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| Titel: Die Shadoks und die Gibis reisen zur Erde Eine Besprechung / Rezension von Jean Lüdeke |
Comic meets Kunst, und Joan Miró scheint Pate gestanden zu haben: Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre flimmerte über die Bildschirme der dritten Fernsehprogramme in Deutschland eine Zeichentrick-Serie von Jacques Rouxel: Die Shadoks. Mit ihrer frappierenden Logik und Philosophie vermittelten sie elementare Erkenntnisse. Manfred Steffen, deutscher Sprecher der beiden ersten Staffeln, trug wesentlich zur fast suggestiven Überzeugungskraft dieser Wesen bei. Seither wurden diese bizarren, vogelähnlichen Wesen aus dem Weltall nicht mehr gesehen. Bis jetzt: Nach vielen Monaten harter Arbeit werden die DVDs der Shadoks veröffentlicht. Die komplette erste Serie von 1968 - Die Shadoks und Gibis reisen zur Erde. Eine weitere Serie von 1973 - Die Kinder der Shadoks - folgt wenige Monate später. Damals nur in Schwarzweiß zu sehen, erscheint mit der Erdreise die erste Staffel der von angelsächsischem Humor geprägten Zeichentrickserie, die ausgerechnet im Mai 1968 in Frankreich ihr Fernsehdebüt gab. Während auf den revolutionären Straßen von Paris die Mollis gegen Flics und Staat flogen, avancierten die ständig arbeitenden seltsamen Vogelwesen zu Symbolfiguren der Studenten. Heute genießen die Shadoks Kultstatus - nicht nur in Frankreich. Überall fordern Fanclubs das Comeback. In Zeiten perfekter Computeranimation mit steppenden Pinguinen und sprechenden Autos sind die Shadoks und ihre Widersacher, die Gibis, der reinste Anachronismus und Anarchismus. Aber einer, der gute Laune macht. Erstere sind vögelähnliche Wesen, die nur aus ein paar Strichen bestehen, letztere dickliche Männchen, halb Hund, halb Amöbe, mit Melonen auf dem Kopf. Shadoks und Gibis sind Charaktere aus der guten alten Fernsehwelt, als es nur drei Programme gab und das Farbfernsehen noch in den Kinderschuhen steckte. Lang ist es her - und lange waren auch die Shadoks mit ihren vier Gehirnfächern, vier Wörtern und der Vorliebe für das Pumpen verschollen. Aber ganz und gar nicht vergessen. Mag sein, dass vor der Internet-Revolution viele Shadok-Liebhaber glaubten, sie seien mit ihren Erinnerungen an die skurrilen Bewohner zweier fremder Himmelskörper, die unbedingt zur Erde wollen, ganz allein auf der Welt. Gibt man indes heute das Wort Shadok in irgendeine Internet-Suchmaschine ein, dann stößt man auf Fanpages, -foren, und Diskussionsrunden oder einfach nur auf Menschen, die berichten, wie es damals war, 1969, als die französische Zeichentrickserie (13 Folgen à acht Minuten) im deutschen Fernsehen erstmals ausgestrahlt wurde. Die Quintessenz aller Fanseiten: Die herrlich idiotischen Vögel sollen endlich auf die Fernsehschirme zurückflattern. Und wenn schon nicht via einem der zahlreichen öffentlich-rechtlichen oder privaten Kanäle, die sonst eigentlich alles und jedes wiederholen, dann mit Hilfe der DVD. Und die packte kräftig mit an, so dass die schrägen Vögel abheben können.
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