fictionfantasy

fictionfantasy ist ein verlagsunab-hängiges Rezensionsportal für phantastische Werke. Derzeit sind knapp 13.000 Artikel abrufbar!

Schreibe deine eigene Rezension
deines Lieblingsbuches und schick sie uns !


Du hast fehlende Angaben bei Autoren oder Buchtiteln gefunden?
Wir freuen uns über jede Unterstützung!

Hast du einen Blog
und willst im fictionfantasy-Netzwerk mitmachen? Melden!

Amazon

Diskussion

Social Network

Folge uns auf Twitter
Folge uns auf Facebook!
Folge uns auf Google+
Abonniere unseren RSS Feed

Phantast

Das eMagazin von fictionfantasy und literatopia

phantast
Alle Phantast-Ausgaben
auf einen Blick

Netzwerk

Blog Top Liste - by TopBlogs.de
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de
http://www.wikio.de
Startseite - Film - Fantasy - Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
Film - Fantasy (F)

Titel: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
Alternativtitel: Drei Nüsse für Aschenbrödel
Originaltitel: Ti oíšky pro Popelku
Regie: Václav Vorlíek
Drehbuch: František Pavliek
Darsteller: Libuše Å afránková, Pavel Trávníek, Carola Braunbock, Rolf Hoppe, Karin Lesch, Dana Hlavá?ová, Jan Libíek u. a.
Musik: Karel Svoboda
FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: 82 min
?SSR, DDR, 1973

Eine Besprechung / Rezension von Jürgen Eglseer
(weitere Rezensionen von Jürgen Eglseer auf fictionfantasy findet man hier)

Václav Vorlíek präsentiert hier nach einer literarischen Vorlage von Bozena Nemcova eine Variation des wohl weltweit bekannten Märchens Aschenputtel - oder nach dem Schriftsteller und Märchensammler Ludwig Bechstein eben Aschenbrödel. Die Grundstruktur der Geschichte ist nichts Neues: Aschenbrödel lebt als Tochter eines verstorbenen Gutsbesitzers zusammen mit ihrer Schwiegermutter und deren Tochter. Die Schwiegermutter drangsaliert und demütigt die junge Frau bei jeder Gelegenheit und lässt sie spüren, dass ihre Wertigkeit ihr gegenüber gegen Null tendiert. Als das Königspaar sich zu einer Stippvisite ankündigt, bricht große Geschäftigkeit im Gut aus - die Schwiegermutter hofft darauf, ihre Tochter mit dem Prinzen vermählen zu können. Dieser erscheint jedoch nicht - allerdings erlangen Schwiegermutter und Tochter eine Einladung zum königlichen Ball.

Der Prinz, der sich bei jeder Gelegenheit den Zwängen des höfischen Lebens zu entziehen versucht, ist mit zwei Begleitern im Wald unterwegs, als er zum ersten Mal das Aschenbrödel sieht, das ihm frech und ungezwungen entgegentritt. Eine zweite Begegnung findet später auch im Wald statt, als Aschenbrödel, die von ihrem Vater die Kunst des Armbrustschießens erlernte, die Fähigkeiten bei der Jagd von Prinz und Begleitern bei weitem übertrifft. Der Prinz überreicht ihr den Ring des besten Jagdschützen.

In ihrer Not - die Schwiegermutter schränkt ihre Bewegungsfreiheit von Mal zu Mal ein - wendet sie im Laufe des Filmes drei Haselnüsse aus der Schmuckschatulle der toten Eltern an, die jeweils einen innigen Wunsch erfüllen. Die Eule Rosalie fungiert hier als, wenngleich stummer, Zuhörer und Berater. Als der königliche Ball näher rückt, schleicht Aschenbrödel sich gegen den Willen ihrer Schwiegermutter ein und verzaubert mit ihrer Art und ihrer Schönheit sogleich den Prinzen. Dieser ist betört und will sie zur Frau - so einfach will ihm es die verschleierte Aschenbrödel jedoch nicht machen und stellt ihm das berühmte Rätsel (siehe oben). Da der Prinz es nicht lösen kann, flüchtet sie aus dem Schloss und verliert dabei einen Schuh - der Prinz beginnt nun, alle Frauen in der Umgebung den Schuh anzuprobieren ...

Mit dem tschechischen Wintermärchen hat der Regisseur einen Kultfilm geschaffen, der seit vielen Jahrzehnten sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistert. Woran liegt das? Ich denke, dies lässt sich mit zwei Dingen beantworten.
Zum einen ist die Gestaltung des Filmes, Bauten und Soundtrack sehr liebevoll gestaltet und auch die Außenaufnahmen sind in ihrer Kameraperspektive durchaus gelungen. Man hat schon sehr sehr viel Schlechteres im Märchengenre gesehen - hier wird jedoch die Liebe zum Detail deutlich und der Enthusiasmus, den die Bühnenbauer an den Tag legen.
Zum anderen ist die Ausgestaltung der Charaktere sehr interessant. Die Regierenden werden nicht als absolute Respektspersonen gezeigt, wie man das in diesem Genre ansonsten gewohnt ist. König und Königin zeigen sehr viel Humor, auch ihrem Amt und sich selbst gegenüber. Den Prinzen lacht die Bevölkerung aus, als er mit dem Schuh herumzieht und den passenden Fuß hierzu sucht. Hier spielt vielleicht eine politische Komponente mit, sollte der Adel im Sozialismus ja entsprechend dargestellt werden und nicht der Eindruck entstehen, man würde die vorherrschende Ideologie unterminieren. Das Aschenbrödel ist eine Art Pippi-Langstrumpf-Archetypus - rothaarig und frech, selbstbewusst und mit nicht selbstverständlichen Fähigkeiten ausgestattet, die nicht dem üblichen Frauenbild im Märchen entsprechen, tritt sie dem Prinzen nicht als demütiges Mädchen entgegen, sondern als Frau, die weiß, was sie kann und was sie will. Die drei Begegnungen mit dem Prinzen - im Wald, beim Jagen und auf dem Ball - stellen auch die drei Teile der Persönlichkeit des Aschenbrödel dar: die Hausfrau oder Dienerin, die selbstbewusste Jägerin mit der Armbrust und zu guter Letzt die Verkörperung der Weiblichkeit in einem schönen Kleid und passendem Gebalze.

Insofern stellt "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" eine Ikone im Märchengenre dar, die jung und alt nur empfohlen werden kann. Geboten wird ein rührendes, zauberhaftes und zugleich emanzipiertes und zeitloses Märchen.

Ein paar sekundärliterarische Anmerkungen: Aschenbrödel entspricht der Nummer 510a nach dem Aarne-Thompson-Index und findet sich in der Märchensammlung Grimm unter der Nummer 21. Die in dieser Variante gezeigten Bildnisse: Haselnüsse (Metapher vollendeter Erkenntnis), Tauben (Begleiter der Aphrodites - griechische Göttin der Schönheit und Begierde), Eule als Wächter des Schmuckkästchens (Verkörperung der Weisheit).

Kommentare (3)Add Comment
Rupert Schwarz
...
geschrieben von Rusch, Dezember 04, 2008
Dies ist wahrscheinlich der beste der Tschechischen Märchenfilme, wobei es auch noch eine Reihe anderer gelungerer Verfilmungen gibt. Man kann fast sagen: Eine Märchenverfilmung ist nur dann gut, wenn sie aus Tschechien kommt.
0
...
geschrieben von Anonymous, Dezember 04, 2008
Das gilt auch für Jules Verne-Verfilmungen
0
...
geschrieben von raps, Dezember 04, 2008
Danke, danke, danke, Jürgen! Jetzt habe ich wirklich ein schlechtes Gewissen, im SF-Netzwerk-Forum so rumgeflachst zu haben. Dass Du Dir aber auch sooo viel Mühe gemacht hast. Ich müsste eigentlich mal mitzählen, wie oft der Film dieses Jahr läuft (das erste Mal war bereits letzte Woche im MDR). Als Tschechien der EU betrat, habe ich mal ein Interview des 'Prinzen' mit Marietta Slomka gesehen. Da meinte die Dame, damals am Filmset seien bestimmt alle Männer in Achenbrödel verliebt gewesen, woraufhin dem 'Prinzen' sichtbar die Augen feucht wurden. Wir rührend! P.S. Dadadada dadadadada dadadadadadada dadada dadadadada dada dadadadada dada (Hm, wirkt nicht als Text, ich wollte gerade irgendwie die Filmmelodie von Karel-In-ainäm-unbekahnten-Laand-Svoboda wiedergeben.)

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

busy