Text Size

Die linke Hand der Dunkelheit / Winterplanet (Hainish, Band 4)

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Serie/Zyklus: Hainish, Band 4
Titel: Die linke Hand der Dunkelheit oder Winterplanet
Originaltitel: The left Hand of Darkness
Autor: Ursula K. LeGuin
Übersetzung: Giesela Stege
Verlag/Buchdaten: Orbit, Erschienen 1995

Eine Besprechung / Rezension von Oliver Faulhaber.

In einer fernen Zukunft bilden alle von Menschen bewohnten Planeten einen losen Zusammenschluß, die "Ökumene". Da aufgrund der riesigen Entfernungen ein interplanetarer Handel nehezu ausgeschlossen ist (wie man sieht, berücksichtigen manche Autoren die Relativitätstheorie noch) kann Sinn und Zweck dieses Bundes nur in dem Austausch von Wissen, Traditionen und Ideen bestehen.

Genly Ai ist ein "Abgesandter", der mit den Bewohnern des neu entdeckten Planeten Gethen den Erstkontakt durchführen und sie zum Beitritt in die Ökumene einladen soll. Bereits vor ihm wurden Informationen von heimlich operierenden Kundschaftern eingeholt, so daß er sich über die dortigen Verhältnisse im Klaren ist. Denn Gethen wird nicht zu Unrecht auch "Winter" genannt, sogar im Sommer erreichen die Temparturen kaum den Gefrierpunkt.
Seine Bewohner sind - wie auf allen Planeten - menschlich, doch unterscheiden sie sich vor allem in der Sexualität von allen bekannten Arten: Sie sind während des größten Teils ihres Lebens ungeschlechtlich, und nur für wenige Tage jeden Monats, der sogenannten "Kemmer"-Periode, bilden sich Genitalien heraus, und aus den asexuellen Wesen wird für kurze Zeit physisch wie auch psychisch ein Mann oder eine Frau. Nur in dieser Zeit haben die Bewohner Gethens ein sexuelles Verlangen, das dann privat oder in speziell für diesen Zweck errichteten öffentlichen Gebäuden befriedigt wird. Dabei wird das sich bildende Geschlecht größtenteils von Umwelteinflüssen bestimmt, so daß eine schwangere "Frau" durchaus einen Monat vorher noch ein "Mann" gewesen sein kann. Diese biologische Eigenheit bestimmt das Leben der Gethenier wie kein anderer Faktor; die Wissenschaftler des Ökumenens gehen sogar soweit, das Fehlen eines Konzepts für "Krieg" darauf zurückzuführen.
Genly Ais Erscheinen erzeugt bei den Bewohnern Gethens, die keine Raumfahrt oder sonstige Flugmaschinen kennen, die unterschiedlichsten Reaktionen. Sein erster Versuch führt ihn nach Karhide, einer zentral von einem Monarchen regierten Nation, in der er sich mit Hilfe des Premierministers Estraven um eine königliche Audienz bemüht. Doch Ai scheitert am Wahnsinn des Herrschers, für den der Beitritt zur Ökumene einer Unterwerfung gleichkommt, und an dem im letzten Moment stattgefundenen Meinungswechsel Estravens zurück. Erst als ihn sein Weg nach Oregyn führt - einem mit Karhide aufs Schärfste konkurrierende Land, das föderalistisch und äußerst bürokratisch geführt wird - und er dort erneut auf den mittlerweile im Exil lebenden Estraven trifft, erkennt er, daß der ehemalige Premierminister ihm mit seinem Handeln das Leben rettete.
In Oregyn wird er, ganz im Gegensatz zu Karhide, freundlich empfangen und ihm wird auf vielen Treffen mit der politischen Führung die Chance gegeben, sein Anliegen vorzubringen. Doch hinter aller Zuvorkommenheit tritt doch eine Opposition zutage, und so verwundert es nicht, daß sich Genly Ai - nachdem er auch noch die Information preisgibt, daß ein Raumschiff mit im Kälteschlaf wartender Besatzung nur auf sein Signal zur Landung wartet - nach kurzer Zeit in einem abgelegenen Arbeitslager wiederfindet. Estraven, der sich die Schuld gibt, versucht nun, ihn von dort zu befreien, und doch noch ihrer beider Traum wahr werden zu lassen: den Beitritt aller Nationen Gethens zur Ökumene.

Urteil: Die Autorin versteht es vorzüglich, eine Gesellschaft zu schildern, die zwar grundsätzlich der unseren gleicht, aber durch wenige signifikante Unterschiede doch so fremdartig wirkt. Während dem langen und beschwerlichen Treck durch die Eiswüste bekommt man tiefe Einblicke in das Innenleben der Protagonisten und damit auch deren Gesellschaft. Neben dieser persönlichen Ebene versteht LeGuin es, zusätzlich auch die politische Ebene nicht zu kurz kommen zu lassen, auf der vor allem das Konzept der "shifgrethor", ähnlich unserer "Ehre", eine große Rolle spielt.

Alles in allem ein wirklich empfehlenswertes Buch, dessen etwas eigentümlicher Stil mir zwar anfangs Schwierigkeiten bereitete, schließlich aber sogar mit zur positiven Wertung beitrug. LeGuins Weltbild ist in sich konsistent und die von ihr verwendeten technischen Errungenschaften durchaus plausibel ... was wünscht man sich mehr?

Die Linke Hand der Dunkelheit - Rezensionsübersicht

Eine Übersicht der Serie gibt es auf der Autorenseite
[Auf fictionfantasy.de rezensierte Bücher sind mit einem Link unterlegt und fett gekennzeichnet.]

Phantast

 

PHANTAST ist das kostenlose, gemeinsame Online Magazin von fictionfantasy.de und www.literatopia.de das ca. dreimal pro Jahr erscheint. Wie der Name schon sagt, dreht es sich um die Phantastik in all ihren Ausprägungen. Ob Fantasy, Science Fiction, Horror oder wilde Genremixe - im PHANTAST soll alles vertreten sein!
Für jede Ausgabe gibt es einen Themenschwerpunkt, nach dem sich die Artikel und Rezensionen richten.

Übersicht aller Ausgaben

Top 1000 der SF

Über 300 Leute haben aus über 2000 Büchern die Besten SF Werke abgestimmt. Hier gibt es die Ergebnisse.

Viel Spaß beim Stöbern.

Top 1000 der SF

Wer sind wir?

fictionfantasy ist ein verlagsunabhängiges Rezensionsportal für phantastische Werke und mehr. Derzeit sind über 15.000 Artikel abrufbar!
Du hast fehlende Angaben bei Autoren oder Buchtiteln gefunden? Hast du einen Blog und willst im fictionfantasy-Netzwerk mitmachen? 
Schreibe uns! Kontakt siehe Impressum!