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Phantast
| Dungeons & Dragons |
| Film - Fantasy (F) | |||||
Jeremy Irons versucht durch ausgiebiges Grimassenziehen die Macht an sich zu reißen. Das Fantasy-Rollenspiel, Born überbordender Phantastik! Zwerge, Elben, Ritter, Magier, Trolle, Kobolde und Drachen, Äxte, Schwerter und Bögen, Tränke, Kräuter und Pulver, Höhlen, Kerker und Paläste, Bünde, Ränke und Intrigen, und all das nur mit ein paar Blatt Papier, einigen seltsam geformten Würfeln und dem wundersamen, herrlichen Glibberfladen zwischen unseren Ohren. Welch ein unerschöpfliches Wunderhorn für die Künste, den Film zumal, und wahrlich, es entstand endlich am Ende des Jahrtausends einer der besten, packendsten und mitreißendsten Filme: Peter Jacksons The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring. Courtney Solomon dagegen, offenbar berufen, damit es wenigstens einen Regie-Credit gibt wie in richtigen Filmen, zeigt mit dem unsäglichen Dungeons & Dragons nur die unausgegorenen, konfusen, holzschildflachen und naiv-sexistisch-omnipotenten Phantasien pickliger, pubertierender und schwer erziehbarer Zwölfjähriger, die bei der Geburt zuwenig Luft und in der Erziehung zu viele Prügel bekamen. Bei diesem üblen Treiben stehen ihm, man glaubt es kaum, der Full Metal Jacket-Kameramann Douglas Milsome und die eigentlich respektablen Schauspieler Jeremy Irons und Thora Birch bei, die hier eine ganze Jahresration schlechter Tage erwischt zu haben scheinen: Birch, direkt aus Michael Endes "Die unendliche Geschichte" kopiert, stöckelt lust- und emotionslos durch mit Microsoft Paint gemalte Hallen, nuschelt ein bisschen in ihre unglaublich hässliche Rüstung aus Katzengold und drückt ansonsten, leer in ihren magischen Spiegel blickend, so verzweifelt wie vergeblich Pickel auf ihrer Haut aus, die hier so talgig und unrein erscheint, dass man sich fragt, ob der zuständige Maskenbildner sich vielleicht Tag für Tag einen grausamen Scherz erlaubt hat. Unergründlich sind die Wege der Frustbewältigung am Filmset, und vielleicht muss man ja immer wieder Schönes wie Thora Birch verunstalten, wenn man erstmal Jeremy Irons beim Ruinieren seiner letzten abgerissenen Fetzen Respektabilität und Reputation zugesehen hat: Als säßen seine Gläubiger ihm schon im Nacken wie gierige Teufelchen, chargiert er zum Gotterbarmen, rollt mit den Augen, fletscht die Zähne, flattert mit der Zunge und schwingt mit den Armen wie ein haarloser Schimpanse im Todeskampf. Unterstützt wird auch er von einem weiteren Filmschaffenden, dem menschgewordenen Briefbeschwerer Bruce Payne, der hier versucht, grimmig und gefährlich zu wirken - mit seiner He-Man-Plastikuniform, seinen aus seinen Ohren wachsenden, miserabel animierten CGI-Tentakeln und nicht zuletzt seinem blauen Lippenstift aber nur zur Lachnummer auf exzessiven Sauf- und Videoabenden gereicht. Die bekannteren Schauspieler also tun, was sie können, aber erst der heldenhafte und bedingungslose Einsatz der weniger berühmten Akteure und der anderen Filmkünstler macht Dungeons & Dragons in seinem Totalversagen unvergesslich: Könnte man Justin Whalins ständig grinsende Ich-hab-den-Größten-Darstellung in bester Wesley-Crusher-Manier, Zoe McLellans ausdruckslose Zauber- und Verliebe-, Lee Arenbergs stereotype Gummiaxt-Zwerge- und Kristen Wilsons aluminiumbustierbewehrte Elberei sowie die lustlos plätschernde Musik und die muffigen tschechischen Keller, die als Kulissen dienen, mit viel gutem Willen und noch mehr betäubendem Alkohol noch einigermaßen ertragen, so schlägt Marlon Wayans' "Spiel" auch dem trinkfestesten unehelichen Kind Boris Jelzins auf Leber, Magen und in die Augen wie ein fieser Kirmesboxer. Als kreischender und tolpatschiger Comic-relief-Bimbo wirft Wayans zusammen mit dem nulldimensionalen, klischeehaften und drogenwirren Drehbuch Topper Liliens und Carroll Cartwrights die Rassenbeziehungen mühelos auf das Unterdeck der Sklavenschiffe zurück, auf denen wenigstens nicht solche grausamen Bilderfoltern vorgenommen werden konnten. Schafft man es mit der angeborenen Zähigkeit einer Kritikerkakerlake dennoch, die ersten neunzig, legasthenisch aus Star Wars: Episode IV - A New Hope abgepausten Minuten zu überleben, folgt alsbald der brennende, willkommene Todesstoß: Die Siegerentwürfe des "Wir malen am Computer einen Drachen"-Wettbewerbs im Kindergarten schwirren auf, unter und über den hampelnden Darstellerdarstellern hin und her, bis sämtliche Bauten und der Ruf aller, die an diesem Machwerk mitgearbeitet haben, rauchend in turmhohen Trümmern liegen. Vielleicht kann sich Jeremy Irons ja darin vor aggressiven Geldeintreibern und wütendem Publikum verstecken wie ein glücklicher, grimassierender, aus dem Drachendung Dungeons & Dragons unablässig Pillen drehender Käfer. Wenigstens einer, der eine sinnvolle Verwendung für diesen Bilderkladderadatsch gefunden hätte.
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