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Das Amulett von Samarkand (Bartimäus Band 1)

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Serie/Zyklus: Bartimäus 1. Band
Titel: Das Amulett von Samarkand
Originaltitel: The Bartimaeus Trilogy - The Amulet of Samarkand (2003)
Autor: Jonathan Stroud
Übersetzung: Katharina Orgaß & Gerald Jung
Titelbild: David Wyatt
Buch/Verlagsdaten: Bertelsmann Jugendbuch Verlag 540 Seiten

 

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Die Regierung der britischen Inseln wird von Zauberern gebildet. Darin sieht man bereits, das es bevorzugte Menschen gibt, und solche, die aussen vor sind. Mit der Macht der Zauberer und Zauberkundigen besteht ein Zweiklassensystem. Zauberer und Nichtzauberer. Jede Familie der Nichtzauberer muss ein Kind an die Zauberer abgeben, damit entsprechender Lehrlingsbedarf gedeckt werden kann. Den Zauberern selbst ist es verboten, Kinder zu bekommen. Daher erhalten die Zaubererfamilien Kinder im Alter von etwa fünf Jahren, als Lehrlinge zur Ausbildung. Nichtzauberer erhalten eine Menge Geld dafür, Zauberer die Verantwortung.
Arthur Underwood ist ein kleiner Beamter der britischen Regierung, die sich gerade mit der Tschecheslowakai im Krieg befindet. Gerade will man verhindern, dass die Tschechen Italien besetzen. In dieser wichtigen Zeit erhält Arthur Underwood einen Lehrling zugeteilt. Das passt dem kleinen spiessigen Beamten eigentlich nicht und so überlässt er Nathanael der Obhut seiner Frau. Während sein Meister ein strenger und wortkarger Mann ist, bietet ihm die fürsorgliche Ehefrau des Magiers Liebe und Geborgenheit.
Eigentlich werden die Kinder namenlos entgegen genommen, damit ihnen später mit ihrem richtigen Namen kein Missgeschick passiert. Später wird Nathanael von Arthur Underwood John genannt werden. Weil sich der Junge aber mit Frau Underwood sehr gut versteht, darf sie ihn weiterhin Nathanael nennen. Arthur Underwood hat sich in der Beamtenrangordnung mehr durch Kriechen denn durch Können etwas hinaufgearbeitet, bleibt jedoch weiterhin nur ein niederer Beamter. Erst gar nicht, dann immer mehr unterrichtet Arthur seinen Lehrling in Sachen Magie, ohne überhaupt zu bemerken oder in Betracht zu ziehen, dass dieser in kürzerer Zeit mehr kann als er.
Der junge Lehrling lässt den alten Mann in Unwissenheit und verbirgt seine Stärke. Heimlich studiert Nathanael die Bücher, die ihm eigentlich verboten sind. Alle Versuche des Meisters hingegen, ihn mit Angst und Drohungen einzuschüchtern und gefügig zu machen scheitern kläglich am starken Willen seines Lehrlings. Nathanael wird spätestens dann die Position seines Ziehvaters und Lehrmeisters klar, als Simon Lovelace erscheint. In der Hackordnung der Magier steht er besonders hoch und sein Charakter ist daher auch besonders fies. Er macht sich über den kleinen Lehrling lustig. Nathanael ist tief enttäuscht, weil ihn jemand so demütigt und weil sein Ziehvater nur dumm guckend daneben steht. Verärgert beschwört er einige kleine, nervige Dämonen, mit denen Simon Lovelace sehr bald fertig wird. Und mit dem Zauberlehrling ebenso. In Nathanael wird Hass geschürt. Diesen Zugrunde gelegt, will er sich an Simon wie auch an Arthur rächen. So beschwört der zwölfjährige Dreikäsehoch den Dschinn Bartimäus. Bartimäus ist nicht unbedingt der stärkste Geist, doch er ist intelligent, gewitzt und gezwungenermassen willfährig.
Bartimäus, vorlaut und sehr von sich eingenommen, ist überhaupt nicht entzückt, als er merkt, von einem pubertären Lehrling in Acht und Bann gezwungen zu sein. Seit mehr als 5.000 Jahren bestimmt der Dschinn die Geschicke der Menschen mit, doch so etwas ist ihm noch nicht geschehen. Es gibt hunderte verschiedenster Dämonen; von kleinen nervigen Kobolden bis hin zu den mächtigen Afriten gibt es zahlreiche Abarten mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Bartimäus, ein Dämon der 14ten Kategorie, ist daher ein Dschinn mit Format. Er, der mit König Salomon sprach, die Mauern von Uruk wieder aufbaute, soll einem Kind dienen? Es bleibt ihm nichts anderes übrig.
Der Dschinn führt den Befehl des Jungen aus und bricht in das Haus von Simon Lovelace ein. Mit viel Mühe entkommt er den dort eingestzten Wachgeistern, nur um von ein paar hergelaufenen Gören in die Mangel genommen zu werden. Mit dem gestohlenen Amulett von Samarkand, gelingt es Bartimäus wieder zurück zu Nathanael zu gelangen. Der wiederum das Amulett bei seinem Meister versteckt, um ihn in Misskredit zu bringen. Bartimäus erfährt rein zufällig den echten Namen des Zauberlehrlings und erlangt so Macht über ihn. Der angehende Magier legt jedoch einen Bann über Bartimäus, so dass beide voneinander abhängig sind.
Bartimäus begibt sich mit diesem Diebstahl in grosse Gefahr, denn das Diebesgut war bereits vorher Diebesgut. Minister Simon Lovelace hatte sich das Amulett ebenfalls unrechtmässig angeeignet und schreckt selbst vor Mord nicht zurück, um das Amulett wieder in seinen Besitz zu bringen. Mit diesem Amulett hegt er finstere Pläne der übelsten Art.
Die Zauberer sind die Regierung und häufen so weit möglich, immer mehr Macht an. Sie unterdrücken die Normalsterblichen, nichtmagischen Menschen. Daher formierte sich inzwischen ein Widerstand, der mit Attentaten auf sich und seine Ziele aufmerksam macht. Daher fällt es Lovelace leicht, seinen Angriff auf Nathanael diesem Widerstand in die Schuhe zu schieben. Neben Simon Lovelace sind weitere Minister in dieses Komplott verwickelt. Mit der Verärgerung dieser mächtigen Zauberer geht ein Besuch im Tower von London für Bartimäus einher. Und das nicht als Besucher, sondern unter einer immer kleiner werdenden Büsserglocke. Auch Nathanael hat seine Probleme. Sein Ziehvater bemerkt die ausserplanmässigen Beschwörungen und der Plan, ihm mit dem Amulett von Samarkand eins auszuwischen geht ziemlich in die Hose. Aus der kleinen Rache eines Zauberlehrlings wird bald der Kampf grosser Zauberer, da Simon Lovelace Nathanael unterschätzt hat. Simon Lovelace hat umstürzlerische Pläne und da stört der Junge nur.
Während Nathanael nur knapp dem Anschlag des Ministers entkommt, verbrennen seine Zieheltern im Haus, das ihm bisher als Heim diente. An dieser Stelle verlassen wir die Beschreibung der vielschichtigen Handlung, sonst will niemand das Buch lesen. Das Nichtlesen des Buches Bartimäus ist jedoch ein grosser Verlust.

Mit erscheinen dieses Buches werden viele der sogenannten Kritiker die Nähe zu Harry Potter oder Artemis Fowl suchen und vergleichen. Was nicht der richtige Weg ist. Ich habe Harry Potter nie gelesen und aus meiner Sicht der Dinge sind beide nur in einem gleich, dem Zauberlehrling. Und doch kommt niemand auf die Idee, die Zauberlehrlinge mit dem des berühmten Goethe zu vergleichen. Meine Nähe finde ich eher bei Robert Asprin. Als Ende der 70er Jahre sein Dämon Aahz und Zauberlehrling Skeeve aufeinandertreffen wurden sie in dieser Zeit ähnlich beliebt. Fiese Zauberer in London und Umgebung reicht als kleinster gemeinsamer Nenner nicht aus.
Üblicherweise verzichte ich auf vergleichende Buchbesprechungen. Das Buch von Jonathan Stroud ist, ohne es über den grünen Klee loben zu wollen, überaus vergnüglich. Es beginnt erfrischend witzig und spritzig, indem der beschworene Dämon mit seinem Bericht beginnt. Es hat den Eindruck, Bartimäus führt so etwas wie ein Tagebuch, gespickt mit anzüglichen Fussnoten.
Bartimäus ist ein eigenständiges Buch das sehr gut beschreibt und damit die Leserschaft schnell in seinen Bann zieht. Man könnte fast meinen, auf dem Buch liege ebenfalls ein Zauber. Sehr gut gefällt mir, wenn Jonathan Stroud den Dämon dazu benutzt, um ein wenig Gesellschaftskritik zu üben. Aus der Sicht von Bartimäus gibt es einiges, was bei den Menschen im Argen liegt und Nachdenkenswert ist. Während sich der Dämon für die magisch unbegabten Menschen einsetzt, steht Nathanael für die Diktatur der Zauberer ein. Aus der Sicht des Lehrlings kann eigentlich nichts anderes kommen, wurde er doch von seinem fünften Lebensjahr an mit diesem Gedankengut erzogen.
Jonathan Stroud erzählt den Roman abwechselnd aus der Ich-Sicht des Dämons und in der dritten Person aus der Sicht des Zauberlehrlings. Da der Dämon auf sieben Ebenen gleichzeitig wirken kann, sind seine Erzählpassagen mit jeder Menge unterhaltsamer Fussnoten versehen, da er auch auf mehreren Ebenen denken kann.
Bartimäus ist keine schwere Kost, Bartimäus ist freundliche Unterhaltungslektüre, mit Hunger nach mehr. Jonathan Stroud öffnet einen Blick in eine andere Welt und eine unglaubliche Trickkiste mit fantastischen Überraschungen. Sein Einfallsreichtum an Gags scheint unergründlich. Mit dem vorliegenden ersten Band der Trilogie hält der Leser und die Leserin eine Geschichte in der Hand, die atmosphärisch dicht geschrieben ist. Innerhalb der ersten fünf Seiten ist man sogleich dem Dämon verfallen und liest vergnüglich die humorvolle Erzählung.

Themenbereich "Phantastik für Kinder und Jugendliche"
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