FacebookMySpaceTwitterDiggDeliciousStumbleuponGoogle BookmarksRedditNewsvineTechnoratiLinkedinMixxRSS Feed

Fantasy Buch

Die schlafende Stadt

Titel: Die schlafende Stadt
Autor: Andreas Steiner
Buch/Verlagsdaten: Livre, Dezember 2011, 600 Seiten gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, ISBN-13: 978-3939777977

Eine Rezension von Doris Michel-Himstedt
(weitere Rezensionen von Doris Michel-Himstedt auf fictionfantasy finden sie hier)

In den ersten Kapiteln des Romans lernen wir verschiedene Menschen kennen, deren Leben sich in den letzten Jahrhunderten abspielten. Zunächst und ausführlich erfahren wir von Darius, der auf einer Insel in einer düsteren Stadt lebt. Sein Leben als Astronom ist eintönig, sein Tagesablauf immer gleich. Erst langsam nimmt er die Stadt, in der sich das Leben ausschließlich nachts abspielt, anders wahr. Er beginnt, sie zu erkunden und empfindet sie als zunehmend bedrohlich. Geheimnisvolle Organisationen scheinen die Stadt zu beherrschen. Sie versuchen, Darius für ihre jeweiligen Ziele zu gewinnen. Parallel dazu lernen wir Berthold kennen, einen Schriftsteller, der im Heute lebt. Sein erster Roman war sehr erfolgreich, er könnte zufrieden sein. Aber er hat Schwierigkeiten mit Beziehungen zu Frauen und führt ein eher einsames Leben. Seit Neuestem hat er wieder Angstattacken, die ihn bereits in seiner Jugend quälten. Schließlich sucht er Hilfe bei einer Psychotherapeutin. Weitere Figuren tauchen auf, die sich schließlich fast alle als Teil einer verzweigten Familie zeigen. Einige dieser Figuren begegnen sich im Verlauf der Handlung auf der Insel und an anderen Orten. Sie nehmen Einfluss auf das Leben der jeweils anderen. Insbesondere Bertholds Leben befindet sich in einer akuten Krise. Der Kontakt mit den vergangenen, bereits toten Ahnen hilft ihm, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Das Buch nahm mich mit in eine mysteriöse Welt. Bereits „Die Schlafende Stadt“ ist ein programmatischer Titel, wie im Verlauf der Geschichte immer deutlicher wird. Er steht für unsere Vergangenheit, die unmittelbare und die fernere, die unsere Familiengeschichte über viele Generationen hinweg umfasst. Jede neue Generation wird von allen älteren beeinflusst. Deutlich beschrieben wird dies erst nach etwa einem Drittel des Buches. Bertholds Therapeutin erläutert ihm dies und nun sucht auch der Leser in den hin und her springenden kurzen Sequenzen nach den Verbindungen der Figuren untereinander. Alle sind untereinander verwoben. So wie Darius darum ringt, Klarheit und Licht in sein Leben auf der Insel zu bringen, so sucht Berthold nach dem Grund seiner Ängste und kämpft darum, sein Leben wieder unter Kontrolle zu bekommen. Andere Figuren geben den vergangenen und heutigen Problemen und Schwierigkeiten Gestalt. So lesen wir vom Innenleben eines psychisch gestörten Mörders und Vergewaltigers und von dem bedrückenden, sprachlosen und doch schuldhaften Erleben eines Menschen unter der Nazi-Diktatur. So wie die Einwohner der Insel sich langsam ihrer Existenz und ihrer Verbindung zur Welt außerhalb der Insel bewusst werden, so wird den heute lebenden Protagonisten die Existenz der Insel und Ihrer Bewohner bewusst. Mit dem Kennenlernen der Figuren untereinander wächst auch der Einfluss, den sie aufeinander ausüben, so wie es Bertholds Therapeutin ihm einst erklärte.
Andreas Steiner hat ein lesenswertes Buch geschrieben. Die Darstellung eines therapeutischen Ansatzes durch einen Roman ist überzeugend gelungen. Die Sprache erinnert zeitweise an Schauerromane aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und fügt sich hervorragend in die Düsternis, die weite Teile des Buches beherrscht. Der Buchumschlag lässt die Insel mit ihren aufeinander getürmten Häusern erahnen. Kleine Zeichnungen und Gedichte zu Beginn der Kapitel bieten einen optischen Anreiz zum Weiterlesen. Der Livre-Verlag muss hier lobend für diese nicht alltägliche verlegerische Mühe erwähnt werden. Besonderes Lob aber gilt dem Autor, der uns ein ungewöhnliches Thema auf ungewöhnliche Art zu lesen gab. Von mir eine absolute Leseempfehlung.

Einen Kommentar verfassen

0 Zeichen Beschränkung
Dein Text sollte mehr als 5 Zeichen lang sein
  • Keine Kommentare gefunden

fictionfantasy.de

fictionfantasy ist ein verlagsunabhängiges Rezensionsportal für phantastische Werke und mehr. Derzeit sind über 14.000 Artikel abrufbar!

Schreibe deine eigene Rezension
deines Lieblingsbuches und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! !


Du hast fehlende Angaben bei Autoren oder Buchtiteln gefunden?
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! !

Hast du einen Blog
und willst im fictionfantasy-Netzwerk mitmachen? Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Aktuelle Artikelkommentare

Gast (R. Schäfer)
Der Bearbeiter sagt vielen Dank für die Blumen . Die zahlreichen positiven Rückmeldungen der Leser h...
Hallo Maik! Den Comic gibt es nicht zu gewinnen. Wie kommst du drauf? Vielleicht verwechelst du das ...
Gast (maik hoffmann)
hallo ich würde das comic gern gewinnen wiel star trek mich meine kinder begleidet hat mfg maik