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Fantasia 2000
Film - Animation

Titel: Fantasia 2000
Regie: Eric Goldberg, Hendel Butoy, James Algar, Francis Glebas, Pixote Hunt, Gaítan und Paul Brizzi, Don Hahn
Drehbuch: Eric Goldberg
Darsteller: Wayne Allwine, Tony Anselmo, Angela Lansbury, James Levine, James Earl Jones, Steve Martin, u.a.
Musik: Elliot Goldenthal
FSK: ohne Einschränkung
Laufzeit: 75 min
USA 1999

Eine Besprechung / Rezension von Andreas C. Lazar
(weitere Rezensionen von Andreas C. Lazar auf fictionfantasy findet man hier oder auf seiner Webseite moviebazzar.de)

Ab und zu tut es gut, Urlaub von all den harten Helden, einzigartigen Explosionen, hübschen Häschen und wirren Wendungen zu nehmen, die das heutige Mainstream-Kino bietet, und eine ganz andere Art Film zu genießen. Und wie gerufen erscheint Fantasia 2000, die Neuauflage des bekannten Disney-Klassikers Fantasia, in dem verschiedene klassische Musikstücke mit jeweils unterschiedlichen Zeichentrickfilmen visualisiert wurden. Sechzig Jahre nach dem Originalfilm hat Disney weder Geld noch Mühen gescheut, um mit neuen (computer-)zeichnerischen Mitteln möglichst beeindruckende Bilder zu erzeugen. Schnell noch das Chicago Symphony Orchestra, den weltberühmten Solisten Itzhak Perlman und den nicht minder bekannten Dirigenten James Levine verpflichtet, ein paar berühmte Ansager eingekauft, und alle Voraussetzungen für einen Spitzenfilm sind da.

Daß Fantasia 2000 dennoch 'nur' gut geraten ist, liegt seltsamerweise vor allem an den bekannten Ansagern. Wenn man auf ununterbrochenen Zeichentrickgenuss eingestellt ist, stört es doch sehr, wenn sich Steve Martin oder der Quotenschwarze James Earl Jones zwischendurch in lauen Scherzen ergehen, wenn Bette Midler die ganze Zeit dumm grinst oder wenn Angela Lansbury ihre runzlige Haut vorzeigt. Wie hineingeklebt und als ob ihre völlig übertrieben guten Anzüge schlecht sitzen würden, stehen die Schauspieler da und sagen das nächste Stück an, das den Zuschauer endlich vom Realfilm-Anblick von James Levines ungebändigtem Wuschelkopf erlöst.

Die Zeichentrickfilme selbst zeigen sich von ihrer technisch und farblich prachtvollsten Seite (die schönsten bunten Lichter, kräuselnden Wellen und schnuckligen Tiere kommen immer noch von Disneys Zeichentischen), aber von durchaus unterschiedlicher Qualität. Eröffnet wird der bunte Reigen von Ludwig van Beethovens fünfter Symphonie, die einen bildlich eher langweiligen Kampf abstrakter Schmetterlinge untermalt. Weiter geht es mit Ottorino Respighis wunderschönem "Pinien von Rom", zu dem etwas steril im Computer gezeichnete Waleltern im Polarmeer mit ihrem Schabernack treibenden Kind durch die Luft fliegen. Die Eskapaden des Walkindes stehen in der besten Disney-Tradition der lustigen, slapstickartigen Szenen von solchen Sidekicks wie Pumbaa oder Mushu und regen auch verknöcherte Erwachsene noch zu einem Lächeln an.

Dann folgt George Gershwins herrliche "Rhapsody in Blue", die die musikalische Grundlage für einen Tag im Leben einiger Personen in New York bildet. Ihre Suche nach persönlichem Glück wird in einem etwas gewöhnungsbedürftigen Zeichenstil schön lustig gezeigt, immer in wunderbarer Übereinstimmung mit Takt und Rhythmus von Gershwins Musik. Als nächstes ist das zweite Konzert des eher unbekannten, aber genialen Dmitri Schostakowitsch dran, zu dem Hans Christian Andersens klassisches Märchen vom standhaften Zinnsoldaten gezeigt wird. Auch hier wirken die Figuren durch den häufigen Einsatz der Computeranimation steril und leblos, und die Tötung des Bösewichtes im Feuer in schlechtester Auge-um-Auge-Disney-Tradition ist auch fragwürdig, aber das tut der Klasse der Story (fast) keinen Abbruch.

Ein kurzer, unspektakulärer Slapstickfilm mit Flamingos und Jojos zu Camille Saint-Saíns' "Karneval der Tiere" ist der Auftakt zum Finale, das die besten Teile von Fantasia 2000 bietet: der klassische Zauberlehrling-Film mit einem herumtänzelnden Micky Maus nach dem gleichnamigen Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe zu Paul Dukas' gleichnamiger Musik ist mit seinem Humor, seinen interessanten und kräftigen, mit Liebe handgemachten Bildern und seiner unschlagbaren Verknüpfung von Auge und Ohr immer noch das Glanz- und Schmuckstück der Reihe. Es folgt ein weiterer guter Film mit Publikumsliebling Donald Duck als Archenmatrose, der glaubt, seine Daisy in der Flut verloren zu haben. Edward Elgars "Pomp and Circumstance" passt manchmal nicht ganz zu den Bildern, aber dafür bieten diese mit Donalds Wutanfällen und lebensechten Tieranimationen einiges für den Sehnerv. Zum Ende gibt es noch eine allegorische Adaption von Igor Strawinskys "Feuervogel", in der die Natur im Kampf mit einem feurigen Bussard den Boden begrünt, alles etwas kitschig-klebrig umgesetzt, aber nicht so, dass es weh tun würde.

Zusammengefasst also bietet Fantasia 2000 trotz der misslungenen Realfilm-Witzchen einiges fürs Geld: Prima gespielte Musik mit meist schön genießbaren Bildern macht diesen Film zu einer Empfehlung für alle, die die Grenzen linearer Plots und kontinuierlicher Geschichten überschreiten wollen.

3.5 von 5 Sternen

Anmerkung des Chefredakteurs - Ergänzung aus Wikipedia (der verwendete Artikel auf Wikipedia findet sich hier):

Nach dem Vorbild seines Vorgängers Fantasia aus dem Jahr 1940 verwendet Fantasia 2000 mehrere Zeichentrickfilme ohne feste Rahmenhandlung, die mit klassischen Musikstücken unterlegt sind. Die verwendeten Stücke sind:

* Ludwig van Beethoven - 5. Sinfonie in c-Moll (Abstrakte schmetterlingartige Muster und Strukturen erkunden eine Welt von Licht und Dunkelheit.)
* Ottorino Respighi - Die Pinien von Rom (Eine Buckelwal-Familie schwimmt durch die Luft in einer Landschaft inmitten von Eisbergen.)
* George Gershwin - Rhapsody in Blue (In einem belebten New York der 1930er begleitet der Abschnitt des Films den Tag einiger Personen während der Weltwirtschaftskrise; gezeichnet ist der Cartoon im Stil von Al Hirschfields Comics aus jener Zeit. Das kleine Mädchen im Hotel basiert auf dem Charakter der Eloise aus einer berühmten Buchreihe des Autoren Kay Thompson.)
* Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch - Klavierkonzert Nr. 2 in F-Dur op. 102 (Eine Nacherzählung von Hans Christian Andersens Märchen "Der standhafte Zinnsoldat"; Disney änderte den Schluss des Films, wo Zinnsoldat und Tänzerin nicht im Kaminfeuer verbrennen, sondern der Bösewicht den Kürzeren zieht.)
* Camille Saint-Saíns - Karneval der Tiere, Finale (Eine Schar mürrischer Flamingos wird ununterbrochen von einem albernen Artgenossen mit einem Jo-Jo genervt; wurde eingebaut als Hommage an den Tanz der Stunden aus Fantasia, wo balletttanzende Nilpferde, Straußen, Elefanten und Krokodile für Erheiterung sorgten.)
* Paul Dukas - Der Zauberlehrling (Der mit Abstand berühmteste Teil des Vorgängers wurde ein weiteres Mal verwendet.)
* Edward Elgar - Pomp and Circumstance Marches - Märsche 1, 2, 3 und 4 (Nachdem Micky Maus seinen Auftritt in einem Fantasia-Segment bekommen hatte, entschied sich Roy E. Disney, Donald Duck auch einen Kurzfilm zu widmen. Donald spielt in einer Nacherzählung der Geschichte der Arche Noah Noahs ersten Gehilfen. Donald muss die Tiere an Bord der Arche bringen und verpasst, verliert und wird schließlich wieder vereint mit Daisy Duck während des Films. Diesen Abschnitt dirigierte Peter Schickele.)
* Igor Stravinsky - Feuervogel Suite - 1919er Version (Es wird die Geschichte eines Frühlingsgeistes und seines Freundes, eines Rothirschen, erzählt. Nach einem langen Winter erweckt der Waldgeist den Frühling im Forst, doch holt dabei auch versehentlich den Feuervogel aus seinem Schlaf in einem erloschenen Vulkans in der Nähe des Waldes. Der Feuervogel, zornig, gestört worden zu sein, zerstört das Leben im Wald und den Waldgeist. Nachdem der Feuervogel sich erneut zurückgezogen hat, erwacht auch der Frühling und mit ihm wird der Frühlingsgeist wiedergeboren.)

Kommentare (2)Add Comment
Jürgen Eglseer
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geschrieben von eglseer, Juni 09, 2008
Fantasia 2000 ist der 7000ste Artikel auf fictionfantasy. Davon sind über 4000 Rezensionen, der Rest Reihenübersichten, Bibliographien und Biographien.
Rupert Schwarz
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geschrieben von Rusch, Juni 10, 2008
Es sind, um genau zu sein: 4079 Rezensionen
1325 Autorenseiten
137 Stories
Der Rest setzt sich hauptsächlich aus Übersichten zu Verlagsreihen, Serien, etc zusammen.

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