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Der Himmelspfeifer

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Titel: Der Himmelspfeifer
Herausgeberin: Alisha Bionda
Titelbild: Crossvalley Smith
Zeichnungen: Mario Moritz
Buch/Verlagsdaten: Lerato Verlag (2008); 212 Seiten; 9,95 €; ISBN: 978-3-938882-70-2 (TB)

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Hermann Urbanek - Vorwort
Im Vorwort geht Hermann Urbanek, der bekannte österreichische Sammler und Kritiker, auf die Science Fiction im Allgemeinen und die deutschen Zukunftsgeschichten im Besonderen ein. Natürlich kann er nicht auf alles eingehen, dazu ist der Begriff der Zukunft in der Literaturgeschichte viel zu weit gefasst und der Platz in dieser Kurzgeschichtensammlung zu gering. Als kurze Einführung, die ein Vorwort darstellt, ist das aber durchaus ausreichend.
Linda Budinger - "Planet der Riesenfrösche"
Das erste Zusammentreffen mit intelligenten Wesen von einem anderen Stern ist immer eine schwierige Angelegenheit. Die hat der unerfahrene Mensch Mike mit Bravour gelöst. Seine zweite Reise zum Planet der intelligenten Riesenfrösche endet jedoch mit einer Überraschung. Linda Budinger schrieb eine klassische Erst-begegnungsgeschichte mit nicht so klassischem Ende.
Andreas Gruber - "Heimkehr nach Algata"
Bapu Baloo ist ein Fischwesen aus dem Volk der Sgorc, welches die Weltraumfahrt für sich entdeckt. Wie schon andere seines Volkes, wurde er mit einem kleinen Raumschiff ins All geschickt. So ganz wissen wir als Leser nicht, was er da will, aber immerhin findet er Zugang zu Meister Yorrings. Dieser wiederum zeigt ihm, was er mit seinem Geist und den verbundenen Kräften anstellen kann.
Ronald M. Hahn - "Wie Terrorismus entsteht"
Ich weiß nicht, wie oft ich diese Geschichte schon gelesen habe. Die Fairness hätte es jedoch verlangt, zumindest anzugeben, dass es eine Wiederveröffentlichung ist. Zudem passt der Titel überhaupt nicht. Im Deutschunterricht in der Schule würde stehen: "Thema verfehlt, sechs."Dabei ist die zum Teil zynisch überspitzt dargestellte Geschichte, zum ersten Mal gelesen, durchaus amüsant.
Frank W. Haubold - "Der traurige Dichter"
Der Autor, der sich über seinen traurigen Dichter auslässt, gewann diesen Monat den vom SFCD vergebenen Phantastik-Preis in den Sparten Kurzgeschichte UND Roman. Ein Novum in der Geschichte des SFCD. Zudem gibt er beim EDFC Kurzgeschichtensammlungen heraus.
Dominik Irtenkauf - "Achtung, Scheinwerfer!"
Die Geschichte verwirrt doch sehr. Es geht um Scheinwerfer, die immer wieder die Dunkelheit durchstreifen und die Straßenszenen sichtbar machen. Reine Sensationslust lässt den Leser die Geschichte verfolgen, denn jedes Mal, wenn der Scheinwerfer weiterwandert, reißt er Szenen aus der Anonymität ans Licht der Öffentlichkeit. Daher passt es, wenn Dominik Irtenkauf ständig von Statisten spricht.
Jörg Isenberg - "Der Himmelspfeifer"
Auch diese Geschichte gehört in die Abteilung der Ich-finde-ein-Artefakt-Geschichten. Natürlich ist der Einfluss, der von solch einem Ding ausgeht, nicht positiv. Jörg Isenbergs Erzählung ist sehr geradlinig und daher vorhersehbar im Abschluss.
Helmuth W. Mommers - "Zum Abschuss freigegeben"
Überspitzt dargestellt bekommt man nur dann Rente, wenn man andere Rentenempfänger jagt und erschießt. So ist der Jäger in jedem Fall auch gleichzeitig der Gejagte. Unverständlich daher, dass der Großvater seinem Enkel alles beibringt, muss er doch jederzeit damit rechnen, dass ihn sein Enkel um seine Rente betrügen wird, indem er ihn abschießt.
Christian Montillon - "Die Folie"
Schatzsucher leben immer gefährlich - vor allem wenn man in einem alten, abgestürzten Raumschiff von Aliens unterwegs ist. Allerdings ist das nicht ganz logisch: Da macht sich der Ich-Erzähler auf, ein Artefakt oder Ähnliches zu suchen, das Geld bringen könnte, und macht sich Gedanken über Menschen, Mutanten und Monster. Andererseits stirbt auf der ersten Seite sein Freund und Begleiter, ohne dass der Schatzsucher sich darüber weiter Gedanken macht oder gar trauert.
Mario Moritz - "Kiri"
Diese Geschichte ist wundervoll geschrieben und mit einem Handlungsstrang versehen, der den Leser als Wissenden, die Handlungsträger jedoch als unwissende Opfer hinterlässt. Dabei gab es klare Vorschriften, die man nur hätte einhalten müssen.
Niklas Peinecke - "Upload untot"
Die Erzählung ist eine Art überdrehte Cyberpunk-Geschichte, die zwischen Wirklichkeit und Scheinwelt hin und her wechselt. Ein bunter Mix aus verschiedenen Ideen ergibt ein buntes Kaleidoskop einer neuartigen literarischen Welt. Ein wenig schwach im Abschluss, dafür gut erzählt.
Margret Schwekendiek - "Gefühle regieren die Welt"
In ferner Zukunft gibt es ganze Planeten ohne Gefühle. Dafür gibt es eine ganz besondere Priesterschaft, die mit ihrer Kunst zumindest eine Zeit lang Glücksgefühle auslösen kann. Das ist die Zeit auf den Planeten, wo man sich paaren kann und Kinder zeugen. Der Preis: pro Planet eine Person, die zwangsweise zu den Priestern geschickt wird. Diese darf dann nie wieder auf ihren Heimatplaneten.
An diese Aussage hält sich leider nicht einmal die Autorin.
Achim Stößer - "Göthé"
Die klassische Zeitreisegeschichte, wo ein Zeitreisender auf einen bekannten Zeitgenossen - in diesem Fall Goethe - trifft und mit unbedachten Äußerungen die Welt verändert, so dass er in seinen eigentlichen Zeitabschnitt nicht zurück kann, weil der nicht mehr besteht.
Dirk Taeger - "Deus Ex Machina"
Die Geschichte zeigt den Einfluss von Nicht-Menschen auf die biblische Schöpfungsgeschichte.
Fabian Vogt - "Myomorphus"
Die Geschichte ist toll, aber die Zeichnung von Mario Moritz verrät bereits alles. Leider. Dabei ist die Geschichte mit dem Ich-Erzähler durchaus gelungen.
Mikis Wesenbitter - "Das rot-weiße Licht oder Sinkflug über Berlin/Treptow"
Die DDR ersteht zumindest in literarischer Hinsicht wieder auf. Für den kurzen Moment einer ebenso kurzen Erzählung. Die grünen Männchen sind allerdings blau.
Uschi Zietsch - " Der perfekte Friede"
Die Erzählung konnte mich nicht ganz überzeugen. Es gibt schon zu viele ähnliche Erzählungen, die zu Frieden führen, indem man den Mensch an sich beeinflusst.
Alisha Bionda - Die Herausgeberin
Die Herausgeberin stellt sich vor. Auf diese Weise erfährt man etwas mehr über sie und ihre Ambitionen.
Mario Moritz - Der Grafiker
Mario Moritz, der auch mit einer Erzählung vertreten ist, wird hier ausführlich vorgestellt, so dass der Leser etwas mehr über die Person erfährt, die die Zeichnungen herstellte. Mir persönlich gefielen die Computergrafiken sehr gut. Da diese aber in Natura farbig sind, verlieren sie in der Schwarzweiß-Wiedergabe etwas. Aber für einen Preis von 9,95 Euro kann man natürlich keine Farbfotos erwarten. Diese findet man auf seiner Internetseite.

Der Nachteil dieser Kurzgeschichtensammlung ist, dass bei sechzehn Autorinnen und Autoren nur drei Autorinnen vertreten sind. Dies ist ein Ungleichgewicht, das wie so oft zu Ungunsten der weiblichen schreibenden Zunft ausgeht. Bleibt zu hoffen, dass einmal mehr jemand auf die Idee kommt und nur Autorinnen und Zeichnerinnen für eine Kurzgeschichtensammlung versammelt.
Zu jeder Geschichte gibt es ein paar Zeilen zu den Autoren. Alle Autoren erzählen neue Geschichten mit alten Ideen. Es gibt wenig neue Ansätze, aber zumindest neue Enden. Allein dadurch sind diese Geschichten lesenwert. Die Kurzgeschichtensammlung ist als gelungen zu bezeichnen. Die meisten Geschichten überzeugen durch die dahinterstehenden Ideen. Sie sind unterhaltsam, lesenswert und dabei recht solide geschrieben. "Der Himmelspfeifer" ist eine gelungene Kurzgeschichtensammlung mit unterschiedlichen Texten. Ich will dabei nicht unterscheiden zwischen Profis und Amateuren. In mancherlei Hinsicht gefallen mir gerade die sogenannten Laienschriftsteller besser als die hier vertretenen Profis.
Warum allerdings das Buch "Der Himmelspfeifer" "Der Himmelspfeifer" heißt und keinen anderen Titel trägt, bleibt das Geheimnis der Herausgeberin.

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