Glashaus

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Titel: Glashaus
Originaltitel: Glasshouse
Autor: Charles Stross
Übersetzt: Usch Kiausch
Buch/Verlagsdaten: Heyne Science Fiction (2008); 494 Seiten; 8,95 €; ISBN 3-453-52360-9

Eine Besprechung / Rezension von Alexander Pechmann
(weitere Rezensionen von Alexander Pechmann auf fictionfantasy findet man hier)

Der neue Roman von Charles Stross basiert auf einer aufregenden Idee: Was kommt dabei heraus, wenn Menschen einer fernen Zukunft versuchen, unsere Gegenwart zu verstehen, indem sie das Leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einem Rollenspiel imitieren? Stross macht aus diesem originellen Einfall eine ziemlich komplizierte Geschichte: Robin und Kay sind Veteranen eines Krieges des 27. Jahrhunderts und erholen sich in einer speziellen Reha-Klinik. Beide beschließen, an einem Experiment teilzunehmen - einer Rekonstruktion unserer heutigen Zeit und Lebensweise, in der die Probanden ohne Zugang zu den technischen Errungenschaften ihrer Gegenwart leben und arbeiten sollen. Natürlich geht etwas schief: Robin erwacht im Körper einer Frau und muss erst herausfinden, wer von den anderen Teilnehmern des Experiments seine Geliebte Kay ist. Er hat merkwürdige Gedächtnislücken und leidet unter schmerzlichen, plötzlich auftauchenden Erinnerungen an seine Erlebnisse als Soldat. Er entdeckt, dass die Leiter des Experiments eigene, nicht ganz geheure Ziele verfolgen und dass es so gut wie unmöglich ist, aus diesem Experiment wieder auszusteigen.

Das Besondere an dem Roman ist die Darstellung jener künstlichen Welt, die unserer Gegenwart entsprechen soll. Die Probanden des Experiments müssen sich einem eigenartigen Punktesystem fügen, nach dem normkonformes Verhalten - Arbeiten, Kirchgang, Kinderkriegen - mit Pluspunkten belohnt wird, während abweichendes Verhalten durch Punktabzüge bestraft wird. Dies führt zunächst zu einigen komischen Szenen, entwickelt sich aber bald zu einem Horrorszenario. Abweichler und Außenseiter werden von jenen unter Druck gesetzt, die um jeden Preis die maximale Punktzahl erreichen wollen. Dies ist der Ausgangspunkt für eine fast schon geniale Satire auf das Spießbürgertum unserer Zeit oder zumindest auf eine bestimmte Geisteshaltung, die in der Anhäufung von Statussymbolen den Sinn des Lebens zu erkennen meint. Aber Stross will mehr: So schreibt er über eine komplizierte Verschwörung, die mit einem Krieg gegen eine bösartige Künstliche Intelligenz namens Curious Yellow zu tun hat. Die anfangs sehr packende und originelle Erzählung wird zunehmend undurchsichtig und durch den häufigen Identitätswechsel der Hauptfigur reichlich verwirrend, und die Auflösung ist auch nicht wirklich überraschend. Dennoch: "Glashaus" ist der bislang beste Roman von Charles Stross, den man sowieso spätestens seit "Accelerando" zu den interessantesten SF-Autoren zählen muss.

Fazit: ein sehr origineller, beinahe genialer SF-Roman für anspruchsvolle Leser.

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