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Der Stern des Zigeuners (Gipsy, Band 1)

Serie: Gipsy, Band 1
Titel: Der Stern des Zigeuners
Originaltitel: Gipsy 1: L'étoile du gitan
Text: Thierry Smolderen
Artwork: Enrico Marini
Lettering: Dirk Schulz
Ausstattung: Hardcover, Albumformat, 66 Seiten
Verlag: Splitter Verlag, 2011, ISBN: 978-3-86869-305-8

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)

In einer nicht allzu fernen Zukunft haben dramatische Veränderungen des weltweiten Klimas eine vollkommen neue Infrastruktur erforderlich gemacht. Während das Leben auf der Südhalbkugel auf Grund eines riesigen Ozonlochs unter tödlicher UV-Strahlung dahinsiecht, wird die Nordhalbkugel von einer kleinen Eiszeit heimgesucht mit der Folge, dass der interkontinentale Flugverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist. Stattdessen vernetzt ein weltweites Straßengeflecht die Metropolen der Welt, wobei die C3C – die Circumpolar 3 Continentale – die wichtigste und größte dieser neuen Autobahnen ist und um den arktischen Ozean herum Eurasien, Afrika und Amerika miteinander verbindet.
Einer der Glücksritter, die unter den harten Bedingungen der C3C ihr Glück suchen, ist der Zigeuner Tsagoi, der mit seinem Truck legale wie illegale Aufträge erledigt. Eines Tages taucht in Port Radium im Norden Kanadas seine jüngere Schwester Oblivia - oder kurz Bibi -, die er seit langem in einem Schweizer Internat wähnte, just zu dem Zeitpunkt auf, als sich Tsagoi oder der Gipsy, wie er sich selbst voller Stolz nennt, einen blutigen Kampf mit anderen Truckern liefert. Sein brutales, skrupelloses Vorgehen lässt den Zigeuner zwar siegreich sein, jedoch müssen die Geschwister fliehen, so dass das gebildete Mädchen fortan ihren ihr vollkommen fremd gewordenen Bruder begleitet.
Das erste gemeinsame Abenteuer führt Tsagoi und Bibi nach Sibirien. Ihr Fuhre: eine Waffen-Lieferung in die sibirische Stadt Zigansk, die auf Grund eines schwelenden Konfliktes zwischen der Russischen Föderation und mongolischen Freischärlern dort dringend benötigt wird. Doch auf der C3C bläst nicht nur ein eiskalter Wind den Geschwistern entgegen, auch verfeindete Trucker, Schergen des mächtigen Selmer-Konzerns sowie monogolische Räuber sorgen ebenso wie eine geheimnisvolle, verbündete Fahrerin, welche sich Hexe nennt, dafür, dass die Zeit im Truck nicht langweilig wird.

"Gipsy" gehört zu jenen Comic-Serien im Splitter-Programm, die nicht nur einige Jährchen auf dem Buckel haben – immerhin stammt das erste Album aus dem Jahre 1993 -, sondern die auch schon in Deutschland veröffentlicht wurden – Feest/Ehapa (#1 - 4) sowie bei Carlsen (# 1 – 6). Dass im vorliegenden Fall dennoch eine Neuausgabe gerechtfertigt ist, liegt an der Qualität vor allem des Artworks, in dem Marini unverkennbar Elemente des japanischen Mangas und einer europäisch ausgelegten Bildersprache zu einem eigenständigen, hochdynamischen und ausdrucksstarken Stil verbindet, bei dem vor allem die Ausarbeitung der technischen Elemente sowie die Darstellung von Geschwindigkeit und Aktion aber auch die beeindruckenden eisigen Landschaften den Leser regelrecht mitreißen.

Im Gegensatz zum Artwork ist die Story seltsam unangenehm, was nicht an dem potenziell interessanten Grundsetting liegt, sondern an der Hauptfigur Tsagoi, der sich als eine Art nazistischer Soziopath durch den Plot prügelt, flucht und fickt, von sich ständig in größenwahnsinniger Manier in der dritten Person radebrecht und so sympathisch daherkommt wie ein Furunkel am eisigen Arsch der Welt. Zudem funktioniert das Zusammenspiel von Bruder und Schwester nicht wirklich, was insbesondere an der durch das Siezen, das Bibi ihrem Bruder angedeihen lässt, sehr vordergründig und plakativ inszenierten emotionalen Distanz der beiden Charaktere liegt.

Fazit: Im Artwork ein schlichtweg mitreißendes Crossover zweier Comic-Welten – Japan und Europa -, in der Story eine Gewaltorgie, getragen von einem unsympathischen, furunkelhaften Adrenalin-Junkie.

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