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Das große Spiel (Ender-Zyklus 1/4)

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Serie / Zyklus: Ender-Zyklus, Band 1
Titel: Das Große Spiel
Originaltitel: Ender's Game
Autor: Orson Scott Card
Übersetzung: ~
Verlag / Buchdaten: Bastei Verlag

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Das Kind Ender Wiggins stellt sich schon recht früh als überdurchschnittlich begabt heraus: Obwohl er erst 8 Jahre alt ist, verfügt er bereits über den Intellekt eines erwachsenen Mannes. Dies macht ihn natürlich in der Schule zum Außenseiter und schon bald kommt es zu einer gefährlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und einigen Schulkameraden. Als er von einem viel stärkeren Jungen verprügelt werden soll, setzt Ender alles daran, diesen mit allen Mitteln außer Gefecht zu setzen. Durch seine Intelligenz gelingt es ihm, siegreich hervorzugehen, doch sagt ihm seine Intelligenz auch, dass, wenn er vor Racheakten sicher sein will, er einen überzeugenden Sieg hinlegen muss, und so begnügt er sich nicht damit, als Sieger hervorzugehen, sondern tritt seinen Widersacher so lange, bis dieser sich nicht mehr rührt. Diese Szene wird nun von Beobachtern des Militärs verfolgt, die bereits auf Ender aufmerksam geworden sind. Enders rationale Denkweise macht ihn scheinbar zum idealen Soldaten, und da er noch sehr jung ist, kann er noch geformt werden. Und so kommt es, dass Ender auf die Militärakademie berufen wird. Es zeigt sich bald, dass Ender kein Einzelfall ist, denn seine ganze Rekruteneinheit besteht aus Kindern.

Nach und nach erkennt der Leser den Grund des Verhaltens: Die Erde sieht sich von einem fremden Volk bedroht und die Regierungen unternehmen alles, um die Menschheit vor der Vernichtung zu bewahren. Mehrere Jahrzehnte zuvor wäre es der fremden Rasse, den "Krabblern", wie sie geringschätzig genannt wird, fast schon gelungen, die Menschen auszurotten. Nur dem strategischen Genie eines Mannes war es zu verdanken, dass die Invasion gestoppt werden konnte. Aus diesem Grund werden stets begabte Generäle gesucht. Doch die Ziele der Regierungsoberhäupter gehen weiter und man will versuchen, die Krabbler auszulöschen, bevor sie sich zu einem erneuten Angriff formieren. Doch dafür braucht man eine ganz neue Generation von Kämpfern, die in ihrem ganzen Leben nichts anderes waren als Soldaten, und somit erklärt sich auch, warum Ender und die anderen Kinder ausgewählt wurden.

Wer jetzt glaubt, dass die Schulungseinheiten auf das Alter der Kinder Rücksicht nehmen würden, der irrt. Die Akademie gleicht jeder Schulungskaserne, wie sie heute zu finden ist. Und auch das Verhalten der Einheitsführer geht in die gleiche Richtung. Es geht überaus militärisch zu und hier sehe ich wohl einen der wenigen Kritikpunkte an diesem Buch, denn wer Kinder in diesem Maße behandelt, produziert bestenfalls seelische Wracks. lm Buch jedoch fügen sich die Jungen grundsätzlich recht gut in die Hierarchie ein. Auch das Argument, dass die Jungen alle so sein könnten wie Ender, zieht nicht, denn dieser leidet zum einen auch sehr stark und stellt eine große Ausnahme dar, denn keiner der anderen Jungen kann sich mit seinem Intellekt messen.

Und so ist Ender auch unter den Rekruten recht schnell ein Außenseiter. Mehr noch: Seine Vorgesetzten drängen ihn voll in diese Rolle, denn sie setzen hohe Erwartungen in ihn und wollen, daß er im Ernstfall nicht versagt. Und tatsächlich wird Ender den Erwartungen gerecht. Voller Berechnung schafft er Freundschaften zu bestimmten Kindern und macht Widersacher und Konkurrenten gezielt lächerlich. Am Ende, als er sich endlich einen Stand in seiner Einheit verschafft hat, wird er viel zu früh in die nächste Einheit versetzt. Allein seines Alters wegen ist er bereits ein Außenseiter und mit seinen neun Jahren jedem der anderen 12- bis 13-jährigen körperlich unterlegen. Darüber hinaus stellt die Einheit ein Team aus 50 Kindern dar, die sich mit anderen im Wettkampf messen. Der Anführer ist deshalb besonders schlecht auf Ender zu sprechen, denn es musste ein guter Kämpfer gehen und der scheinbar viel zu junge Ender rückte nach. Ender erkennt recht bald, was die Pläne seiner Vorgesetzten sind, und beginnt zu agieren - nicht immer so, wie es seine Vorgesetzten wollen.

Es ist schwer zu sagen, was den Reiz des Buches im Detail ausmacht. Zum einen schreibt Card sehr gut. Stil, Spannungsbogen und der Verlauf des Romanes zeugen von handwerklichem Können. Es ist faszinierend von Ender, aber auch von seinen Geschwistern zu lesen, deren IQ ebenso wie bei Ender unglaublich hoch ist. Im Verlauf des Buches ist die Beschreibung von Enders Ausbildung wohl der packendste Teil des Werks. Der Leser durchlebt diese Phase fast mit Ender. Und dennoch will man die Verantwortlichen nicht verdammen, denn sie versuchen verzweifelt eine Waffe gegen einen übermächtigen Feind zu finden, der mit herkömmlichen Mitteln nicht zu stoppen ist.

Orson Scott Card, der anfangs nie die geebneten Wege der SF beschritt und stets bemüht war, etwas Neues zu schaffen, gelang mit diesem Buch der große Wurf. Tatsächlich habe ich seit langem keine Bücher mehr so verschlungen wie die Ender-Romane. Die spannende Erzählung, kurzweilig geschrieben und sich nie wiederholend, lässt sich ohne Weiteres in einem Zug verschlingen. Es kam nicht oft vor, dass sowohl der erste als auch der zweite Band eines Zyklus mit dem Hugo ausgezeichnet wurde. Orson Scott Card gelang dies mit dem Ender-Zyklus und wurde zwei Jahre hintereinander mit dem wohl begehrtesten Preis der SF ausgezeichnet.

Es gäbe noch viel zu diesem Buch zu sagen. Viele Dinge, die den eigentlichen Reiz dieses Buches ausmachen, musste ich bewusst weglassen, da sonst zu viel von der Geschichte vorweggenommen worden wäre. Ich will zum Lesen anregen, nicht dem Leser dieser Rezension das Lesen ersparen.

Eine Übersicht des Zyklus gibt es auf der Autorenseite.
[auf fictionfantasy.de rezensierte Bücher sind mit Link unterlegt und fett gekennzeichnet.]

Das große Spiel - Rezensionsübersicht

 

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