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Faunblut

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Titel: Faunblut
Autor: Nina Blazon
Titelbild: Sarah Davison
Buch/Verlagsdaten: cbt Verlag (12/2008); 479 Seiten; 18,95 €; ISBN: 978-3-570-16009-1 (gebunden mit Schutzumschlag)


Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Jade als Heldin der Erzählung lebt und arbeitet am Rande der dem Verfall preisgegebenen Stadt mit ihrem Vater Jakub und der Köchin Lilinn im Hotel Larimar. Lady Mar, Willkürherrscherin über der Ruinenstadt am Fluss Wila, und ihre zwölf Lords setzte sie als Bewohner und Dienstleister zugleich in das Hotel. Da nur selten Gäste in das Hotel einziehen, besteht die Hauptarbeit darin, das große Haus instand zu halten. Leider fehlen die Geldmittel, und so müssen sie sehen, wie sie durch kleinere Tauschaktionen auf dem Schwarzmarkt ihr Auskommen erhalten. Das Leben in der Stadt unter der fast zwanzigjährigen Schreckensherrschaft ist nicht einfach und es bildet sich natürlich auch eine Widerstandsgruppe. Jade ist eine heimliche Unterstützerin des Widerstandes und unterhält Kontakte zu den Rebellen. Die Rebellen wollen mit Hilfe der wieder zurückgekehrten Echos die Herrschaft der Lady Mar, die ihr Gesicht hinter einer Maske verbirgt, brechen. Ihre Hoffnung gilt ganz dem Winterprinzen, auf den die Echos hören. Die Echos jedoch sollen an den Morden der in den Ruinen lebenden Menschen schuld sein. Die Echos sind sagenumwobene Wasserwesen, die zum Teil im Fluss Wila leben und ab und zu herauskommen.
Das Leben für Jade, Jakub und Lilinn ändert sich, als neue Gäste sich im Hotel einquartieren. Einer der Gäste ist Tam, von dem Jade sehr schnell hingerissen ist. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß, als sie erkennt, dass Tams Freundlichkeit nur eine schöne Fassade ist. Jade lernt auch den attraktiven Faun kennen. Faun behandelt sie jedoch wie eine niedere Dienstmagd und nicht etwa als Gleichberechtigte. Trotzdem kommen sie sich mit der Zeit näher und verlieben sich ineinander. Das Paar könnte nicht unterschiedlicher sein. Faun ist herablassend und der Gruppe angehörig, die die Hoffnung der Rebellen zunichte macht und den Winterprinzen umbringt. Das fügt der Rebellengruppe einen heftigen Rückschlag zu. Jade hingegen ist sehr liebenswürdig und freundlich, so weit ihr das möglich ist, gehört aber direkt zum Widerstand. Sie stehen auf unterschiedlichen Seiten. Die Kluft könnte nicht größer sein.

Der neue Roman von Nina Blazon, "Faunblut", beginnt mit Jade und Lilinn in der Ruinenstadt, wo sie die Echos gesehen hat, die plötzlich verschwunden sind. Nehmen die Echos nun die Jagd auf sie auf und bringen sie um, oder sind es eher die Jäger mit den Hunden, die sie in der Ferne hören und vor denen sie fliehen sollten? Wie dem auch sei. Flucht ist angesagt. Aber warum? Die Antwort kennt nicht etwa der Wind, sondern sie muss sich von den Leserinnen und Lesern langsam selbst erarbeitet werden. Schon mit seiner Aufmachung mit einem sehr schönen Schutzumschlag wendet sich das Buch an eine weibliche Leserschaft, die gerne liest. Von dieser Ausgangssituation ausgehend, ist das Buch auch gelungen. In einer Zeit, da das Dunkle ständig irgendwelche Vampire sind und die Fantasy sich mit den überstrapazierten Völkern aus dem "Herrn der Ringe" herumschlagen muss, zeigt sich eine neue deutsche Fantasy. Frische Ideen und altbekannte zwischenmenschliche Auseinandersetzungen treffen aufeinander. Zahlreiche Personen, mal mehr oder weniger wichtig und die Handlung des Romans vorantreibend oder eher beobachtend, sorgen immer wieder für überraschende Wendungen. Und das, obwohl die Handlung im Mittelteil etwas zähflüssig vorankommt und erst zum Ende des Buches wieder an Schwung gewinnt. Bei Nina Blazon steht einmal der alte Ben, mal der eifersüchtige Martyn und mal die gewandte Moira im Vordergrund. Im Zusammenspiel wird aus der Erzählung eine gelungene Geschichte. Soll man nun sagen, Nina Blazon ist erwachsen geworden? "Faunblut", mit dem für mich etwas unglücklichen Titel (ich stelle mir unter Faun etwas anderes vor) ist düsterer geworden. Das Leben ist nicht mehr so leicht. Es überwiegt die Hoffnungslosigkeit einer sterbenden Stadt am Fluss.

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