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Geschichten aus der Asimov-Kellerbar: und andere Science-Fiction-Fan-Satiren

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Titel: Geschichten aus der Asimov-Kellerbar: und andere Science-Fiction-Fan-Satiren
Autor: Klaus Marion
Buch/Verlagsdaten: Books on Demand, April 2012, 144 Seiten broschierte Ausgabe, ISBN-13: 978-3848204007

Auch als Kindle-Version verfügbar!

Eine Besprechung / Rezension von Jürgen Eglseer
(weitere Rezensionen von Jürgen Eglseer auf fictionfantasy findet man hier)

Als ich Ende der achziger Jahre das betrat, was man damals "Science Fiction Fandom" nannte, wurde ich mit einem (typisch deutschem?) etablierten hierarchischem System konfrontiert, das alle Ebenen dieser Szene durchdrang. Als sogenannter NEO, als neuer Fan in dieser Szene, konnte man sich genüsslich allen Plattheiten und Peinlichkeiten widmen, die ohne großartige Folgen von allen anderen hingenommen wurden. Denn man war ja NEO. Katastrophale Kurzgeschichten, peinlichste Leserbriefe oder üble Zeichnungen. Egal. Hauptsache man konnte veröffentlichen. Über den NEOs und den Fans standen die BNFs, die Big Name Fans, von denen es nur wenige gab (darüber gab es nur noch den SMOF, den Secret Master of Fandom). Dazu gehörten illustre Namen wie Klaus N. Frick, Hermann Ritter und eben Klaus Marion. Später konnte man noch andere Persönlichkeiten hinzuzählen, die teilweise heute immer noch in der Szene in allen möglichen Varianten tätig sind. Zentrales Sprachrohr, neben einer unglaublichen Vielzahl kleiner und kleinster Briefclubs und ähnlicher Konstellationen, war der Science Fiction Club Deutschland. Er vertrat Deutschland auf Conventions in aller Welt und produzierte mit Andromeda und den Andromeda Nachrichten Fanzines hoher Qualität. Heute hat sich das Bild etwas gewandelt. Mit der Verbreitung des Internets auch in Deutschland verschwanden so gut wie alle Briefclubs, nur noch sehr wenige sind von diesem fanischen Massensterben verschont geblieben. Das Fandom, die Szene, hat sich ebenfalls sehr gewandelt. Zwar sind viele der Namen, die man aus früheren Zeiten noch kennt, aktiv - jedoch bestimmen heutzutage eher Buchblogs mit meist weiblicher Besetzung das phantastische Bild - ohne dies jetzt zu werten. Die pickeligen Nerds mit Raumschiffmodellen und selbstgedruckten Science Fiction-Weltraumabenteuern sind leider ausgestorben, auch wenn man den Eindruck hat, der Kindle lässt diese Zunft zumindest literarisch wieder auferstehen.

In den oben erwähnten Andromeda Nachrichten veröffentlicht Klaus Marion seit über 30 Jahren seine Science Fiction Satiren, die sich jedoch weniger den futuristischen Geschichten widmen, mehr den Menschen, die hinter diesen Geschichten stehen. In der Asimov-Kellerbar treffen sich die Wichtigen, die Entscheidungsträger, die BNFs - oder die, die sich dafür halten. Altgediente Autoren trifft man, auch wenn sie vor Jahren leider verstorben sind, in einer Ecke auf ein Glas Bier wieder und hält einen Plausch. Krischan Holl, begabter Künstler, ist verdammt, aufgrund einer verlorenen Wette die hintere Wand der Kneipe zu gestalten - und kommt hier wie Sisyphos nie zu einem Ende. Frank Aussenstein, von sich selbst überzeugter Nachwuchsautor, der davon träumt, einen Vertrag mit Heyne erlangen, hämmert in einer Ecke auf seine Schreibmaschine und muss sich über all die Getränke ärgern, die ihm die Besucher der Kellerbar in unaufmerksamen Augenblicken in die Maschine kippen. Rudi Gerstner als Wirt hat immer einen guten Rat oder ein passendes Getränk parat. Ergänzend zu Gerstners Kreationen sind in dem Büchlein auch allerlei Rezepte für leckere oder abenteuerliche Mixgetränke abgedruckt. Experimentieren beim nächsten Fantreff ist hier so gut wie vorprogrammiert.
Klaus Marions Texte erzeugen bei einem uneingeweihtem Leser eine Mischung aus Befremden und Irritation, erst langsam dämmert es einem NEO, das hier eine andere Welt exisitert -oder existierte?. Der altgediente Fan erkennt in Anmerkungen und Sticheleien eine Vielzahl von Fans und Ereignissen, immer wieder glüht bei der Lektüre ein heimeliges Gefühl auf, verbunden mit einem wissenden Lächeln.

Das ist genau das, was dieses Büchlein für mich so wertvoll macht. Klaus Marions Texte sind gut, witzig geschrieben. Jedoch wichtiger ist für mich persönlich die Erinnerung an vielleicht bessere Zeiten, an Anekdoten, die man sich bei einem guten Glas Bier in der Asimov-Kellerbar erzählt. Letzendlich wichtiger als jede Weltraumreise war im SF-Fandom die Freundschaft - und das ist das, was die "Geschichten aus der Asimov-Kellerbar" so wunderbar unterstreichen.

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