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Phantast
| Der Herr der Ringe: Die Gefährten |
| Film - Fantasy (F) | |||||
An Tagen, wenn - der Held und sein Wetter - innen, außen und in der Welt Schnee fällt, ein gnädiges Leichentuch über alles vergangene Schicksal, hilft es, vielleicht, ins Kino zu gehen, um sich zu entsinnen, dass es eine Zeit gab, in der ein Titel wie "Die zwei Türme" keine politische Anspielung war, eine Zeit, in der im Frühling nur Blüten und im Herbst nur Blätter regneten und keine Asche. Wintergedanken eines Kritikers, so bitter, wie es des Standes ziemt. Allein, es fragt sich, ob ein professionell depressiver Kritiker, so er denn überhaupt den Weg in Peter Jacksons Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring gefunden hat - bekanntlich steht die Rezensentenzunft seit fünf Jahrzehnten auf Kriegsfuß mit den beim Volk dennoch - oder gerade deswegen? - immens beliebten Büchern John Ronald Reuel Tolkiens, auf denen Jacksons Adaption basiert -, überhaupt lebend aus dem Kinosaal ins Licht des Foyers tritt oder gleich die Abkürzung ins Rotlicht der Vorhölle nimmt: So wehmütig ist der Film bisweilen, so süß werden alte, glorreiche Tage besungen, dass es scheint, als wäre nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Saal alles Leuchten im Dunkel vergangen. Fast genau dreitausend Jahre später kommt der Zauberer Gandalf ins Shire, und der Weight-Watchers-Sauron ist verziehen und vergessen: So idyllisch ist die wunderschöne, sommergrüne Hügelchenlandschaft, so bezaubernd spielt die Musik, so kugelrund, lebens- und sinnenfroh sind die digital völlig unmerklich um einen Meter verkleinerten Hobbits (ein Paradebeispiel und eine der vielen vollkommen ideal besetzten Personen ist Sarah McLeod als rosig-runde Rosie Cotton), und so gut sind Elijah Wood, Ian McKellen und selbst die feuerwerksbegeisterten Hobbitkinder, dass auch dem verbissensten Griesgram das Herz übergeht und Gelächter selbst dann immer noch ertönt, wenn man die Szene, in der Gandalf behauptet, ein Zauberer erscheine immer zur genau richtigen Zeit, schon mehr als einmal gesehen hat. Indes, Frodo muss das Shire verlassen, um den Ring, der zu ihm gekommen ist, in Sicherheit zu bringen, wobei er von drei befreundeten Hobbits in Gestalt der zwar nicht überwältigenden, aber durchaus soliden und bisweilen sogar rührenden Schauspieler Sean Astin (Sam), Billy Boyd (Pippin) und Dominic Monaghan (Merry) begleitet wird. Schien es bisher, als wolle das Herz des Zuschauers platzen wie der Bauch eines überfütterten Hobbits dank so viel Shire-Idylle, bleibt es jetzt angesichts der schwarzen Reiter Saurons schier stehen. Die Nazgûl, vom Dunklen Herrscher korrumpierte und zu Geistern gewordene ehemalige Könige, sorgen nicht nur für die Auferstehung des seit den letzten Westerntagen totgeglaubten spektakulären Pferdestunts, sondern auch mit einfachen Mitteln (Kutten, Schwertern und markerschütternden Schreien) für einige der nachhaltigsten Schockeffekte des modernen Kinos. Mit der Hilfe des Waldläufers Aragorn (Viggo Mortensen kampf- und spielstark) können die Hobbits vor den Reitern fliehen, aber erst Liv Tyler als Arwen Undómiel schafft es, die Nazgûl endgültig aus dem Film zu spülen. Ja, Liv Tyler: Aufruhr erhob sich im Fandom wie Feuer über dem Schicksalsberg, als bekannt wurde, dass die Tochter des Aerosmith-Frontmannes Steven Tyler (das Angelina-Jolie-Paradoxon: Wie astralschön muss die Mutter eigentlich aussehen, um das 'Aussehen' des Vaters wettzumachen?) - die trotz ihrer durchaus vorhandener Schauspielkünste den Fehler begangen hatte, in Michael Bays Meteorpenetrationsopus Armageddon mitzumachen - Arwen spielen sollte, die schönste Unsterbliche seit Lúthiens vergangenen Tagen. Der Aufruhr wurde zur Eruption aus Lava und Hass, als weiter durchsickerte, dass die im Buch kaum vorkommende Elbenschöne im Film eine weitaus tragendere Rolle übernehmen, ja sogar eigenhändig dem Bösen gegenübertreten sollte: Arwen Warrior Princess. Selbst seltene pathetisch-übertriebene oder zuckersüße Momente wie diesen mag man verzeihen, wenn man nicht gänzlich voreingenommen ist; denn die zwischen die Reise der Hobbits nach Rivendell geschnittenen Szenen mit Ian McKellen und Christopher Lee als arrogantem Zauberer Saruman gehören auch in einem erinnerungswürdigen Film wie diesem zu den Perlen: Die rasanten Fahrten über Sarumans Feste Isengard und durch das Innere seines Turmes Orthanc stellen einen weiteren überwältigenden Triumph der beteiligten Modell- und Computerkünstler dar. Aber mehr noch als anderswo droht den Kulissenbauern hier jede Anerkennung versagt zu bleiben: Christopher Lee als hochfahrender Meister des Ordens der Istari (Zauberer) saugt alle Aufmerksamkeit mit hypnotischem Spiel und beeindruckender Stimme so leicht auf sich, als besäße letztere wirklich magische Kräfte, und es fällt nur allzu schwer, sich von dieser magnetischen Präsenz zu lösen, um dem Film weiter zu folgen. Doch es muss natürlich weitergehen, und Elrond (Hugo Weaving - der mit solchen Kleidungsstücken bereits Erfahrung gesammelt hat - in einem bodenlangen Rock) versammelt Vertreter aller Völker der Welt in seinem Haus in Rivendell, um über das weitere Schicksal des Rings zu entscheiden. Die Ringgemeinschaft entsteht, und trotz der Überlänge von knapp drei Stunden vermisst man hier ein wenig eine ausführlichere Einführung des Zwerges Gimli, des Elben Legolas und des Menschen Boromir, allein schon, weil man John Rhys-Davies, Orlando Bloom und Sean Bean, die sich samt und sonders allein, mit- und gegeneinander selbst übertreffen, stundenlang zusehen könnte. Der Ring geht nach Süden, und habe ich bisher nicht die unglaublichen Landschaftsaufnahmen erwähnt, so nicht, weil sie schlecht wären, sondern weil soviel anderes zu loben war: Die wundervollen Naturbilder bringen die entrückte Traumschönheit Neuseelands mit schneebedeckten Gipfeln in unmittelbarer Nachbarschaft europäisch anmutender Mischwälder, kristallklarer Seen und weiter, grüner Prärie so gut zur Geltung, dass man nicht nur wünscht, die Kino- wäre eine Flugkarte, sondern auch allen leblosen Studioaufnahmen für immer entsagen will. Nichts, seufzt die speckige Baskenmütze des halbmainstreamigen Cineasten, ist erholsamer, als Cate Blanchett in einem weißen Nachthemd zu betrachten! Peter Jackson, der Schelm, weiß das natürlich und zieht, wenn schon nicht dem Cineasten, so doch der schauspielerisch wahrlich begabten und tiefgehend attraktiven Cate Blanchett ein weißes Kleid an und läßt sie die wunden Kämpfer und den Zuschauer treulich umsorgen. Wieder wünscht man, wie schon in Isengard, ewig hier bleiben zu können (wobei die Wahl zwischen einem machtbesessenen Istar ohne Nagelschere und einer allweise-spitzohrigen Elbin nicht allzu schwer fällt), aber natürlich muss es zum Ende gehen, und der Anduin führt uns, an den riesigen Statuen des Argonath vorbei, mit einem unheilschwangeren Blick zu Saurons grausamer Festung Barad-dûr, zum letzten, rasant-klirrenden Kampf und ins endlose Warten auf den zweiten Teil. Eine beruhigende Weise Enyas begleitet den euphorisierten Zuschauer aus dem Saal, lässt ihn aber, wie alle, mit der letzten aller Fragen allein: Wie will Peter Jackson dieses berückend gespielte, verschwenderisch genau ausgestattete, atemlos spannende und ehrlich bewegende Meisterwerk noch übertreffen? 4.5 von 5 Sternen
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Hits: 1983 Kommentare (6)
![]() geschrieben von #NV, Februar 08, 2008
Das muss Liebe sein, dachte ich bei der Lektüre dieser Rezension. - Nur:Was müsste ein Film noch bieten, damit ervom Rezensenten 5 von 5 Sternen erhält?
geschrieben von Rusch, Februar 08, 2008
Vielleicht die Tatsache, dass der erste Band der Herr der Ringe Triliogie ein wenig ausschweifen - um nicht zu sagen langatmig ist. Jackson hat zwar gekürzt, aber die Geschichte bracht immer noch eine ganze Weile, bis sie an Fahrt gewinnt.
geschrieben von Anonymous, Februar 08, 2008
Bis zur Endwertung war ich mir als jemand, der die Filme Scheiße fand (und die Roman-Vorlage sogar noch schlechter), nicht sicher, ob das ganze Rezension nicht ironisch gemeint ist. Zitat: "Was müsste ein Film noch bieten, damit er vom Rezensenten 5 von 5 Sternen erhält?"[raps] Antwort: Titten!
geschrieben von #NV, Februar 09, 2008
Also, so übel wie mein Vorredner fand ich die Filme nicht. Vom ersten war ich sogar sehr angetan. Auch die nächsten zwei hatten ihre Momente (und eine klasse Ausstattung), nur kamen mein Bruder und ich bei Film 2 und 3 jedes Mal aus dem Kino, kuckten uns an und einigten uns schnell auf das Urteil: Nichts Neues aus Mittelerde. Ich habe im Übrigen nach Film 1 versucht, noch einmal den HdR zu lesen, mich dann aber doch auf die Höhepunkte beschränkt. Und , Rupert, du hast natürlich mit der Länge von Buch 1 Recht: Dass nach Ralph Bakhshi (schrieb der sich so?) auch Peter Jackson auf Tom Bombadil verzichtete, war sicher kein Fehler.
geschrieben von Rusch, Februar 10, 2008
Sagte nicht Tolkien irgendwann selbst, dass er die Geschichte von Tom Bombadil noch auf Halde hatte und einfach in sein Buch einbaute. Tatsächlich passt die Figur nicht, denn sie ist viel zu mächtig. Hätte nicht Tom das Kräfteverhältnis zu Gunsten der Guten ändern können?
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Irgendwie fi...
a hatte ich natürlich nicht gesucht, sond...


