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Bibliotheca Mystica, Band 1

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Titel: Bibliotheca Mystica, Band 1
Autor & Zeichnungen: Chaco Abeno
Altersempfehlung: ab 16 Jahre
Buch/Verlagsdaten: Egmont Manga & Anime, April 2012, 192 Seiten mit Farbseiten, kartoniert, ISBN: 978-3-7704-7740-1
Originalverlag: Kadokawa

Eine Rezension von Judith Gor
(weitere Rezensionen von Judith Gor hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Seite http://www.literatopia.de)


Rezension

Nach dem großen Erfolg von „Chrome Breaker“ haben Fans sehsüchtig auf eine neue Reihe von Chaco Abeno gewartet. „Bibliotheca Mystica“ überrascht dabei mit einem ganz neuen Setting und Charakteren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Dennoch bekommen Fans die gewohnte düstere Atmosphäre in Kombination mit dem geliebten Zeichenstil geboten, der bereits auf den ersten Seiten erahnen lässt, dass sich das Warten gelohnt hat. Die Geschichte spielt im historischen London, möglicherweise nach dem ersten Weltkrieg, und beginnt mit einem der mysteriösen Aufträge, die Huey und Dalian zusammen erledigen. Nach kurzen Einblicken in die Arbeitsweise des ungleichen Duos widmet sich das erste Kapitel dem Buch des Seelentausches: ein fanatischer Fan tötet einen Schriftsteller und lässt ihn wieder auferstehen, um sein letztes Buch immer wieder neu zu überarbeiten. Zufälligerweise mag Dalian das Werk dieses Schriftstellers sehr und als Huey einen Brief dessen an seinen Großvater findet, brechen die beiden auf, um den merkwürdigen Gerüchten nachzugehen …

Wo in „Chrome Breaker“ eher die christliche Mythologie im Vordergrund stand, spielt in „Biobliotheca Mystica“ schwarze Magie eine zentrale Rolle. Dalian scheint selbst magisch begabt und kein Mensch zu sein, allerdings erfährt man über das mysteriöse Mädchen im ersten Band recht wenig. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine Puppe, düster und in sich gekehrt. Doch sie kann ganz schön laut werden und sich gänzlich undamenhaft benehmen. Mit ihrem überschäumenden Temperament ist sie ein herrlicher Kontrast zum gelassenen Huey, der oftmals ein Schmunzeln auf den Lippen hat. Auch gefährliche Situationen nimmt er mit Humor und insgesamt wirkt er wie ein charmanter Draufgänger. Auch über seine Herkunft erfährt man relativ wenig – es wird nur erwähnt, dass er im Krieg war. Aufgrund des Settings lässt sich spekulieren, dass es sich um den ersten Weltkrieg handeln könnte. Während Huey vor allem an Dantalians mystischem Bücherarchiv interessiert ist, sammelt Dalian Bücher aller Art und kauft auch spontan einen ganzen Buchladen leer. Ihre unbändige Liebe zu guten Geschichten können Bücherfreunde natürlich gut nachvollziehen und so wird Dalian schnell sympathisch. Nichtsdestotrotz bleibt ihr die mystische Aura erhalten.

Die Handlung präsentiert sich bereits im ersten Band relativ verschachtelt. Zuerst werden kurze Szenen aus dem Arbeitsalltag von Huey und Dalian gezeigt, die viele Fragen aufwerfen. Dann wird der Fall des Schriftstellers ausführlich behandelt und erst danach wird erzählt, wie Huey und Dalian sich kennengelernt haben, wobei der Manga mit einem Cliffhanger innerhalb dieser Vorgeschichte endet. Alles in allem kann man der Geschichte dennoch gut folgen – spannend ist sie allemal und sicherlich nichts für schwache Nerven. „Bibliotheca Mystica“ kombiniert ein gewisses Sherlock Holmes-Feeling mit schwarzer Magie und typischen Mangaelementen, die vor allem in punkto Humor durchschlagen. Die variierten Gesichtsausdrücke von Dalian sind unglaublich amüsant und lassen den Leser so manches Mal ratlos zurück – wie kann ein so düsteres, unwirklich erscheinendes Mädchen nur so leidenschaftlich fluchen?

Im Vergleich zu „Chrome Breaker“ ist „Bibiliotheca Mystica“ zumindest zu Beginn weniger actionlastig, dafür aber in den Horrorelementen brutaler. Der Manga ist daher unbedingt erst ab 16 Jahren zu empfehlen, da es doch ein paar sehr hässliche Szenen gibt. Rein zeichnerisch sind diese visuell absolut ansprechend und wer den Stil von Chaco Abeno lieben gelernt hat, wird an „Bibliotheca Mystica“ seine wahre Freude haben. Insbesondere was Mimik und Gestik betrifft überzeugt der Manga auf ganzer Linie, wobei die Zeichnungen an sich entsprechend düster und manchmal, vor allem bei Dalian, sehr süß sind. Sicherlich gibt es viele Zeichner mit einer feineren Strichführung und mehr Details, doch Chaco Abeno hat einen Stil mit Wiedererkennungswert, der hervorragend zur Atmosphäre des Mangas passt. An „Bibliotheca Mystica“ arbeiteten zudem Gakuto Mikumo und Gyusuke als Autor beziehungsweise Charakterdesigner mit, was man vor allem an etwas ruhigeren Grundton der Geschichte merkt. Ruhiger bedeutet hier jedoch keinesfalls langweiliger – eher unheimlicher und düsterer.

Fazit

„Bibliotheca Mystica“ beginnt dem Titel entsprechend mysteriös und unheimlich. Ganz im Stil des subtilen Horrors erzählen Chaco Abeno und Gakuto Mikumo die Geschichte des draufgängerischen Huey und der puppenhaften Dalian, die gemeinsam nach verbotenen, magischen Büchern suchen. Dabei birgt jedes dieser Bücher ein dunkles Geheimnis und ein ganz persönliches Schicksal. Ein spannender Auftaktband, der auf eine großartige Reihe hoffen lässt!

 

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