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Die Enteigneten

Bewertung: 5 / 5

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Serie/Zyklus: Hainish Zyklus
Titel: Freie Geister
Originaltitel: The Dispossesed (1974)
Autor: Ursula K. LeGuin
Übersetzung: Karin Nölle
Verlag/Buchdaten: FISCHER Tor, 26. Januar 2017, ISBN-13: 978-3596035359

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Der brillante Physiker Shevek bricht mit allen Regeln seines Volkes, als er den Mond Urras verlässt, um zum Planten Anarres herunterzufliegen. Die Kulturen beider Welten sind sehr gegensätzlich und stehen sich in einem fast feindschaftlichen Verhältnis gegenüber. Als auf Urras eine Revolution ausbrach, sagte man sich von der Mutterwelt los und errichtete eine herrschaftsfreie Welt der Besitzlosen. Das Leben in dieser ideellen Welt ist hart, weil Urras an Rohstoffen arm ist und es an fruchtbarem Land mangelt. Die Welt ist karg, und die Menschen müssen alles gerecht teilen, weil es an allem fehlt, und dennoch sind die Menschen glücklich. Als Shevek nun nach Anarres kommt, sieht er eine Welt voller Fülle und Reichtum. Eine Welt voller Licht, aber auch voller Schatten. Shevek ist der einzige Mensch, der Gelegenheit bekommt, bei Welten kennen zu lernen, doch welcher wird er den Vorzug geben?
 
"Freie Geister" (oder alternativ "Die Enteigneten" bzw. "Planet der Habenichtse") ist ein Roman des Hainish-Zyklus. Doch das spielt eigentlich keine Rolle, denn im Zyklus ist jeder Band eigenständig. Dieser Roman ist neben "Die linke Hand der Dunkelheit" und "Die Geißel des Himmel" der wichtigste SF-Roman aus dem Schaffenswerk der Autorin LeGuin. Im Gegensatz zu den anderen beiden Romanen ist dieser hier jedoch eine richtige Utopie. Mit Urras schuf die Autorin eine faszinierende Welt, in der der Kommunismus in einer ausgereiften Form umgesetzt wurde, und auch wenn es hier und da ein paar kleinere Auswüchse gab, so scheint es den Bewohnern des Planeten gelungen zu sein, dies umzusetzen. Doch der Roman ist trotz der Themenstellung nur sehr wenig politisch. Zu keiner Zeit wollte die Autorin eine politische Position beziehen, sondern vielmehr in einer klassischen Utopie beschreiben, wie das Leben auf einer solchen Welt ablaufen könnte.

Der Roman an sich ist interessant verfasst. Im Wechsel werden zwei Geschichten erzählt: In der ersten geht es darum, wie Shevek nach Anarres reist, um dort zu forschen, und was er dort erlebt. In der zweiten erfährt man von Sheveks Werdegang und wie es dazu kam, dass er seine Heimat verlässt und zu der Welt aufbricht, die von allen auf seiner Heimat verachtet wird. Aufgrund der zeitlichen Distanz der beiden Handlungsebenen liest man nun parallel wie Shevek Urras, aber auch Anarres kennen lernt. Der Roman ist schön und spannend verfasst und die Geschichte enthält, typisch für Utopien, viele interessante, philosophische Stellen. Der Roman strahlt eine ganz besondere Stimmung aus. Greifbar ist dies nicht, aber die Atmosphäre ist einmalig, und das Buch ist mit keinem anderen SF-Roman zu vergleichen.

Dieser Roman kann vielleicht als die letzte wirkliche große Utopie verstanden werden. Schon damals waren solche Romane aus der Mode gekommen, aber die Autorin versteht es vorbildlich, die Geschichte spannend und interessant zu verfassen. Die Ereignisse um Shevek sind, obwohl die Geschichte keineswegs einfach zu lesen ist, von Beginn bis zum Ende sehr flüssig lesbar. Und dennoch ist dies ein Roman, der den Leser noch Wochen nach dem Ende der Geschichte beschäftigt. Fazit: ein Roman, der ohne Wenn und Aber zu den ganz großen Science-Fiction-Werken gezählt werden muss.
10 von 10 Punkten.

 

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