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Geniosso
Kurzgeschichten

Autor: Bodo Kroll

Der Geniosso der Khalachsen! Ich war alles, was die Khalachsen wussten und konnten. Und sie konnten und wussten viel, sehr viel – doch zum Sieg gegen die Subsiden reichte eben nicht.

Vor undenklichen Zeiten war ich geschaffen worden, um die Khalachsen zum Sieg zu führen, doch den Subsiden gelang es stets mit jeder Verbesserung an mir Schritt zu halten.

 

Im heutigen Gefecht hatte ich Hunderte von Subsidenschiffen zerstört. Doch auch an mir war der Kampf nicht spurlos vorbeigegangen. Mein Raumschiff wies schwerste Beschädigungen auf. Mein Antrieb brannte immer noch, und es war fraglich, wie lange er noch seinen Dienst tun würde. Die meisten körpereigenen Funktionen waren irreparabel beschädigt. Auch meine Lebensuhr lief ohne fremde Hilfe gnadenlos ab.

 

Ich wusste, dass mein Ende gekommen war. Trotzdem war der Kampf für mich noch nicht beendet. Ich war die derzeitig neueste Entwicklung der Khalachsen. Der Wissensplanet, der mich erzeugt hatte, war vor wenigen Stunden zu Grunde gegangen. So trug nur noch ich das seit ewigen Zeiten überlieferte Wissen der Khalachsen in meinen Genen. Und diese Gene mussten unbedingt erhalten bleiben. Sonst wäre das Volk der Khalachsen den Subsiden ausgeliefert. Schon jetzt konnten sie nur noch überleben, indem sie sich überall in der Galaxis versteckten. Alle hofften auf den neuen Geniosso, der das Kriegsglück noch einmal zu ihren Gunsten wenden würde.

 

Heute hätte ich es beinahe geschafft. Fast alle Schiffe der Subsiden waren vernichtet worden, doch ihr Flaggschiff war entkommen. Ich konnte es nicht weiter verfolgen. Nun war ich es, der bald wieder zum Gejagten werden würde. Sobald sie ihre Kräfte neu geordnet hatten, würde die Hatz beginnen.

 

Ich mußte ihnen zuvorkommen. Hierzu hatte ich mir einen verwegenen Plan zurechtgelegt. Verschiedene Raumbojen funkten bereits auf khalachsenbekannten Frequenzen, dass bald ein neuer Geniosso geboren werde. Die Khalachsen würden ihn erkennen. Aus diesem Grunde sollen sie im angegebenen Raumsektor nach ihm suchen.

 

Mein Ziel lag endlich vor mir. Zufällig hatte ich eine Welt mit einfachen Wesen ausfindig gemacht. Hier sollte der Keim des neuen Widerstandes geboren werden.

 

Mit letzter Kraft gelang es mir, mein Schiff auf der Nordhalbkugel der dritten Welt einer kleinen gelben Sonne zu landen.

 

Die Ureinwohner hier lebten sehr einfach. Erste unsagbar primitive Maschinen, die mit fossilen Energieträgern betrieben wurden, begannen ihr Leben zu vereinfachen. Dies war genau die Tarnung, die der neue Geniosso brauchte, um unbemerkt von den Subsiden heranzuwachsen.

 

Mit meinen für menschliche Verhältnisse unvorstellbaren Möglichkeiten analysierte ich den Genpool der Wesen, die hier lebten und passte meine Gene an.

 

Minuten später trat ich in Gestalt eines zirka 40 Jahre alten Mannes aus einer flachen, 50 Meter durchmessenden goldfarbenden Scheibe.

 

Ich drehte mich um. So konnte ich gerade noch sehen, wie die Scheibe blitzschnell verdampfte. Der Wind trieb die letzten Rauchschwaden auseinander. Das Schiff des Geniossos war rückstandsfrei verschwunden. Jeder Hinweis auf den Verbleib des alten Geniossos war damit verwischt.

 

Meine letzte Aufgabe war es, die verschlüsselten Erbinformationen an die Einwohner dieses Planeten weiterzugeben. Ich hatte sie so konditioniert, dass sie jeweils nur an die männlichen Teil weitergegeben würden. Mit meinen Fähigkeiten dürfte es kein Problem sein, mich in dieser Welt zurechtzufinden. Ich brauchte jetzt nur noch ein zu meinen modifizierten Genen passendes weibliches Gegenstück finden, um mich hier zu paaren, bevor meine angeschlagenen Ladebatterien leer waren.

 

Der neue Geniosso würde in wenigen intergalaktischen Einheitsjahren auf diesem Planeten geboren und von den überlebenden Khalachsen gefunden werden. Mit ihm würden sie vielleicht die verhassten Subsiden besiegen.

 

 

*

 

Es war damals sehr knapp gewesen. Fast alle Schiffe der Subsiden waren vernichtet worden. Alle ihre Hauptwelten waren der unheimlichen Macht des Geniossos zum Opfer gefallen. Lediglich das angeschlagene Flaggschiff hatte sich retten können.

 

Und eine neue Zivilisation nur mit einem Flaggschiff und einigen Kolonialwelten zu gründen war selbst für die äußerst agilen Subsiden schwer.

 

So hatten sie große Schwierigkeiten, ihre eigene Rasse zu erhalten. Die meisten Subsiden wollten vom heiligen Krieg gegen die Khalachsen nichts mehr wissen. Doch es gab nach wie vor eine Führungsschicht. Und diese Schicht hatte den Haß auf die Khalachsen bereits von Kindesbeinen an eingeimpft bekommen. Bevor sie jetzt wieder die Subsiden zum Kampf gegen die Khalachsen führen wollten, mussten sie deren größte Waffe ausschalten. Diese Waffe hieß Geniosso und war ein Kunstwesen der Extraklasse. Es verfügte über das gesamte Wissen der Khalachsen und war mit schier unendlich vielen Sonderorganen bestückt. Dank dieser besonderen Organe konnte es Dinge vollbringen, die selbst den erfahrenen Subsiden rätselhaft waren.

 

Arno der Erneuerer hatte sich in den vergangenen Jahren als neuer Führer der Subsiden halten können. Er hatte die alten Aufzeichnungen des Flaggschiffes gesichtet und festgestellt, dass das Schiff des Geniossos brannte, als es das Kampfgebiet verließ.

 

Auch die Subsiden hörten und übersetzten die Meldung der feindlichen Bojen. Irgendwo in diesem Abschnitt war der Geniosso gelandet. Weiter konnte sein brennendes Raumschiff nicht gekommen sein. Sein Nachfolger lebte jetzt auf einer bewohnbaren Welt und wartete auf Rettung durch die Khalachsen.

 

Wenn sie ihn wirklich fänden, wäre es das Ende der Subsiden. Noch hatten sie sich nicht von der letzten Schlacht erholt, noch gab es keine neue Raumflotte. Die Subsiden kämpften nach wie vor auf den Kolonialwelten ums Überleben und waren damit ein leichtes Opfer für die Khalachsen.

 

Arno der Erneuerer hatte sich heimlich mit dem alten Flaggschiff, das seinerzeit die Schlacht überstanden hatte, von den neu gebauten Schiffen abgesetzt. Er wollte den neuen Geniosso vor den Khalachsen finden und, wenn möglich, für seine Zwecke einsetzen. Damit hätte er seinen Platz als Nummer Eins der Subsiden für immer gefestigt. Doch dazu musste er diesen verfluchten Geniosso erst einmal ausfindig machen!

 

Seit über zehn Jahren intergalaktischer Einheitszeit kreuzte er durch diesen Raumabschnitt. Es musste ein geheimes Zeichen geben, an dem die Khalachsen ihren Geniosso erkennen konnten. Dieses Geheimnis musste er lösen. Seines Wissens ging es den Khalachsen nicht sehr viel besser, als seinem eigenen Volk. Sie dürften über kaum mehr als ein paar kleine Raumschiffe verfügen. Auch sie waren voll im Einsatz zum Erhalt der khalachischen Zivilisation. Folglich konnten sie nur begrenzt nach dem Geniosso suchen. Arno der Erneuerer glaubte an seine Chance....

 

*

Eigentlich war Bernd Koch ein zufriedener Mensch. Natürlich träumte er wie jeder davon, einmal berühmt und reich zu sein. Wer würde nicht gern von allen bewundert werden?

 

Doch dazu hatte es nicht gereicht. Gemeinsam mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Melitta hatte er sich ein kleines Häuschen in der Altstadt gekauft und renoviert. Nachwuchs hatte sich auch schon angekündigt. So schien sein Leben auch in Zukunft in sehr normalen Bahnen zu verlaufen.

 

Bernd täuschte sich.

 

Es begann an einem Montag morgen, als er um fünf Minuten nach sieben sein Haus verließ, um zur Arbeit zu gehen. Die Morgensonne hatte sich noch nicht recht sehen lassen. Die letzten Nebelschwaden der Nacht waberten noch durch die enge Altstadtgasse.

 

Plötzlich hatte sich etwas verändert! Bernd blieb verdutzt stehen und sah sich um.

 

Die Nebenschwaden bewegten sich nicht mehr! Und es war totenstill - als ob jemand einen Schalter umgelegt hatte, als ob ein Film einfach angehalten wurde...

 

Direkt vor Bernd tauchten zwei menschengroße Konturen wie aus dem Nichts auf. Verblüfft blieb Bernd stehen. Seine Kinnlade klappte herunter, als sich die Konturen mehr und mehr aus dem Nebel schälten.

 

Vor ihm standen zwei Wesen, die ihn entfernt an die Klingonen einer bekannten Science Fiction Serie erinnerten. Bevor er überhaupt reagieren konnte, sprach die linke Gestalt im akzentfreiem Deutsch zu ihm: "Hallo Herr Koch, bitte erschrecken sie nicht. Wir sind wirklich Besucher von einem fremden Planeten und haben sie gesucht. Sie werden das natürlich für einen Scherz halten, was wir gut verstehen können. Doch mit ihrem Einverständnis werden wir ihnen jetzt gleich beweisen, dass wir es tatsächlich sind!"

 

Bernd Koch fühlte sich vollkommen überrumpelt. Seine Überlegungen waren noch gar nicht so weit gediehen, um diese seltsame Situation für einen Scherz zu halten. Gerade eben noch war er auf dem Weg zur Arbeit, dann wurde die Welt angehalten und jetzt standen zwei seltsame Typen vor ihm und quasselten ihn dumm von der Seite an. Bernd Koch wurde ärgerlich.

 

"Was soll der Mist?" fuhr er die Subsiden an. "Ich bin wirklich nicht in Stimmung für ihren Schabernack, den sie hier mit mir zu treiben gedenken. Gehen sie zurück zu ihrem Fernsehsender und suchen sie sich einen anderen Blöden, über den ihre Zuschauer lachen können."

 

Ohne die beiden Fremden weiter anzuschauen, wollte er sich an ihnen vorbei drängen, doch sie hakten ihn einfach links und rechts unter.

 

"Wir versprachen ihnen eben, es zu beweisen, und das werden wir auch tun!" erklärte ihm der Sprecher.

 

Ehe Bernd es sich versah, wurde er von den Aliens in eine kleine Seitengasse gezerrt Nach sechs Metern endete die Gasse in einen großzügigen Park. Mitten in der Anlage stand ein fremdes Objekt. Auch hier bewegte sich nichts. Irritiert blickte Bernd sich um. Die Aliens deuteten seinen Blick richtig. "Wir haben die Zeit angehalten, um ungestört mit ihnen reden zu können" erklärte der Sprecher. "Dies ist unser Flaggschiff. Wir suchen sie schon seit 10 intergalaktischen Standardjahren. Sie sind der Nachkomme eines Kriegsherren, den es vor langer Zeit auf die Erde verschlagen hatte."

 

Jetzt verstand Bernd gar nichts mehr. Kriegsherren, was für ein Quatsch. Er kannte seinen Vater nur zu gut. Genauso kannte er noch seinen Großvater. Der war Bäcker und lebte bis zu seinem Tod in einer benachbarten Stadt. Keiner der beiden war ein Kriegsherr gewesen. Diese Affen hier schienen vollkommen durchgeknallt zu sein.

 

"Was wollen Sie eigentlich?" Bernd versuchte, sich dem eisenharten Griff der fremden Männer zu entwinden. "Ich heiße Bernd Koch und bin alles andere als ein Kriegsherr oder sonst was. Ich finde, es reicht jetzt! Sie haben ihren Spaß gehabt. Ich bin nicht auf ihr Kasperletheater reingefallen! Nun seien sie so gut und lassen mich bitte gehen!"

 

Doch die Subsiden hatten andere Pläne. Ehe es sich Bernd versah, zerrten ihn die Aliens in das seltsame Raumschiff.

 

"Herr Koch, es gibt viele Dimensionen. Ihre Gene senden ein schwaches Signal in einer anderen Dimension. Wir haben dieses Signal geortet und sind ihm gefolgt. Sie wissen es noch nicht, doch sie sind der Geniosso. Mit ihrer Hilfe werden wir endlich für Frieden in unserer Galaxis sorgen können."

 

Bernd gab seinen Widerstand auf. Gegen die übermenschlichen Kräfte dieser Wesen kam er sowieso nicht an. Ohne weitere Gegenwehr ließ er sich in das Schiff ziehen.

 

"Wir haben Ewigkeiten nach einem Signal in unserer Dimension gesucht, bis wir darauf gekommen sind, es in einer anderen zu suchen" erläuterte der Sprecher eifrig weiter. "In unserer Welt ist das Signal lediglich ein schwaches, hochfrequentes elektrisches Feld und kaum zu entdecken. Doch jetzt haben wir sie gefunden! Sie sind das Symbol für Krieg und Vernichtung. Wenn wir sie jetzt haben, wird es keine neuen Kriege mehr geben."

 

Bernd ließ die Informationen an sich vorbeirauschen. Das Innere des Schiffes interessierte ihn viel mehr. Kaum hatte er es betreten, stand er auf einem weiten Feld. Inmitten des Feldes, über das blaue Wolken zogen, stand eine Art Zahnarztstuhl. Die beiden Aliens zwangen ihn, sich dort hineinzusetzen und schnallten ihn fest. Bernd fiel auf, das der Himmel hier viel größer wirkte, als das Schiff von draußen tatsächlich war. Er konnte keine Lichtquelle ausmachen. Wäre er hier aufgewacht, so hätte er gedacht, auf einem Acker weit draußen zu sein, und nicht in einem Raumschiff.

 

"Wir werden jetzt ihre Gene aktivieren" erklärte das redselige Alien. Die beiden zogen sich von Bernd zurück. Im gleichen Moment wurde er von einem gelben Licht umhüllt. Es hatte eine derartige Intensität, das Bernd es hätte anfassen können, wäre er dazu in de Lage gewesen. Das Atmen fiel ihm schwer. Die Luft verwandelte sich in eine Art Brei, die nicht mehr in seine Lungen wollte. Bernd begann nach Luft zu schnappen.

 

"Was wollten diese Irren bloß?" dachte er. "Wenn sie mich überfallen und ausrauben wollten, dann hätten sie es doch schon längst tun können."

 

Seine Gedanken verwirrten sich immer mehr. Längst schon reichte die Atemluft nicht mehr aus. Das Bewusstsein Bernd Kochs erlosch.

 

"Ich bin wieder da! Mein Plan hat funktioniert!" war mein erster Gedanke. Meine körpereigenen Sensoren tasteten die Umgebung ab. Die Standard R 4 Strahlung, die generell als Wachstumsbeschleuniger von den Khalachsen eingesetzt wurde, um unsere Kinder schneller zu mutigen Kriegern heranwachsen zu lassen, aktivierte auch den verschlüsselten Gencode.

 

Doch was zeigten die Sensoren? Es waren keine Khalachsen, die mich gefunden hatten. Es waren die verhassten Subsiden.

 

Blitzschnell analysierte ich unbemerkt die Datenbank ihres Schiffes. Es war das Flaggschiff, dass mir damals entkommen war. Die Subsiden wollten mich durch gezielte Fehlinformationen für sich einnehmen und zum Kampf gegen mein eigenes Volk einsetzen. Ein perfider Plan, der gut zu den Subsiden passte.

 

Was sie nicht ahnten war der besondere Gencode des Geniossos. Sie vermuteten in mir einen Nachkommen, der über die Fähigkeiten des Geniossos verfügte. Diesem Nachkommen hätten sie jedes Märchen auftischen können. Doch ich war kein gewöhnlicher Nachkomme. Ich war der Geniosso!

 

Ich beschloß ihr Spiel erst einmal mitzuspielen. Vielleicht konnte ich ja genügend Informationen sammeln, die ich später zur endgültigen Vernichtung der Subsiden brauchen konnte.

 

"Herr Koch?" Der eine Subside sah mich fragend an. "Wie geht es Ihnen? Wir haben Ihre Gene befreit. Sie können jetzt über Fähigkeiten verfügen, von denen sie vor wenigen Minuten noch nicht einmal geträumt hätten. Damit können sie in ihrer Welt reich und berühmt werden."

 

Ich erinnerte mich an Bernd Koch. Seine Erinnerungen waren nach wie vor in meinem Gehirn hinterlegt. Ich musste an seine, pardon, meine Frau Melitta denken, die Termine, die heute auf meiner Arbeitsstelle platzen würden, weil ich nicht dort war. Ein Lächeln umspielte meine Lippen. "Nebensächlichkeiten für einen Geniosso", dachte ich für einen kurzen Moment.

 

Hier ging es um mehr. Ich musste den Subsiden den Garaus machen. Dazu war ich geschaffen worden. Hier war ich in der Schaltzentrale ihrer Macht. Hier waren alle Entscheidungsträger versammelt. Alle ihre Planeten waren registriert. Ein Teil meiner Sensoren fertigte bereits ein Backup des Bordrechners an. Es waren ungeheuer große Informationsmengen, so dass ich einen virtuellen Speicher anlegen musste. Doch dieser direkte Zugriff hatte auch seinen Preis. Der Rechner konnte eventuell meinen Eingriff bemerken. Ebenso war es möglich, den virtuellen Speicher anzumessen.

 

Doch ich entschied, dass es das Risiko wert war! Endlich konnte ich die geheimsten Geheimnisse der Subsiden erfahren. Endlich würde ich diesen Abschaum vernichten!.

 

"Herr Koch", der Subside riss mich aus meinen Gedanken. "Wir lösen jetzt ihre Fesseln. Wenn sie einverstanden sind, begeben wir uns dann gemeinsam in unser Labor. Dort werden wir sie eingehend untersuchen. Sie werden begeistert sein, was sie jetzt alles können."

 

Mit einem freundlichem Lächeln nickte ich dem Subsiden zu. Meine Sensoren teilten mir mit, dass es sich um Arno, den Erneuerer handelte. Er war der derzeitige Führer der Subsiden. Ich erschrak, als ich die Geschehnisse seit dem letzten Gefecht abrief, in dem ich damals den Subsiden eine schwere Niederlage beigebracht hatte. Im Erdenjahr 1874 war ich dann hier gelandet. Heute schrieb man hier das Jahr 2000 – über 50 intergalaktische Jahre waren vergangen. Und noch immer gab es keine neue Raumflotte der Subsiden. Lediglich das alte Flaggschiff und einige kleine Transportraumer sorgten für einen notdürftigen Zusammenhalt der wenigen, schlecht ausgestatteten Kolonien, auf denen sich die letzten Subsiden am Leben hielten.

 

Doch auch die Informationen über die Khalachsen waren nicht besser. Den Subsiden war es gelungen alle Khalasachen-Hauptwelten zu sprengen, bevor ich ihre Flotte vernichtet hatte. Die Überlebenden meines Volkes hatten sich auf viele Welten anderer Rassen geflüchtet. Die Khalachsen waren heute in der gesamten Galaxis verstreut. Es gab nur noch Sagen und Geschichten von der großen Zeit des Khalachsen-Reiches. Kein Wunder, dass kein Khalachse aufgebrochen war, den Geniosso zu erwecken.

 

Dafür hatten es die Subsiden geschafft. Jetzt war ich wieder da und würde mit dem Gesindel hier aufräumen und die Khalachsen zu neuen Ufern führen. Nicht umsonst war ich der Geniosso!

 

Langsam erhob ich mich aus dem seltsamen Stuhl der Subsiden und ging in die Richtung, die mir Arno wies. Immer noch sahen meine Augen ein weites Feld, doch die Sensoren zeigten eine Sicherheitszelle des Subsidenflaggschiffes. Hier hatten sie zur Sicherheit den Geniosso erweckt, für den Fall, das etwas schiefgehen würde. Der Rest war eine Projektion für den kleinen Verstand des Bernd Koch.

 

Ich maß eine verschlüsselte Funkbotschaft an, die direkt an Arno adressiert war. Auch er schien mehr als ein normales biologisches Wesen zu sein. Eine Unterabteilung meines Geistes begann sofort mit der Entschlüsselung der Botschaft, doch Arno war schneller.

 

"Unser Bordrechner meldete eben einen unerlaubten Datentransfer. Das kann nur der Geniosso gewesen sein!" schrie er jetzt in der Sprache der Subsiden.

 

Meine Tarnung war aufgeflogen. Doch das spielte jetzt keine Rolle mehr. Ich hatte genug Informationen erhalten. Jetzt hieß es möglichst schnell aus dem Schiff zu kommen.

 

Mit einem anderen Teil meiner Fähigkeiten täuschte ich der Triebwerksbesatzung einen Notstartbefehl vor. Ein anderes Organ zapfte die vorhandenen Energieleiter ab, um meine körpereigenen Akkus aufzuladen.

 

Bruchteile von Sekunden später hüllte ich mich in ein Energiefeld. Gerade noch rechtzeitig genug, um den Strahlenschauern zu entgehen, die Arnos Waffe gegen mich entlud.

 

Beschleunigungswerte kamen durch. Das alte Flaggschiff der Subsiden war auch nicht mehr das, was es einmal war. Meine Sensoren meldeten mir, dass wir mit höchsten Beschleunigungswerten die Erde verließen. In wenigen Sekunden würden wir die Umlaufbahn des Mondes kreuzen. Jetzt konnte ich das Flaggschiff in Ruhe sprengen, ohne die Erde zu gefährden. Schließlich hatten mir die Menschen nichts getan. Unser Krieg ging sie nichts an.

 

Immer noch peitschen Energieschüsse gegen den Schirm. Die Luft in der Sicherheitszelle begann zu kochen. Ich projizierte ein Energiefeld auf dem Mond. Sobald es stabil war, würde ich das Flaggschiff verlassen. Parallel dazu leitete ich die Antriebsenergie des Schiffes in einen leeren Speicher. Der Speicher würde die enormen Energiemengen nicht lange aufnehmen können und kollabieren. Diese Überladung dürfte das Subsidenschiff in Stücke reißen.

 

Ich lächelte Arno an. Mit einer Handbewegung stoppte er das Feuer. Er wusste, dass er verloren hatte. Es war ein riesengroßer Fehler gewesen, sich den Geniosso an Bord zu holen.

 

Meine Sensoren meldeten mir, dass das Feld auf dem Mond stabil sei. Der Speicher würde in den nächsten Sekunden explodieren. Endlich hatten die Khalachsen gewonnen. Dann konnte ich damit beginnen das Khalachische Reich wieder aufzubauen.

 

Arno lächelte zurück. In seinen Augen lag etwas Kaltes, dass mich frösteln ließ. So sah niemand aus, der verloren hatte. Ich musste irgend etwas übersehen haben. Irgendwo hatte sich ein Fehler in meinem Plan eingeschlichen, doch wo?

 

Das Lächeln des Subsiden wurde breiter.

 

Ich konnte mein Schutzfeld nicht länger stabilisieren! Es wurde von außen zunehmend unter mechanischen Druck gesetzt.

 

Ich begriff... . Arno hatte ein Energiefeld um das meine gelegt. Dieses Feld verringerte laufend seinen Durchmesser. Da die Energieleistung des Schiffes um ein vielfaches über meinen Speicherakkus lag, hatte ich keine Möglichkeit mehr, Arnos Feld zu widerstehen. Deshalb sein arrogantes Lächeln. Schnell versuchte ich einen Transport meines Körpers zum Rettungsfeld auf den Mond, doch meine Sensoren konnten das schiffseigene Feld nicht mehr durchdringen.

 

Wieder hatten die Subsiden gewonnen. Doch ihr Sieg sollte nicht von Dauer sein.

 

Mein Feld brach zusammen. Mein letzter Gedanke galt dem Energiespeicher, der jeden Moment kollabieren musste....

 

 

*

 

Melitta Koch schaute verwundert zum Küchenfenster hinaus. Bernd war vor wenigen Minuten aus dem Haus gegangen. Dabei hatte sie gesehen, dass noch dicke Nebelschwaden in der Gasse standen, und nun wurde es für einen Sekundenbruchteil taghell. Irgend etwas hatte gerade draußen geblitzt, und zwar so hell, das es die dunkeln Morgenschwaden mühelos durchdrungen hatte.

 

Sie nahm sich vor, Bernd beim Mittagessen zu fragen, ob er ebenfalls diesen seltsamen Lichtblitz gesehen hatte. Vielleicht konnte er ihr dann auch schon berichten, was es gewesen war.

 

Entspannt nippte sie an ihren Frühstückskaffee. Fast zärtlich berührte sie eine Ultraschallaufnahme ihres Kindes, das sie unter dem Herzen trug. Es würde ein Junge werden. Der Arzt hatte enorme Probleme gehabt, dieses Bild zu schießen. Jedes Mal, wenn der Schallkopf auf ihren Bauch gerichtet wurde, begann die Elektronik des Aufnahmegerätes zu streiken.

 

 

ENDE

 

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