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Die Narbe / Leviathan (Bas Lag - Band 3 / 4)

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Serie/Zyklus: Bas Lag - Band 3 / 4
Titel: Die Narbe / Leviathan
Originaltitel: The Scar
Autor: China Miéville
Übersetzung: Eva Bauche-Eppers
Verlag/Buchdaten: Bastei-Lübbe-Taschenbücher; BRD: Februar und März 2004; 523 und 476 Seiten

Besprechung / Rezension von Andreas Nordiek

China Miéville steht nach drei Romane, die auch allesamt bei Bastei-Lübbe als Taschenbuch erschienen sind, bereits an der Spitze der Phantastikszene und hat innerhalb kürzester Zeit einen Bekanntheitsgrad erreicht, wo andere Autoren Jahre oder Jahrzehnte für benötigt haben.
Leider wurde auch The Scar auf zwei Taschenbücher verteilt, dabei hätte er es verdient in einer edlen Hardcoverausgabe zu erscheinen. Bei der Lektüre der beiden Bücher habe ich manches Mal gedacht, wie schludrig die Verlage mit solchen Romanen umgehen. Ich weiß, letztlich müssen diese Werke sich verkaufen und als Taschenbuch sind die Produktionskosten natürlich geringer als bei einem Hardcover. Dennoch hat es mir einen Stich ins Herz gegeben, als ich den ersten Romanteil mitten unter anderen SF-Titeln im Bahnhofskiosk zum ersten Mal erblickte. Obwohl die Covergestaltung als überaus gelungen bezeichnet werden muss, wird die Ausstattung dem Roman einfach nicht gerecht.

Der Roman spielt in der selben Welt wie Perdido Street Station, ist aber keine Fortsetzung, sondern ein völlig eigenständiges Werk und beginnt mit der Flucht der Linguistin Bellis Coldwine aus New Crobuzon, der Stadt, die als Handlungsort für Perdido Street Station diente. Auf den Weg in eine von New Crobuzon gegründeten Kolonie wird das Schiff von Piraten angegriffen und übernommen.
Piraten, die von Armada stammen, einer Stadt, die gebildet wird von einer riesigen Ansammlung von Schiffen aller Art und aller Jahrhunderte. In Armada leben tausende Lebewesen unterschiedlichster Rassen in Stadtvierteln friedlich miteinander. Sie alle sind mehr oder weniger freiwillig zu Bewohnern Armadas geworden und genießen hier ihre neue Freiheit. Eine Freiheit, die vor allem daher rührt, dass die meisten Landbewohner Armada nur aus Gerüchten, Erzählungen oder gar nicht kennen. Eine Stadt, die es geschafft hat zu einem Mythos zu werden und sehr darauf bedacht ist sich von der restlichen Welt abzuschotten, soweit sie es sich leisten kann. Denn natürlich wird Handel getrieben und ständig sind Schiffe Armadas unterwegs, um alles lebensnotwendige für Armada und dessen Bewohner heranzuschaffen.
Bellis, die dank ihres linguistischen Talentes bald an entscheidenden Geschehnissen der schwimmenden Stadt beteiligt ist, kann sich nicht eingewöhnen. Zu sehr ist sie an New Crobuzon gebunden und versucht alles, um ihre Heimatstadt zu erreichen und zu helfen. Die gesamte Handlung des Romans wiederzugeben würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen.
China Miéville legt einen Ideenreichtum an den Tag, den ich selten in einem Roman gelesen habe. Sein Roman stellt eine Mischung verschiedener Genres dar und ist weder der SF noch der Fantasy zuzurechnen. Wobei die Technik der Bewohner dieses Planeten im Dampfzeitalter angekommen ist und Magie (Thaumaturgie) ebenfalls eine große Rolle spielt, was eher für Fantasy spricht. Dennoch dürften Leser von Seefahrerromanen, Dark Fantasy-Stories oder mythologisch befrachteten Romanen ebenfalls sich angesprochen fühlen.

Die Mischung ist schwer zu beschreiben und stoppt nicht an Genregrenzen, sondern überschreitet diese. Hightechnik, Computer und Raumschiffe finden sich in diesem Werk nicht, dennoch ist die Welt voll von Relikten längst vergangener, auch außerplanetarer Zivilisationen, die von den Bewohnern Armadas oder New Crobuzons zwar benutzt aber nicht in ihrer Funktionsweise verstanden werden. Während der Lektüre des Romans wird der Leser erkennen, dass es für diese Welt scheinbar keine Grenzen gibt. Eine Vielzahl von Ländern und Völkern sind nur vom Namen her bekannt oder werden als unerforscht beschrieben. Ein Gesamtweltbild existiert nicht, so dass diese Welt noch eine Menge an Möglichkeiten bietet. Möglichkeiten, die ebenso bizarr und voller Einfälle sein dürften wie Armada und die Gestade an denen ihre Bewohner anlegen.

The Scar ist trotz seiner Ideenfülle leichter zu lesen wie Perdido Street Station. Der Autor nimmt sich den Raum, um vor allem die verschiedenen Bezirke seiner schwimmenden Stadt zu beschreiben. Ausführlich taucht er mit seinem Leser in die faszinierende Welt eines Vielvölkergemisch ein, um dann im zweiten Roman an Fahrt zu gewinnen und das Tempo der Handlung kontinuierlich zu steigern. Gerne taucht man als Leser mit in diese Welt ein und läßt sich von der Einfallsvielfalt des Autors begeistern.
Wer bislang noch nichts von diesem Autor gelesen hat, sollte dies schnellstmöglich nachholen. Es gilt einen neuen Autor zu entdecken, der bereits mit seinen dritten Roman auch stilistisch schon ein ganz großer geworden ist.

Die Narbe - Rezension von Rupert Schwarz
Leviathan - Rezension von Rupert Schwarz

Eine Übersicht der Serie gibt es auf der Autorenseite
[Auf fictionfantasy.de rezensierte Bücher sind mit einem Link unterlegt und fett gekennzeichnet.]

 

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