Geisterbrigaden (Krieg der Klone, Band 2)

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Serie / Zyklus: Krieg der Klone, Band 2
Titel: Geisterbrigaden
Originaltitel: The Ghost Brigades (2006)
Autor: John Scalzi
Übersetzung: Bernhard Kempen
Verlag / Buchdaten: Heyne Verlag, Taschenbuchausgabe (2007), 428 Seiten, ISBN: 978-3-453-52268-8

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Wie alt sind Sie?
77
Sind Sie nicht zu alt für einen Soldaten?
Nein, ich bin 77 Minuten alt.


Die Milchstraße ist ein feindlicher Ort. Viele verschiedene Völker kämpfen verbissen um die Planeten, die sich als Kolonien eignen, und um dieses Ziel zu erreichen sind alle Mittel recht. Die Menschheit ist auch nicht gerade zimperlich und bekämpft ihre Feinde mit geklonten Körpern, in die der Geist von alten Menschen transferiert wird. Die Vorstellung, dass man als alter Mensch wieder einen jungen, viel leistungsfähigeren Körper bekommt, hat für die Greise eine fast magische Anziehungskraft, und der Verbund der menschlichen Kolonien - koloniale Union genannt - muss sich keine Sorgen um neue Rekruten machen, die in den erbitterten Gefechten nur eine kurze Lebenserwartung haben. Doch nicht selten kommt es vor, dass der zukünftige Rekrut stirbt, bevor sein Geist transferiert werden kann. Diesen Klonen wird dann über den Computer - Brain Pal genannt - der jedem Klon zu Eigen ist, eine künstliche Persönlichkeit gegeben. Vom Zeitpunkt des Erwachens ist der Soldat sofort voll handlungsfähig und auch viel besser in der Lage, mit dem Brain Pal zusammenzuarbeiten als die herkömmlichen Soldaten. Diese Rekruten sind den Menschen unheimlich und sie werden in eigenen Einheiten, Geisterbrigaden genannt, zusammengefasst. Für beide Seiten scheint dies die beste Lösung zu sein, denn Angehörige dieser Einheiten empfinden die Normalgeborenen als langsam und unfähig, sich in den Bewusstseinsverbund einzuklinken, in dem die Geisterbrigaden leben. So überrascht es nicht, dass diese Brigaden eine schnelle Eingreiftruppe darstellen, die immer dort auftaucht, wo es am gefährlichsten ist.

Von einem dieser Einsätze bringen die Geisterbrigaden beunruhigende Nachrichten: Drei feindliche Völker haben sich verbündet, um die Menschheit zu besiegen, und es besteht kein Zweifel daran, dass die koloniale Union gegen diesen Ansturm nicht bestehen wird. Ein Wissenschaftler hat die Menschheit verraten und macht nun mit den Feinden gemeinsame Sache, und sein Wissen wird den fremden Völkern den Schlüssel zum Sieg geben. In einem verzweifelten Plan wird der Klonkörper des Mannes, den dieser zurückgelassen hatte um seinen eigenen Tod vorzutäuschen, erneut geklont, denn man hofft in den Gedächtnisstrukturen der Kopie auf Antworten und Hinweise zu stoßen. Ein gefährliches Spiel, denn auch der Klon könnte zu einem Verräter an der Menschheit werden.

Die Inhaltszusammenfassung mutet jetzt recht ausführlich an, aber es war notwendig, ausführlich auf die Ereignisse vom Vorgängerband einzugehen, die die Basis für diesen Roman darstellen. Geschickt nutzte John Scalzi das Setting und ging nun auf die Geisterbrigaden ein. Der Roman ist gut strukturiert, sehr durchdacht und einfallsreich. Der Autor spielt mit seinen Ideen und baut darauf seinen Roman auf. Das Ergebnis ist einer der besten SF-Romane aus dem Jahre 2006. Der Vergleich, der oft zu Robert A. Heinlein gezogen wird, ist durchaus berechtigt. Sowohl die Themenauswahl als auch die Art und Weise, wie er die Geschichte erzählt, zeugt davon, dass er eindeutig in den Spuren des Altmeisters wandelt. Tatsächlich kann die "Krieg der Klone"-Reihe als Fortsetzung zu "Starship Troopers" verstanden werden. Allerdings ist Scazis Roman viel moderner, und der Autor verspürt auch nicht den Drang, seine politischen Ansichten zu manifestieren. Statt dessen zog es Scalzi vor, einen spritzigen Action-SF-Roman zu verfassen, der den Leser von der ersten bis zu letzten Seite fesselt und den Vorgängerroman in mehr als einer Weise in den Schatten stellt.

So kann man nur sagen: Herr Scalzi, auf solche Romane haben wir lange gewartet. Bitte mehr davon. An diesem Werk gibt es wirklich nichts zu kritisieren. Er sollte als Beispiel für alle modernen SF Schaffenden gelten. Und dies gilt nicht nur für den Handlungsaufbau und den Erzählstil, sondern auch für die Einführung und für die Entwicklung der Protagonisten.
9 von 10 Punkten

Rupert Schwarz' weitere Rezensionen zu John Scalzis Trilogie: Bd. 1: Krieg der Klone; Bd. 3: Die letzte Kolonie
Erik Schreibers Rezension zu Bd.1: Krieg der Klone

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