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Reihe: Legenden von Harkuna, Band 2 Eine Rezension von Martin Wagner |
Soloabenteuer sind eine gute Möglichkeit sich die Zeit zwischen den Rollenspielabenden zu vertreiben. Besonders geeignet sind dabei natürlich vorrangig Soloabenteuer, die zum System passen und die den Charakter, der am Wochenende wieder in einer Gruppe unterwegs ist, mit ein wenig zusätzliche Abenteuerpunkte versorgen.
Sind für das gespielte System keine Soloabenteuer vorhanden, dann wird man früher oder später auf die Soloabenteuer beziehungsweise Spielbücher des Mantikore Verlags stoßen. Die bekannteste Reihe ist dabei die Reihe um den Einsamen Wolf, bei der jedes Buch ein Abenteuer ist. Ganz anders ist das bei der neuen Reihe Legenden von Harkuna. In dieser Reihe gibt es nicht ein Abenteuer als solches, man durchwandert vielmehr eine ganze Welt, in diesem Fall Harkuna, und erlebt dabei die unterschiedlichsten Abenteuer. Der zweite Band der Reihe „Das Reich des Goldes“ entführt den Charakter in das Handelskönigreich Golnir, das jede Menge Intrigen und Abenteuer am Wegesrand zu bieten hat.
Bevor man aber in das Abenteuer einsteigen kann, wird man von einer Karte der Welt, einer Karte Golnirs, dem Aktionsblatt, was der Charakterbogen ist, und den Regeln begrüßt. Die Karten und der Charakterbogen sind gelungen, die Regeln denkbar einfach und dank einiger vorgefertigter Charaktere kann man schnell zum Abenteueranfang gehen.
Kurz noch etwas zu den Regeln: Es gibt sechs Fähigkeiten, deren Startwert vom Beruf vorgegeben werden - als Beruf kann man typische Berufe aus Fantasiewelten wählen, Priester, Magier, Krieger, Barde, Schurke und Wanderer. Die Fähigkeiten haben Werte zwischen 1 und 6 und diese Werte addiert zu zwei sechsseitigen Würfeln und im Vergleich zu einer Schwierigkeit entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, um Golnir unsicher machen zu können.
Geschickt verborgen unter den vorgefertigten Charakteren finden sich auch die Charakterbögen der beiden Autoren mit einigen Hinweisen zum Hintergrund und deren Persönlichkeit. Netter Gimmick.
Das Abenteuer selbst beginnt mit einem Schiffbruch und der nicht unbedingt so tollen Anlandung an der Küste Golnirs. Von da an durchwandert man die endlose Ebene und den Wald der Verlassenen, macht Halt in den Städten Wunschhafen und Ringhorn und sucht überall nach dem Gold, das angeblich auf der Straße liegen soll. Dass es nicht so einfach ist in Golnir reich zu werden, zeigt sich schon direkt am Anfang, denn um das erste Gold zu verdienen, muss man nicht nur hart im Nehmen sein sondern auch noch die richtigen Örtlichkeiten aufsuchen und die richtigen Gerüchte hören. Die Kämpfe sind hart und schnell kann es dazu kommen, dass man sich einen neuen Charakter basteln muss. Golnir und seine Bewohner sind im Abenteuer gut beschrieben und, auch wenn es manchmal etwas länger dauert alles über eine Stadt oder einen Hintergrund zu erfahren, man merkt, dass sich die Autoren wirklich viele Gedanken gemacht und auch einige innovative Dingen in die Welt eingebunden haben. Das Durchwandern Golnirs wird deswegen nicht so schnell langweilig. Man kann einigen Stunden damit Spaß haben und muss auch nicht all zu oft zu den Würfeln greifen. Wer Golnir irgendwann durchwandert hat, der wird sofort nach dem nächsten Band der Reihe verlangen, wo es neues zu entdecken gibt.
Handwerklich ein wirklich gelungenes Buch, bei dem die Autoren und der Übersetzer zeigen, was sie können. Fehler gibt es kaum und wenn, dann sind sie nicht störend. Die Karten und die Illustrationen sind wirklich gut und letztere fördern die Stimmung beim Spielen. Das Spielen selbst ist nicht zu vergleichen mit anderen Soloabenteuern, denn der Fokus liegt hier nicht auf dem Abenteuer sondern auf dem Entdecken der Welt. Ein ganz anderer Blickwinkel und für jemanden, der lieber in Dungeons von einer Nummer zur nächsten blättert und nicht in einer Stadt den Markt aufsuchen will, vielleicht nicht unbedingt etwas. Mir hat das Spielen aber sehr viel Spaß gemacht, gerade weil es mal etwas anderes war. Ich hoffe nur, dass die nächsten Bände der Reihe ebenso interessant und innovativ sind, und sich Dingen aus diesem Band einfach wiederholen.
Fazit: „Das Reich des Goldes“ als zweiter Band der Legenden von Harkuna-Reihe führt Spieler und Charakter nach Golnir, wo das Gold auf der Straße liegen soll. Ganz so einfach ist es natürlich nicht und es müssen viele kleine Abenteuer und jede Menge Kilometer Wegstrecke gemeistert werden, will man reich werden. Ganz anders als ein normales Soloabenteuer, aber deswegen nicht schlechter. Einfach mal reinschnuppern und dem Charme Harkunas erliegen.
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