Die Flüsse von London

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Titel: Die Flüsse von London
Originaltitel: Rivers of London (2011)
Autor: Ben Aaronovitch
Übersetzer: Karlheinz Dürr
Titelbild: Lisa Helm
Buch/Verlagsdaten: dtv 21341 (12/2011); 478 Seiten; 9,95 €; ISBN: 978-3-423-21341-7 (TB)

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Dies ist die Geschichte von Peter Grant aus Kentish Town, einem Constable mit Migrationshintergrund. Und er stellt sich auf der ersten Seite gleich selbst vor:

»Mein Name ist Peter Grant. Ich bin seit Neuestem Police Constable und Zauberlehrling, der erste seit fünfzig Jahren. Mein Leben ist dadurch um einiges komplizierter geworden. Jetzt muss ich mich mit einem Nest von Vampiren in Purley herumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin herbeiführen, Leichen in Covent Garden ausgraben. Ziemlich anstrengend, kann ich Ihnen sagen – und der Papierkram!«

Wie alle frisch ausgebildeten Police Constables in London wird Peter Grant zu Diensten herangezogen, die altgediente Polizisten nicht mehr machen wollen. Dazu gehört etwa, den Tatort eines besonders grausigen Mordes in Covent Garden zu bewachen, und das bei nasskaltem Wetter. Gut, dass man sich unterstellen kann und auch die nette Kollegin Lesley relativ trocken steht. Das Opfer, das hier eine Beförderung ins Jenseits erhielt, wurde enthauptet. Während Peter weiterhin Wache hält, besorgt die nette Kollegin Kaffee. Schon passiert das Unglaubliche. Ein Unbekannter tritt an den Constable heran und berichtet von dem Mord. Als Tatzeuge ist er jedoch nicht sehr vertrauenswürdig, denn er ist ein Geist. Im feinen, säuberlichen Aussagenprotokoll bleibt dieser Umstand Peters Vorgesetzten nicht unbemerkt. Gut, dass Detective Chief Inspector Thomas Nightingale in Erscheinung tritt. Nicht nur als Detective Chief Inspector, sondern auch gleich als Zauberer. Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden, ihn quasi zum Zauberlehrling machen. Natürlich gibt es dazu passende Eide, die man ablegen muss:

»Ich, Peter Grant aus Kentish Town, schwöre, Ihrer Majestät der Königin und Ihren Nachfolgern aufrichtig zu dienen; meinem Meister während der Dauer meiner Lehre gut und getreulich zu dienen, den Wächtern Gehorsam zu leisten und die Kleidung der Bruderschaft in Ehren zu halten; das Geheimnis besagter Bruderschaft ehrend zu bewahren und niemanden außerhalb besagter Bruderschaft zu enthüllen. Und ich schwöre feierlich, in all diesen Dingen aufrichtig und ehrlich zu sein und diesen Eid geheim zu halten. So helfe mir Gott, Ihre Majestät und die Macht des Universums, dieses Gelöbnis zu bewahren und zu erfüllen.«

Der frischgebackene Zauberlehrling stellt erstaunt fest: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, insbesondere in London, als geahnt. Zunächst jedoch gilt es, die Enthauptung von Mr. Skirmish aufzuklären, der bald weitere schaurige Taten folgen. Irgendjemand führt einen Serienmord durch, dessen Spuren zweihundert Jahre in die Vergangenheit zurückreichen. Dabei steht ein ungesühnter Mord im Mittelpunkt. Neben der Ermittlung muss sich Peter auch mit anderen Dingen beschäftigen, die in seiner Polizeiausbildung nicht vorkamen. Er hätte nie geahnt, dass der Themsegott und die Themsegöttin sich mit nachbarschaftlichen Grenzstreitigkeiten in die Haare geraten. Constable Grant soll zwischen den beiden vermitteln. Das erweist sich als schwierig, allerdings ist auch Beverly Brook, eine der Nebenflussgottheiten, äußerst charmant und mit unwiderstehlichen Reizen ausgestattet.

Ben Aaronovitch bietet rund um seinen modernen Zauberlehrling skurrile Personen und Szenen, viel Wortwitz und noch mehr Anspielungen auf Kinofilme und Literatur. Teils direkt, teils indirekt. Ben Aaronovitch verwob eine Menge Ideen zu einem guten Fantasyroman. Die Gespräche zwischen den beteiligten Personen strotzen vor trockenem britischem Humor. Gerade wenn es um die umfassende Recherchedatenbank des britischen Innenministeriums geht - »die es auch Polizisten, die von Computern keine Ahnung haben, ermöglicht, Anschluss an das späte 20. Jahrhundert zu bekommen« -, HOLMES genannt (Home Office Large Major Enquiry System). Das Ergebnis kann sich sehen und lesen lassen. Es ist kein Buch für Jugendliche unter 16 Jahren, da es bei manchen Szenen doch sehr brutal zugeht. Und die Beschreibungen, die nicht ins Detail gehen, aber in der Tradition von H. P. Lovecraft mit der Phantasie des Lesers spielen, sind heftig. Ein sehr schöner Roman.

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