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Der mittlere Turm

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Titel: Der mittlere Turm
Autor: Christian Sidjani
Buch-/Verlagsdaten: Create Space Independent Publishing Platform, September 2013, 148 Seiten, 5,99 €, ISBN: 978-1492822820

Eine Besprechung / Rezension von Markus Solty (weitere Rezensionen von Markus Solty finden Sie auf seinem Blog Horror & Co.

 

Es ist schwierig, das Mittelstück einer Trilogie zu besprechen, ohne zu sehr auf den Inhalt des ersten Teils einzugehen und somit potentielle Leser zu verprellen, die den ersten Teil noch nicht kennen und ihn nach der Lektüre der Rezension des zweiten Teils nicht mehr lesen wollen, da sie eh wissen, was passiert. Aber da Christian Sidjani selbst sagt: „Kenntnisse über die Ereignisse aus STILLMANNS MÜNZEN wären von Vorteil, müssen aber nicht vorhanden sein, um DER MITTLERE TURM zu verstehen.“, werde ich hier in einigen Nebensätzen auf die Handlung von STILLMANNS MÜNZEN  eingehen. Wer davon nichts wissen möchte, sollte hier aufhören zu lesen und vielleicht noch kurz einen Blick auf das Fazit werfen.

DER MITTLERE TURM beginnt nach den Ereignissen aus STILLMANNS MÜNZEN. Es gibt einen neuen Erzähler. Das muss auch so sein, denn gleich zu Beginn erfahren wir, dass der Erzähler des ersten Teils der Trilogie, Michael Martens, vom mittleren der drei Mundsburg-Türme gestürzt ist. Der neue Erzähler Johann arbeitet genau, wie Michael in Teil eins, im Kino des Mundsburg Centers. Nebenbei versucht er sich, ebenfalls wie Michael, als Schriftsteller. Johann fällt nun zufällig das Notizbuch von Martens in die Hände. In diesem Notizbuch findet er den von Martens verfassten Text, der dem Leser als STILLMANNS MÜNZEN bekannt ist. Er schreibt das Notizheft in tagebuchähnlicher Form weiter und versucht herauszufinden, ob Martens Obsession für Stillmann, das Jahr 1973 und den Mundsburgtürmen aufgrund realer Geschehnisse vorhanden waren oder, ob es nur Wahnvorstellungen waren. Dazu nimmt er Kontakt mit Melena, die auch schon aus STILLMANNS MÜNZEN bekannt ist, und mit Michaels Mutter auf. Nun gerät Johann selbst immer mehr in den Strudel der mysteriösen Ereignisse um die Mundsburg-Türme. Gleichzeitig erhält er auch noch die weiteren Notizbücher Michaels und liest seine Geschichten, die wie aus STILLMANNS MÜNZEN bekannt, vom Tod diktiert sind.

 

Zu Beginn des Buches gibt es also sofort eine Überraschung. Ein neuer Erzähler ist plötzlich da, weil der alte nicht mehr lebt. Dieser neue wird mit dem ziemlich genialen Kniff eingeführt, dass er das Notizheft mit dem Text des ersten Teils weiterführt. Was ein wenig stört, wenn man beide Bände direkt hintereinander liest (habe ich zwar nicht gemacht, aber STILLMANNS MÜNZEN noch einmal kurz quergelesen) ist, dass der Stil der beiden Ich-Erzähler zu ähnlich ist und ich es nicht ganz abkaufe, dass da zwei verschiedene Erzähler am Werk sind. Nicht dass ich jetzt falsch verstanden werde: das Buch erzählt trotzdem eine gänzlich andere Geschichte.

Zwar verfällt auch Johann recht schnell dem gleichen Mysterium, dem auch Michael verfallen ist, zuerst im Bestreben herauszufinden, wieso Michael gestorben ist, später weil er Michaels Text absoluten Glauben schenkt. Aber es passiert entschieden mehr als in STILLMANNS MÜNZEN. Das beruht zum einen auf die gewählte Tagebuchform: Johann beschreibt oft das Geschehen(e). Und dadurch, dass Johann mehr als Michael am sozialen Leben teilnimmt. Zwar bleiben, wie auch schon im ersten Band, die anderen Personen, etwas blass, da sich der Erzähler hauptsächlich auf sich konzentriert, aber es werden auch einige in STILLMANNS MÜNZEN auftretende Fragen, wenn auch nicht komplett aus der Welt geschaffen, so doch in Ansätzen einer möglichen Lösung näher gebracht (Es muss ja noch Luft für den dritten Teil geben). 

Das Ende kam dann zwar nicht so überraschend, ist aber trotzdem ein hervorragender Cliffhanger und wird diejenigen, die die ersten beiden Teile gelesen haben, dazu zwingen auch den dritten zu lesen. Sprachlich ist auch dieser Band wieder auf einem recht hohen Niveau, aber diesmal steht die Handlung mehr im Vordergrund. Das tut der Lesbarkeit des Kurz-Romans gut. Trotzdem wirkt es manchmal noch zu sehr konstruiert.

Zum Abschluss liefert Sidjani dann noch eine Kurzgeschichte ab. Wie oben schon erwähnt, erhält Johann Michaels Notizhefte, in denen seine Geschichten über das Sterben enthalten sind, die ihm sein „Begleiter“ (der Tod) diktiert hat. Wer STILLMANNS MÜNZEN gelesen hat, weiß Bescheid. Schon bei den Inhaltsangaben, die Johann über die Geschichten gibt, habe ich mir gedacht, dass diese Geschichten, mich brennend interessieren würden. Und als Schmankerl gibt es dann am Ende eine dieser Stories mit dem Titel „Leiter“. Und siehe da, mein Gefühl hat nicht getrogen. Die Kurzgeschichte ist der Hammer. Ich hoffe, dass Sidjani noch mehr davon auf Lager hat und sie veröffentlicht, ob als Michael Martens Notizhefte oder unter anderem Titel ist dabei relativ egal.

Fazit: Mittelteil einer Trilogie, die die gesponnenen Fäden des ersten Teils geschickt aufnimmt, weiterspinnt und am Ende noch so viele Fäden offen lässt, dass man sich auf den dritten Teil freuen darf, der dann hoffentlich Klarheit bringt oder auch nicht. Es muss ja nicht immer alles erklärt werden

 
 

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