schönen Puppen hätte Miku Momono hingegen mehr machen können. Miyukis Vater war von seinen Schöpfungen regelrecht besessen und wollte eine Puppe schaffen, die vollkommen lebensecht und perfekt ist. Mikage, den er als Waisenkind bei sich aufgenommen und adoptiert hat, hat er als lebensechte Puppe für Miyuki angeschafft. Diese Konstellation und die Obsession des Vaters bringen etwas Unheimliches in die Geschichte, das das „Gothic“ im Titel rechtfertigt – wären da nicht angesprochenen Klischees. Aber „Gothic Mystery“ ist auch kein Mystery-Manga, sondern eine Lovestory.

Die Zeichnungen von Miku Momono leben von einer feinen Strichführung, die durchaus zur seichten Story passt. Besondere Merkmale sucht man allerdings vergebens. Die Gesichter und auch die Haltung der Charaktere wirken teilweise etwas steif, doch insgesamt ist eine Verbesserung zu erkennen und der Anteil gelungener Zeichnungen ist gestiegen. Alles in allem ist Miku Momonos Stil zu glatt, zu belanglos. Hübsch – wie viele andere Manga des Genres auch. Hin und wieder schafft es ein Gesichtsausdruck, den Leser länger zu fesseln, doch es wird wohl noch Zeit brauchen, bis sich bei dieser Mangaka ein eigener Stil herauskristallisiert hat. Was die Qualität des Taschenbuchs betrifft, gibt es einen kleinen Kritikpunkt: die inneren Seitenränder scheinen zu fehlen, denn oftmals liegen Sprechblasen soweit innen, dass man den Text nur lesen kann, wenn man den Manga gewaltsam auseinanderbiegt.


Fazit

„Gothic Mystery“ setzt eine durchaus spannende Idee mit zu vielen Klischees um und bietet letztlich nur seichte Unterhaltung mit einem Schuss Erotik. Fans schwer romantischer und kitschiger Geschichten kommen allerdings voll auf ihre Kosten. 3 von 5 Punkten.

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