Titel: Dreimal Proxima Centauri und zurück Autor: Myra Çakan Übersetzer: Kollektiv Druck-Reif Buch/Verlagsdaten: Edition Phantasia, November 2011, 208 Seiten broschierte Ausgabe, ISBN-13: 978-3937897479
Eine Rezension von "Miss DeWorde"
Die an Halloween geborene Myra Çakan hat sich mit ihren Hörspielen und Beiträgen als freie Autorin und Journalistin einen Namen gemacht. Sie studierte Schauspiel und Musik und ist die erste deutschsprachige Cyberpunkautorin.
Ihr fünfter Roman „Dreimal Proxima Centauri und zurück“ ist im Steampunk-Gebiet anzusiedeln und basiert auf dem Hörspiel „Schieß mich zum Mars, Liebling“, das vom WDR 1Live produziert und im Juni 2006 erstmals gesendet wurde. Eine Revue mit eben diesem Namen wird im Roman einstudiert und aufgeführt.
In einer Zukunft, in der der Stilgeschmack eine Mischung aus 1900, Art deco und Biedermeier mit fortschrittlichster Technik wie Tesla-Antrieben und C-Klasse-Tiefschlafreisenden. Die Geschichte beginnt mit einem turbulenten Boarding auf dem Raumschiff „Stern von Beteigeuze“ mit dem Zielhafen auf dem zweiten Stern von Proxima Centauri, Proxcent Zwei, Heimat einer blühenden Schönheitschirurgieindustrie und als Freihandelszone Ziel von Tauschhändlern und Touristen.
Hurriberto Wicknack, Kabinensteward der ersten Klasse mit höheren Ambitionen, führt mit seinem Blick über die eintrudelnde Menge auf der Fähre zum Raumschiff in die Geschichte und die Gesellschaft ein. Ein dicker Mann, der versucht unauffällig zu sein, ein kleiner, lauter Quälgeist samt ihm nachjagender Nanny, ein gedankenverlorener Mann mit abgewetzten Kleidern vom besten Schneider der Galaxis. Doch eine auffallend dekorierte Dame mit dickem Herrn als Vor- und unscheinbarem Fräulein als Nachhut erregt seine Aufmerksamkeit.
Angekommen auf dem Schiff wird eben diese Dame, Banamarama Halcion, von ihrem Impresario und ihrer Gesellschafterin verlassen, sie sinkt in der plüschig-puffigen Eingangshalle, farblich abgestimmt in Mauve, Curry und Hummer, auf ein Fauteuil und ist überfordert. Säuselnde Liebespärchen, piepende Maschinen, kreischende Kinder, Probleme mit der Suitenvergabe, aus all diesem Chaos rettet sie Wicknack, der sich so eine feste Trinkgeldeinnahmequelle sichert. Nach Champagner ist die Diva mit ihrem Kontempler sicher im Kokon untergebracht und die junge Gesellschafterin Mimsy Mimkovsky, ein Waisenkind, aufgezogen von den Beharrlichen Schwestern vom Orden des Blutenden Herzens kann sich auf die Suche nach ihrer Kabine begeben. Dabei trifft sie den charmanten Herrn Schalck von Schnabel, der sehr angetan von ihr ist.
Zu diesen bunten Gestalten kommen noch ein verliebtes Prinzesschen, dass ausgebüxt ist, um ihren heimlichen Verehrer zu treffen, ein hochwürdiger Priester, der die Kabine nie verlässt, ein frisch getrautes Ehepaar, ein lang verheiratetes Ehepaar, ein fröhlicher, alter Junggeselle namens Rufus Plonk und einige tanzende Mondkühe.
Es ist Tradition, dass die Gäste am letzten Abend auf dem Schiff eine Revue aufführen. Dieses Mal übernimmt die große Halcion (die inkognito unter dem Namen „von Meise“ reist) die Regie, das schüchterne Fräulein Mimsy spielt die Baronesse Sternchen von Hüpf, Schalck den tapferen Raumschiffpilot und Plonk den Vormund. Während die Proben mehr oder minder gut laufen, entwickelt sich die Handlung auf dem Raumschiff parallel dazu mit. Charmante Herren machen den Damen den Hof, ein Gangsterboss wird gefunden, die Mimsy findet ihren Vater, wird auf der Bühne zu einem Mord verhört, heiratet spontan, die Mondkühe stolpern über Koffer, der Prinzessin wird ein geklauter Dolch gestohlen und auch sonst ist die Geschichte kunterbunt und turbulent.
Der Roman ist wie eine Mischung aus dem Interieur der „Titanic“, der Geschichte des „Mord im Orient-Express“ mit einem guten Schuss Revue und Raumschiff. Unterhaltsamer Steampunk der sehr bunten Art.
ich hatte das Buch sehr negativ bewertet. Ich habe gerade in der letzten Zeit sehr viel Steampunk gelesen und hier habe ich kaum etwas davon gefunden. Für mich war das ein Sketch aus dem Ohnsorg Theater, nur dass er auf einem Raumschiff spielt. Absolut vorhersehrbar. Die Figuren sehr klischeehaft: die arme Gesellschafterin, der reiche verkannte Schnösel, der der Liebe anheim fällt, die dominante Exdiva usw. Als Theaterstück hätte mir das sicher 2 amüsante Stunden beschwert aber als Buch fand ich das abolute Zeitverschwendung und die 15 Euro abolut überzogen.
Je mehr man liest um so mehr verseht man von einem Genre (auf ein Genre legt man sich für gewöhnlich fest). Ich mag es gar nicht, wenn ich ein Buch lese und mir denke: Diese Thema habe Autor A und B von vielen Jahren schon besser behandelt.
Und natürlich wird es auch immer schwer uns Viellester zu überraschen. Deswegen neige ich in solchen Fällen zu deutlich positiveren Werten - Quasi: Einmal überrascht - Gesamtwertung einen Punkt besser. Oder müsste man sagen: Gar nicht überrascht - einen Punkt abzug.
Ich kann Petra Berger durchaus zustimmen, "reines" Steampunk, wie sonst kennt, ist es nicht. Mir hat das Buch denke ich deshalb so gut gefallen, weil es von Anfang an wie ein Theaterstück in meinem Kopf lief.
Der Spaß ist ja, dass man eigentlich weiß, wie es ausgeht, aber dennoch die Geschichte einfach unterhaltsam ist.
Zwischen den dicken Wälzern mag ich genau solche leichten, schnellen Geschichten, wie ein "Zwischengang".
fictionfantasy ist ein verlagsunabhängiges Rezensionsportal für phantastische Werke und mehr. Derzeit sind über 14.000 Artikel abrufbar!
Schreibe deine eigene Rezension deines Lieblingsbuches und
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
! Du hast fehlende Angaben bei Autoren oder Buchtiteln gefunden?
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
!
Hast du einen Blog und willst im fictionfantasy-Netzwerk mitmachen?
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Aktuelle Artikelkommentare
Gast (R. Schäfer)
Der Bearbeiter sagt vielen Dank für die Blumen . Die zahlreichen positiven Rückmeldungen der Leser h...
Einen Kommentar verfassen