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Das geschenkte Leben

Bewertung: 5 / 5

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Serie/Zyklus: ~
Titel: Das geschenkte Leben
Originaltitel: I will Fear no Evil (1970)
Autor: Robert A. Heinlein
Übersetzer: Walter Brumm (gekürzt)
Verlag/Buchdaten: Heyne Verlag SF 3358 (1982), ISBN 3-453-30861-1

Eine Besprechung / Rezension von Rupert Schwarz
(weitere Rezensionen von Rupert Schwarz auf fictionfantasy findet man hier)

Der Milliardär Johann Sebastian Bach Smith liegt im Sterben und nach einem sehr langen Leben könnte er sich beruhigt dem Tode stellen. Doch Smiths Geist ist noch sehr wach, und so verfällt er auf die Idee, sein Gehirn in einen neuen Körper verpflanzen zu lassen. Er lobt eine Prämie von einer Million Dollar aus, damit die Hinterbliebenen eines Toten einwilligen, ihm den Körper zu überlassen. Obwohl Smith eine sehr seltene Blutgruppe hat, findet sich ein Körper: Seine bildhübsche Sekretärin Eunice Branca wurde ermordet und ihr Wille war es, ihrem Chef den Körper zu hinterlassen. So erwarten Smith zwei Überraschungen, als er aufwacht: zum einen, dass er durch die Prozedur das Geschlecht gewechselt hat, und zum anderen die Tatsache, dass das Bewusstsein von Eunice Brance nach wie vor im Körper weilt und sie ihm nun in Liebe zur Seite steht.

Das Buch ist ein Zeitzeugnis der Entstehungszeit: Es geht darin viel um Freizügigkeit, Emanzipation und Sexualität. Besonders Letzteres wird in vielerlei Formen beschrieben und das Liebesleben des erneut jungen Milliardärs in seinem bildhübschen Frauenkörper würde heute Puristen die Schamesröte ins Gesicht treiben, und im gewissen Sinne ist das Buch auf seine Art genauso provokativ wie "Fremder in einer fremden Welt". Heinlein stellt seinen Protagonisten gegen alle Konventionen und wieder spricht aus der Hauptfigur jener - von Heinlein so gerne proklamierte - Liberalismus.
Der Roman beginnt recht spannend und fesselt von Beginn an. Die Operation, das Wiedererwachen sowie das Entdecken des Körpers stellen eine ganz besondere Leseerfahrung dar. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Roman sehr interessant, innovativ und mitreißend. Dann jedoch verliert der Roman an Fahrt. Die Geschichte findet keinen rechten Höhepunkt mehr und plätschert so dahin. Hier hätte sich Robert A. Heinlein entweder mehr Gedanken machen sollen oder den Roman um die Hälfte kürzen müssen. Doch wer schreibt schon einem Bestseller-Autor vor, was er zu schreiben hat - vor allem, wenn sich seine Bücher so oder so verkaufen? Fakt aber ist, dass die zweite Hälfte viel, viel zu langatmig geraten ist und dass man in diesem Fall dem deutschen Leser die alte Heinlein-Ausgabe des Heyne Verlags ans Herz legen muss, weil diese um ungefähr 40% gekürzt wurde. Außerdem gefällt mir das deutsche Cover ausgesprochen gut.

Insgesamt also ein eher misslungener Roman. Ähnlich wie in seinen Spätwerken findet der Autor einfach kein Maß mehr und er verfällt zu gerne in seitenlange Mono- oder Dialoge. Das mag hier und da durchaus ansprechend sein, aber wenn die Protagonisten nur noch reflektieren, dann wird es mühsam. Schade, denn die Grundidee und der Beginn waren durchaus gelungen. 6 von 10 Punkten

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