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END - Elisabeth (Band 1)

Bewertung: 4 / 5

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end elisabeth canepa merli

Serie: END, Band 1 
Titel: END - Elisabeth
Autoren: Barbara Canepa und Anna Merli
Übersetzer: Monja Reichert
Daten: Splitter (September 2013), Hardcover, Spotlack, 56 Seiten, 14,80 EUR, ISBN: 978-3-86869-622-6

Eine Rezension von Judith Gor (Weitere Rezensionen von Judith Gor findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

 

 Elisabeths Familie und Freunde haben sich um ein frisches Grab versammelt. Doch wer ist gestorben? Und warum weiß Elisabeth nichts davon? Als sie erkennt, dass sie auf ihrer eigenen Beerdigung ist, ruft sie verzweifelt nach ihren Eltern und ihrer Schwester. Aber niemand hört sie. Ist sie tatsächlich tot? Ein Geist? Oder lebt sie noch, auch wenn keiner sie sehen kann? Als Elisabeth aus ihrem Alptraum aufschreckt, sind ihre Freunde, eine wunderliche  Katze und eine Fledermaus, sofort zur Stelle. Gemeinsam mit ihnen lebt Elisabeth in einem mysteriösen Garten und fristet eine Existenz im Dazwischen. Nicht tot, aber auch nicht richtig lebendig. Elisabeth leidet unter ihrer Einsamkeit und will einen Fluchtversuch wagen. Die Spatzen sollen ihr dabei helfen, einen Brief an ihre Schwester zu überbringen …

END lautet der schlichte Titel der neuen Comictrilogie von Barbara Canepa, die gemeinsam mit Alessandro Barbucci den Kultcomic Sky Doll geschaffen hat. Dieses Mal arbeitet die Zeichnerin mit Anna Merli zusammen und schlägt einen deutlich düsteren und leiseren Ton an. Elisabeth ist in einer grotesken und stillen Welt gefallen, der eine eigentümliche Schönheit, aber auch ein tiefes Grauen innewohnt. Was ist passiert, dass sie mit gerade einmal 13 Jahren aus dem Leben schied? Sie war doch vollkommen gesund. Ein so junges Mädchen stirbt nicht einfach. Das denken auch ihre Mitschülerinnen, die nicht glauben können, dass Elisabeth wirklich tot ist. Dass die Schulleitung ein großes Geheimnis aus den Umständen von Elisabeths Ableben macht, schürt einen abscheulichen Verdacht  – wurde Elisabeth ermordet? Oder hat ihr Tod etwas mit den übernatürlichen Fähigkeiten ihrer Schwester, die an der Schule als Hexe verschrien ist, zu tun?

Canepa und Merli entwerfen ein unheimliches Szenario, das im ersten Band hauptsächlich Fragen aufwirft und kaum Antworten liefert. Insbesondere die Frage, was Elisabeth nun eigentlich ist, beschäftigt den Leser: Das Mädchen mit dem schneeweißen Haar und den roten Augen muss ihre Hände mit schwarzen Tüchern umwickeln – denn eine Berührung mit diesen Händen kann töten. Auch wird sie von geisterhaften Wesen in schwarze Gewänder gehüllt und immer wieder einer seltsamen Zeremonie unterzogen.  Bei ihrer Schwester hingegen wird von Präkognitionen gesprochen, denen Elisabeth als Kind heimlich beigewohnt hat. Über diesen religiös-mythologischen Hintergrund hätte man gerne mehr erfahren. Die Neugier des Lesers wird in vielen Bereichen kräftig geschürt – und dann bricht die Geschichte ab, mit einem Berg Fragen und dem schweren Herzen des Protagonistin. Auch wenn die Hintergründe diffus bleiben, wird der Leser über die emotionale Ebene erreicht. Elisabeth ist ein spannender und vielschichtiger Charakter, wie eine Knospe, die sich erst auf den letzten Seiten ein wenig öffnet.

Zeichnerisch erkennt man den Stil von Barbara Canepa sofort wieder, sieht aber auch den Einfluss der neuen Zeichnerkollegin Anna Merli.  Das Cover verspricht dabei ein wenig mehr, als der Innenteil letztlich liefert: Während das Titelbild mit düsteren und intensiven Farben besticht, sind die meisten Panels deutlich blasser geraten. Damit harmonieren sie jedoch wunderbar mit dem Setting, das an frühe phantastische Werke, wie beispielsweise von E.T.A. Hoffmann und Edgar Allan Poe, erinnert. Leider ist der Seitengrund wie bei Alice im Wunderland von David Chauvel und Xavier Colette weiß, was gut zu franco-belgischen Comics passt, aber einem so verträumten Stil die Eleganz nimmt. Auch schreien die Zeichnungen von Canepa und Merli geradezu nach ganz- oder auch doppelseitigen Bildern sowie einem fließenden Aufbau – doch die Zeichnerinnen halten sich an feste Rahmen und pressen END in ein typisches Comickorsett, in dem viele Panels abgeschnitten aussehen. Es wäre schön gewesen, wenn diese stimmungsvollen Zeichnungen mehr Raum bekommen hätten. Das Hardcover von Splitter ist von gewohnter guter Qualität und ein echtes Schmuckstück im Comicregal.  


Fazit

END – Elisabeth besticht mit dem düsteren Charme klassischer Phantastik und wunderschönen Zeichnungen, die verträumt, beklemmend und unglaublich atmosphärisch daherkommen. Die Hintergründe der Geschichte bleiben leider noch vage; man kann nicht richtig fassen, was mit Elisabeth geschehen ist. Zu gerne würde man schon den zweiten Band in den Händen halten, denn auch wenn mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden, verzaubert dieser Comic seine Leser. Trotz kleiner Schönheitsfehler.

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