Titel: Die Dämonen Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber |
Der junge Minten Liago hat ein großes Problem, denn sein Zuhause wird gerade mit einer Gefängniszelle getauscht. Nach einem Gasthausbesuch wacht er in einer Umgebung auf, die er weder kennt, noch wo er sich überhaupt aufhalten sollte. Dieser dumme Zufall sorgt dafür, dass sein Studium erst einmal flöten geht und er für vier Jahre in den Knast wandert. Autor und Schicksal - oder auch der Autor als Schicksal - haben/hat es anders vorgesehen. Liago wird aus dem Kerker herausgeholt und zu einem Faustkämpfer ausgebildet. Das gehört sich so. Alsbald steigt er die Karriereleiter in die Höhe.
Gleichzeitig gelingt den beiden Dämonen Irathindur und Gäus die Flucht aus dem Schlund. Der seit undenklichen Zeiten bestehende Dämonenschlund ist das erzwungene Zuhause der Dämonen. Denn König Orison, der Namensgeber des Landes mit den neun Baronien, konnte während des großen Krieges gegen die Dämonen selbige dorthin verbannen. Dies ist Generationen - viele Generationen - vorbei. Daher ist die Aufmerksamkeit der Menschen eher auf sich selbst, statt auf die Dämonen in ihrem Schlund gerichtet. Aus diesem Grund gelingt, wie eingangs erwähnt, die Flucht.
Die beiden Dämonen schlüpfen in die Körper der Baroness Meridienn den Dauren und des Königs Tenmac des Dritten. Zuerst geht es den beiden Dämonen recht gut, denn nun steht ihnen die Lebenskraft der Menschen zur Verfügung. Das pulsierende Leben, das sie so lange vermissen mussten. Sie genießen, wenn man es bei Dämonen so bezeichnen kann, das Leben in vollen Zügen. Mensch sein hat eben doch etwas. Zufriedenheit, Erfolg und Glückseligkeit sind Dinge, die Dämonen schon immer vermissten. Doch dann reagieren sie auch langsam etwas menschlicher. Sie sind nicht unbedingt gerecht und liebenswert. Die dunklen Seiten des Menschen, also die Positivseiten der Dämonen, kommen so langsam durch. Und der Streit, der Hader, der Dämonen liebste Beschäftigung, sorgt dafür, dass die Welt zu klein wird. So ähnlich wie bei den Boomtown Rats: This town is not big enough for the both of us. Also muss einer der Dämonen gehen, und zwar nicht freiwillig.
Die Handlung ist sehr geradlinig, vorhersehbar und die Charaktere eher austauschbar. Aus den anfangs kuscheligen Dämonen werden im Lauf der Zeit diejenigen, die man erwartet, und aus den Menschen werden Spielbälle und weniger Handlungsträger. Das Buch selbst hält über den ganzen Zeitraum den lockeren, leicht ironischen Stil durch, der es dem Leser leicht macht, der Geschichte zu folgen. Das Buch kann man durchaus in drei Abteilungen einteilen. Ein netter Beginn, ein spannender Mittelteil und eine heftige Schlacht. Tobias O. Meißner macht aus Die Dämonen ein fesselndes Fantasy-Abenteuer. Zum Ende des Buches ein wenig zu philosophisch.