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Eine andere Welt

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Serie/Zyklus: ~
Titel: Eine andere Welt
Originaltitel: Flow My Tears, the Policeman Said (1974)
Autor: Philip K. Dick
Übersetzung: Walter Brumm
Verlag/Buchdaten: Heyne

Besprechung / Rezension von Ulrich Blode

Flow My Tears, the Policeman Said gehört zu den besten Romanen des amerikanischen Autors Philip Kindred Dick. Wie in einigen seiner anderen Bücher fängt es mit einem Realitätswechsel an. Doch das ist nur ein Stilmittel, um den Leser in einen totalitären Polizeistaat zu entführen.

Jason Taverner ist ein gefeierter Entertainer im Fernsehen. Als eine Geliebte ihn tödlich verletzt, verliert er das Bewusstsein. Am nächsten Tag wacht Taverner völlig unversehrt und ohne Papiere in einem fremden Zimmer auf. Niemand kennt ihn mehr und seine amtliche Identität ist ausgelöscht.
In den USA des Jahres 1988 ist das eine verhängnisvolle Situation. Alle Bürger werden durch einen perfekten Polizeistaat überwacht, der Minderheiten diskriminiert. Wer sich nicht ausweisen kann, wird in ein Zwangsarbeitslager gesperrt. Schnell wird die Polizei auf Taverner aufmerksam, weil sein plötzliches Erscheinen den Behörden Rätsel aufgibt. Felix Buckman, Polizeigeneral, übernimmt die Untersuchungen.

Auf seiner Flucht vor den Behörden erbittet Jason Taverner die Hilfe von mehreren Menschen, meistens Frauen. Philip K. Dick zeichnet sie immer unterschiedlich. Doch alle haben kein wirkliches Interesse an Taverner, als ob ihnen die Gefühle für andere abhanden gekommen wären und sie sich nach außen verschlössen. Das Ende und der Titel des Romans zielen genau auf diesen Aspekt hin.
Buckman, eine gefährliche Autoritätsperson, trauert um seine Schwester Alys, mit der er ein inzestuöses Beziehung hatte. Sie hat Taverner mit einer Zeitbindungsdroge in ihre Welt geholt. Der Polizeigeneral Felix Buckman versteht, dass ihn die Liebe zu anderen erlösen wird, und fängt an zu weinen. Er umarmt sogar einen Schwarzen. Der Originaltitel des Buches bezieht sich auf diese Situation mit Buckmans Veränderung und ist angelehnt an John Dowlands Text "Flow My Tears" zu der melancholischen Lautenmusik Lachrimae (1595).

Flow My Tears, the Policeman Said kann als spannender und düsterer Roman gelesen werden. Die totale Überwachung macht Jason Taverner zu einem Verfolgten, dessen Scheitern abzusehen ist, wenn es nicht noch zu einer glücklichen Fügung kommen sollte. Darüber hinaus ist das Buch Dicks Analyse der aktuellen und zukünftigen Gesellschaft. Die geschlossenen Universitäten, in deren Kellern sich ehemalige Studenten verschanzen, erinnern an die Studentenproteste der sechziger Jahre. Er lässt Buckman zu Taverner sagen: "Ich könnte dir höchstens den Rat geben, dich Behörden gegenüber nie auffällig zu benehmen. Tue nie, was unser Interesse wecken könnte." Flow My Tears funktioniert damit auch als Dystopie, ein Hinweis auf Gefahren, die Dick sah.
Tatsächlich fühlte Philip K. Dick sich bedroht und machte das FBI, CIA sowie andere für einen Einbruch 1971 in sein Haus verantwortlich. Beinahe wäre das einzige Manuskript zu Flow My Tears, das er 1970 schrieb, verloren gegangen. Wer tatsächlich dahinter steckte und was nur auf Einbildung beruht, ist schwer festzustellen.

1975 wurde Dick für sein Werk mit dem John W. Campbell Memorial Award ausgezeichnet. Flow My Tears, the Policeman Said reiht sich exzellent in die Reihe der anderen Dickschen Meisterwerke, wie z. B. Ubik, Zeit aus den Fugen sowie Blade Runner, ein.

Eine andere Welt - Rezension von Rupert Schwarz

Originalausgabe
Flow My Tears, the Policeman Said, 1974

Deutsche Ausgaben:
Eine andere Welt
München: Heyne, 2004 (angekündigt für Mai 2004)

Eine andere Welt
Sonderausgabe
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm
München: Heyne 06/30, 1984, 239 Seiten

Eine andere Welt
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm
München: Heyne 3528, 1977, 220 Seiten

Themenbereich "Parallel Welten"
- Buch- und Film-Rezensionen -

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