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Die linke Hand der Dunkelheit (Hainish, Band 4)

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Serie/Zyklus: Hainish, Band 4
Titel: Die linke Hand der Dunkelheit
Originaltitel: The left Hand of Darkness
Autor: Ursula K. LeGuin
Übersetzung: Giesela Stege
Vorwort von John Clute (Übersetzung: Erik Simon)
Verlag/Buchdaten: Heyne Science Fiction 06/8207, ISBN 3-453-16415-6, Erscheinungsjahr: 1969 / 2000

Deutsche Erstveröffentlichung unter dem Titel Winterplanet bei Heyne Science Fiction (06/3400): 1974

Besprechung / Rezension von Markus Wolf

Genly Ai wurde als Botschafter auf dem Planeten Gethen abgesetzt, der von den Menschen der Ökomene durch seine kühle Durchschnittstemperatur auch Winter genannt wird. Da die androgynen Gethianer Probleme haben das "L" in seinem Namen auszusprechen, ist er dort unter dem Namen Genry bekannt und die dortigen Einwohner halten ihn für einen "Perversen", da er in Ihren Augen in Stadium der "Kemmer" hängengeblieben ist.
Die "Kemmer" ist bei den Gethianern die Zeit, in der sie für kurze Zeit das männliche oder weibliche Geschlecht annehmen, um sich fortzupflanzen. Dabei hängt es bei den ansonsten menschenähnlichen Gethianern immer vom Zufall ab, welches Geschlecht angenommen wird.
Mit Hilfe des Premierministers Estraven wird Genly Ai nach einigen Monaten Aufenthalt auf dem Planeten zum kahoidischen König vorgelassen, um das Volk der Getheianer auf einen Eintritt in die Ökomene vorzubereiten. Allerdings verlaufen die Verhandlungsgespräche nicht ganz so wie gewünscht, da auch weiterhin daran gezweifelt wird, dass er nicht von dieser Welt stammt. Dabei verliert auch Estraven seinen Posten als Premierminister und wird aus dem Land Kahide verbannt.
Genly kommt ohne die Unterstützung Estraven in Kahide nicht mehr weiter, da er nicht nur ein Volk des Planeten den Vorteil der Ökomene anbieten möchte, sondern dem ganzen Planeten.
So beschliesst er in das angegrenzte, verfeindete Reich Orgoreyn zu reisen um der dortigen Ratsregierung sein Angebot zu unterbreiten. Dabei wird er aber verraten und in ein unmenschliches Friedenscamp deportiert.
Estraven, der in dem Land Zuflucht gefunden hat, erfährt davon und befreit den unter Drogen gesetzten Genly aus der Gefangenschaft und flüchtet mit ihn über einen beschwerlichen Weg über Gebirge und Gletscher zurück nach Kahide. Dabei müssen beide auf engsten Raum zusammenleben, was für den Gethianer nicht gerade leicht ist und dies besonders erschwert wird, als bei Estraven die "Kemmer" eintritt.

Ursula K. LeGuin hat mit Die linke Hand der Dunkelheit gekonnt die Schwierigkeiten des Kontaktes zwischen den androgynen Gethianern und den geschlechtlichen Menschen der Ökomene, hier vertreten von Genly Ai aufgezeigt. Dabei kommt es zu reichlich Missverständnissen und Spannungen.
Durch ihre Verwandschaft zu den Menschen, im Roman wird davon ausgegangen, das die Gethianer Abkömmlinge genveränderter menschlicher Kolonisten sind, da sie auch nicht direkt in der Fauna des Planeten hineinpassen, und der daraus entstehenden Ähnlichkeiten Ais zu dem Volk der Gethianer hat es der Mensch sehr schwer, als Aussenweltler anerkannt zu werden. Denn dort auf dem Planeten werden Gethianer die in der "Kemmer", also der Geschlechtlichkeit hängengeblieben sind als "Perverse" geächtet, was die Verhandlungsposition für den dauerhaft männlichen Ai nicht gerade einfach macht. Auch er kann sich auf die androgynen Verhandlungspartner anfangs nicht richtig einstellen, da die Verhandlungspartner sowohl männliche, wie auch weibliche Eigenschaften zeigen und dies für ihn der zwischenmenschlichen Kommunikation sehr ungewohnt ist.

Dieser Zwiespalt wird in dem Roman aber von der Sichtweise beider Völker erzählt: Aus der Sicht Genly Ais und in einem Tagebuchbericht Estravens, sowie auch einige kurze Einschübe der Sagen- und Legendenwelt der Gethianer. Dies macht gerade den Roman sehr abwechslungsreich und interessant, hat aber auch einige Längen im Storyverlauf, gerade bei der Beschreibung der über aus anstrengenden Flucht aus Orgoreyn über die unwirtliche Gletscher. Aber vielleicht möchte die Autorin damit die Eintönigkeit und Anstrengung der Reise dem Leser nahebringen. Ich war am Schluß der Flucht schon fast der Meinung, die beiden würden nie ankommen, aber das war auch Genlys Gefühl zum Zeitpunkt der Handlung.

Auch schön beschrieben sind die unterschiedlichen Auffassungen und politischen Einflüsse in den verschiedenen Gegenden der Welt "Winter", sei es unter der schwerfälligen Weiterentwicklung der Zivilisation unter dem Einfluß der Monarchie in Kahide oder die bürokratische Regierung in Orygoreyn, die andersdenkende und unliebsame Bewohner dann in Umerziehungslager stecken.
Ursula K. LeGuins Roman sollte jeder einmal gelesen haben und man muß dabei auch immer im Hinterkopf behalten in welchem Jahr (1969) der Roman damals erschienen ist und welchen Einfluß es damals auf die phantastische Literatur hatte.
Dabei ist zu bedenken, das Genly Ai ein dunkelhäutiger Vertreter der Ökomene war, was zu der Zeit auch nicht gerade üblich war, wenn die Hauptfigur ein "Schwarzer" war. Seitdem wurde das hier zu Grunde gelegte Thema schon öfters aufgenommen, aber meiner Meinung nach nicht so gut erzählt wie in Die linke Hand der Dunkelheit.

Die Linke Hand der Dunkelheit - Rezensionsübersicht

Eine Übersicht der Serie gibt es auf der Autorenseite
[Auf fictionfantasy.de rezensierte Bücher sind mit einem Link unterlegt und fett gekennzeichnet.]

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