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Der Dieb der Zeit

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Serie / Zyklus: ~
Titel: Der Dieb der Zeit
Originaltitel: Misspent Youth
Autor: Peter F. Hamilton
Übersetzung: Winfried Czech
Verlag / Buchdaten: Bastei-Lübbe, Taschenbuch, 307 Seiten; GB: 2002; BRD: August 2004

Eine Besprechung / Rezension von Andreas Nordiek

Der englische SF-Autor Peter F. Hamilton ist hierzulande durch seinen umfangreichen AMMAGEDDON-Zyklus bekannt geworden, der sich anscheinend so gut verkaufen lässt, dass in deutschsprachiger Übersetzung nun auch nach und nach davon unabhängige Romane erscheinen.
"Der Dieb der Zeit - Das zweite Leben des Jeff Baker" ist solch ein Roman. Ein Roman, der sogar in keinem Zyklus eingebunden ist und auch nicht über ein offenes Ende verfügt, so dass eine Fortsetzung sehr unwahrscheinlich erscheint.
Die Handlung spielt im Jahre 2040 in Großbritannien. Dank der fortschreitenden technischen und politischen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten ist Europa zu einer politischen Einheit verschmolzen und wird von Brüssel aus regiert. Lebensverlängernde und kosmetische Maßnahme gehören für eine finanzkräftige Oberschicht mittlerweile zum Leben dazu. Die Biotechnik hat es sogar geschafft mit Jeff Baker den ersten Menschen komplett zu verjüngen. Aus einem alten Mann wurde mittels eines hochaufwendigen, überaus teuren und über Monate dauernden Verfahren ein Jüngling, der nun über den Erfahrungsschatz eines hochbegabten Wissenschaftlers und dem Körper eines Zwanzigjährigen verfügt.
Ausgewählt für dieses Projekt wurde Jeff Baker aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen und seines brilianten Verstandes, dem die Welt ein ganz neues, unerschöpfliches Speichermedium zu verdanken hat, welches die Computerwelt über Nacht revolutionierte. Für die politische Elite Europas, der er letztlich diese Verjüngung zu verdanken hat, stellt er ein Vorzeige- und Prestigeobjekt dar, welches schamlos für die eigenen Interessen dieser Machtelite ausgenutzt wird. Natürlich erwartet man von ihm auch eine aktive Mitarbeit auf bestimmten Forschungsgebieten.

Hamilton beleuchtet dieses Szenario aber eher am Rande. Auch die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre stehen nicht im Vordergrund, sondern werden oftmals in einigen Nebensätzen dem Leser präsentiert. Konkreter wird er nur im Hinblick auf die überall existierenden Separatistenbewegungen, die nicht nur mit gewaltfreien Mitteln versuchen die eigene Identität ihres Landes oder ihrer Region zu bewahren. Eine Tendenz, die ja bereits heute in Europa vorhanden ist. Da ein Großteil der englischen Bevölkerung die EU ablehnt, ist es nicht verwunderlich, wenn in Hamiltons Roman diese immer noch vorherrscht.
Hamilton konzentriert seine Handlung auf die familiären Verhältnisse und Auseinandersetzungen, die die Verjüngung Jeff Bakers mit sich bringen. Sein Sohn, der sich gerade im letzten Schuljahr befindet, muss sich genauso mit dem neuen Vater auseinandersetzen wie seine Mutter, die Jahrzehnte jünger und bildschön ist und bis dato eher ihren Geliebten zugetan war. Mit einem Male kehr der Vater/Ehemann als gut aussehender, intelligenter Jüngling zurück, der körperlich "voll im Saft" steht.
Warum sich Peter F. Hamilton ausgerechnet in weiten Teilen seines Romans auf das ausufernde Sexualleben Jeff Bakers konzentriert und dies in aller Ausführlichkeit beschreibt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Um die persönlichen und familiären Komplikationen einer totalen Verjüngung interessant in Szene zu setzen, ist dies nicht notwendig, sondern vielmehr störend. Diese Passagen hätte man einfach rigoros zusammenstreichen können, ohne die Intention des Romans dadurch zu gefährden. Zudem hätte sich so der Autor wesentlich stärker auf seine sonstigen Aussagen konzentrieren können, die teilweise nur bruchstückhaft ausgearbeitet sind. Ein etwas stimmigerer und ausformulierter Handlungshintergrund hätte den Roman aufgewertet.
Vom Stil her liest sich der Roman sehr flüssig und ohne Probleme. Hamilton fordert seine Leser kaum durch exakte wissenschaftliche Schilderungen oder die Beschreibung komplexer gesellschaftlicher Zusammenhänge heraus. Alles bleibt an der Oberfläche und entspricht so dem Niveau eines reinen Unterhaltungsromans.
Mehr darf man als Leser auch nicht erwarten und somit kann man "Der Dieb der Zeit" auch nicht als überdurchschnittlichen Roman bezeichnen. Leichte Lesekost in Taschenbuchformat trifft es eher.

 

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