Die Erwählte (Der Weg in die Dunkelheit, Band 1)

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Reihe: Der Weg in die Dunkelheit, Band 1
Titel: Die Erwählte
Originaltitel: Torn 01 - Unchosen
Autor: Erica O'Rourke
Übersetzer: Maike Claußnitzer
Buch/Verlagsdaten: Blanvalet, Juli 2012, broschiert: 416 Seiten, ISBN-13: 978-3442268702

Eine Rezension von Sonja Buddensiek
(weitere Rezensionen von Sonja Buddensiek auf fictionfantasy finden sie hier oder auf ihrem Blog "Back down to Earth ")

"Nicht loslassen", sagte er. "Ganz gleich, was geschieht."
Das Ding heulte hinter mir, und ich blickte über Lucs Schulter. Zwei weitere Gestalten waren aus den Schatten hervorgetreten. Ich umklammerte Lucas Arm. Seine Finger schlangen sich noch fester um mich. Wir fielen durch eine Tür aus Flammen.

Inhalt:
Nach einem Angriff auf Maura und ihre beste Freundin, den diese nicht überlebte, wird das unscheinbare Mädchen von einer unvergleichlichen Vergeltungssucht getrieben. Mo geht mit dem jungen Luc, einem Bekannten von Verity, eine Partnerschaft ein, um die Mörder zu finden - und kommt dabei einigen Geheimnissen auf die Spur: Ihre Freundin war magisch begabt und sollte die Erfüllung einer schrecklichen Prophezeiung verhindern, die nun in Kraft treten kann. Einzig Maura hat noch eine Chance, ansonsten ist die Welt dem Untergang geweiht. Doch wie soll sie diesen aufhalten, wenn sie über keinerlei außergewöhnliche Kräfte verfügt und von schaurigen Wesen verfolgt wird?

Buchaufmachung:
Der Schemen der jungen Frau, der aus Farbklecksen von Violett über Braun bis Schwarz besteht, wirkt durch die verschwommenen Konturen wie ein Eyecatcher. Das Cover ist gleichzeitig einfach und innovativ. Schade ist nur, dass nur einer der Männer mit abgebildet ist, obwohl sie sich doch zwischen zweien entscheiden muss...

Meine Meinung:
Der Eyecatcher von einem Cover hat mich, gemeinsam mit dem Klappentext, sofort in den Bann gezogen. Diese innovativ klingende Geschichte wollte ich unbedingt lesen! Und nachdem es anfangs ein wenig dahinplätschert, entwickelt sich das Ganze bald zu einem wirklich mitreißenden Roman.

Erica O'Rourkes Geschichte ist die ersten 100 Seiten über sehr wenig Fantasy-lastig. Maura muss damit zurechtkommen, dass ihre beste Freundin tot ist und sich ihre gesamte Welt auf den Kopf gestellt hat. Nicht nur, dass ihr Onkel Billy in Mafia-Geschäfte verwickelt ist und ihr Dinge einreden will, ihr Bodyguard Colin überwacht auch noch jeden ihrer Schritte, während der geheimnisvolle Luc sie in eine andere Welt einführt. Trotz dieser vielen Stränge ist der Anfang erst einmal beinahe schon ermüdend. Endlos wird wiederholt, wie unscheinbar Mo doch ist und wie wenig sie eigentlich weiß, was nach einiger Zeit in Anbetracht der Geschehnisse nicht mehr ganz glaubwürdig ist, besonders Ersteres. Zum Glück schafft das Ganze aber den Absprung und weiß danach schnell zu fesseln.

Mo ist sie eine sympathische Protagonistin, mit der man sich gut identifizieren kann. Während sie sich anfangs noch vieles vorschreiben lässt und sich andauernd retten lassen muss, entwickelt sie sich im Laufe der Handlung zu einer eigenständigen Frau mit eigenem Willen und vor allem einem erfrischend frechen Mundwerk. Ihre beiden hübschen Gefährten sind sehr unterschiedlich: Colin ist eher bärbeißig, rau und grimmig, während Luc den meist fröhlichen Sunnyboy gibt. Beide sind gut gestaltet und bereichern die Geschichte, Ersterer erschien mir aber noch einen Tick ausgereifter und vor allem sexier, sodass es klar ist, für wen mein Herz schlägt.

Die Nebenfiguren sind der Autorin realistisch und sehr interessant gelungen - vor allem Billy, der es immer wieder auf die Guter-Onkel-Masche versucht und ziemlich gut im Manipulieren ist. Bei ihm kann man sich nicht entscheiden, ob man ihn nun mag oder nicht. Weniger schwierig ist das bei Mos Mutter, denn diese ist kontrollsüchtig, weinerlich und nervig, passt aber dennoch in die Geschichte hinein, da genau daher die Erziehung der Tochter rührt. Über Verity erfährt man beinahe ausschließlich nur etwas aus Erinnerungen oder Erzählungen, weshalb sie nie ganz greifbar ist. Dies ist aber bei einer Toten nur logisch. Gleichzeitig wird so nie ganz klar, was genau nun hinter ihren Taten steckte und wie sehr genau sie Maura eigentlich vertraute, was sie sehr geheimnisvoll erscheinen lässt.

O'Rourkes Schreibstil weist außer den bildlichen, schönen Beschreibungen - besonders beim Aspekt der Magie - keine großen Besonderheiten auf, passt genauso aber, besonders zu Anfang, zur Hauptperson, die aus der Ich-Sicht von den Ereignissen erzählt. Die Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen ihr und den beiden Kerlen Colin und Luc stört zwischenzeitlich etwas [da es einfach unvorstellbar ist, dass sich jemand partout nicht entscheiden kann], weil die Chemie aber in beiden Fällen stimmte, habe ich trotzdem gerne von ihnen gelesen. Auch, wenn mein Favorit schnell feststand. Romantik kommt an den erwarteten Stellen auf und sorgt hier für keine großen Überraschungen, zaubert aber durchaus mal ein Lächeln aufs Gesicht.

Die originelle Storyline erfasst den Leser spätestens ab der Hälfte des Buches, denn dann geht es richtig zur Sache und das Werk schafft es, noch sehr, sehr fesselnd zu werden. Mo muss sich klar darüber werden, was sie will: Nur sich selbst beschützen oder die Welt vor dem Unheil bewahren. Ihre neu entdeckte rebellische Art sorgt für ein bisschen Frische in der ansonsten zwischenzeitlich recht düsteren Geschichte. Besonders die Kämpfe halten in Atem und sind der Autorin wunderbar gelungen - der Showdown letztendlich ist sogar so spannend, dass ein Pageturner draus wird. Und mit einem schönen Ende, das gleichzeitig Lust auf mehr macht, aber nicht in der Luft hängen lässt, findet der Roman zu einem guten Abschluss.

Fazit:
"Die Erwählte" ist der erste Teil der Reihe um Maura Fitzgerald, die, obwohl sie selbst keine Magie besitzt, zum Schlüssel einer alten Prophezeiung wird. Dabei gelingt es der Autorin, einen spätestens ab Seite 200 so zu fesseln, dass man gebannt an den Seiten hängt. Grund dafür könnte die wunderbare Chemie zwischen der Protagonistin und ihren attraktiven Gefährten sein, ebenso auch die schönen Beschreibungen der phantastischen Elemente - oder beides. Ich freue mich auf Band 2! 4 Punkte.

Top 1000 der SF

Über 300 Leute haben aus über 2000 Büchern die Besten SF Werke abgestimmt. Hier gibt es die Ergebnisse.

Viel Spaß beim Stöbern.

Top 1000 der SF