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Fantasy Buch

Farlander - Im Auftrag der Rache

Titel: Farlander - Im Auftrag der Rache
Originalitel: Stands a Shadow
Autor: Col Buchanan
Übersetzer: Michael Siefener
Buch/Verlagsdaten: Heyne Verlag, 688 Seiten broschierte Ausgabe, ISBN-13: 978-3453533714

Eine Rezension von Ida Eisele
(weitere Rezensionen von Ida Eisele auf fictionfantasy finden sie hier)

Der alte, todkranke Roschun Asch trauert um seinen ermordeten Schüler Nico. Entgegen der Bräuche der Roschun hat er Rache geschworen und macht sich auf, die Verantwortliche für Nicos Tod zur Rechenschaft zu ziehen. Doch das ist ausgerechnet Sascheen, die Matriarchin des Großreiches von Mhann, die gerade auszieht, um die Inseln der Freien Häfen endlich unter ihre Herrschaft zu bringen. Sollte ihre Niederlage drohen oder sie sich im Kampf zurückziehen, so hat der junge Diplomat Ché den Auftrag, die Matriarchin zu töten, um Schaden vom Reich abzuwenden. Beide folgen der wichtigsten Frau der Welt in den Krieg...

Der zweite Roman von Col Buchanan, Fortsetzung zu Farlander – Der Pfad des Kriegers, knüpft direkt an die Ereignisse in Band 1 an. Bereits bekannte Charaktere wie Asch und Ché, aber auch General Glaub, Bahm und die Matriarchin Sascheen werden um einige Facetten vertieft und weiterhin glaubhaft dargestellt. Gerade der Gegensatz zwischen den beiden Hauptpersonen, dem alten, verbitterten, lebensmüden Asch und dem jungen, desorientierten Ché, ist ab und an erfrischend.
Asch ist nach dem Tod Nicos verbittert und sinnt nur noch auf Rache. Auch die Erinnerungen an seine verlorene Familie in seiner alten Heimat quälen ihn. Seine Krankheit behindert ihn immer mehr und doch zeigen sich an dem alten Mann bisweilen auch humorvolle Züge, die aus Asch einen vielfältigen Charakter macht, mit dem man gut miterleben und doch immer wieder auf eine Überraschung hoffen kann.
Ché, der in Band 1 eher eine Nebenrolle spielte, wird weiter ausgebaut und könnte in seinem Gewissenskonflikt eine interessante Figur sein. Leider wird dieser Konflikt nicht genau genug beleuchtet, sondern lediglich immer wieder angedeutet. Im Gegensatz zu Asch bleibt Ché eher ungreifbar und schwer zu charakterisieren. Aus ihm hätte man deutlich mehr machen können.
Auch neue Personen finden ihren Weg in die Geschichte, wie die junge Hure Löckchen, die dem Leser schnell ans Herz wächst. Ihre Geschichten, an vielen eigenartigen Schnittstellen miteinander verknüpft, bieten gemeinsam einen detailreichen Überblick über die Zustände in Mhann und den Freien Häfen. Die Konzentration auf die unteren Schichten der Gesellschaft ist auch weiterhin offensichtlich.
Stellenweise gab es aber auch zu viele verschiedene Charaktere, deren Geschichten erzählt werden wollten, sodass ein Gefühl von Hektik und Verwirrung entstand. Gerade gegen Schluss, wenn das Schicksal mancher nur knapp beleuchtet wird, während andere ganz verschwinden. So hätte ich persönlich lieber erfahren, was mit dem gebrochenen Bahm geschieht, während ich den zwei Seiten kurzen Abschnitt, in welchem Bull in die Waldheimat seiner Mutter zurückkehrt, eher uninteressant fand. Hier scheinen viele Ansätze miteinander zu konkurrieren, die zuvor in einigen festen Strängen verlaufende Erzählung fasert auf und endet in einem schwebenden Nichts, das einzig durch die Möglichkeit des Wiedererstarkens der Roschun noch irgendeine Perspektive bietet.
Die schon im ersten Band angedeuteten Hintergründe werden vertieft, allerdings gelingt das nicht immer zufriedenstellend. Für reine Andeutungen wird bisweilen zu viel erklärt. Um den damit geweckten Wissensdurst zu stillen, ist es allerdings zu wenig. Vielleicht schließen sich einige Lücken mit der hoffentlich folgenden Fortsetzung.
Sprachlich fällt vor allem eine gewisse Hauptsatzlastigkeit auf, die allerdings hinter offensichtlichen Übersetzungsfehlern in den Hintergrund tritt wird. Etwas mehr Sorgfalt in Hinblick auf deutschen Satzbau wäre wünschenswert gewesen.
Die Geschichte behält ihre düstere Grundstimmung bei, welche die gesamte Verlorenheit und Aussichtslosigkeit im Anblick des heraufziehenden Krieges und dessen Gräuel bestens einfängt. Wendungsreich, voller Überraschungen und spannend wird der Leser durch die Verwirrungen der Reise und des Krieges geführt. Erst gegen Ende, nach einer kurzen Durststrecke, bietet sich endlich eine Perspektive, die vielleicht doch noch etwas wie Hoffnung möglich macht – und damit auch die Hoffnung auf einen dritten Band.

 

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