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Advocatus Diaboli

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Bionda AdvocatusDiaboli

Titel: Advocatus Diaboli
Herausgeber: Alisha Bionda
Titelbild & Innengrafiken: Andreá Martyna
Buch/Verlagsdaten: Edition Roter Drache (2010); 334 Seiten; Hardcover; 20,00 €; ISBN: 978-3-939459-22-4

Eine Besprechung / Rezension von Thomas Backus
( weitere Rezensionen von Thomas Backus auf fictionfantasy findet man hier – besucht auch seinen Blog: Absurdes & Phantastisches )

 

 

 

Alisha Bionda erklärt im Vorwort, dass sie  folgende Anforderung an die Autoren stellte: Einen Dialog eines Verstorbenen mit dem Teufel, wobei er durch eine Schilderung seiner Schandtaten Einlass in die Hölle erbittet.
Die Autoren haben dann innerhalb dieser Vorgaben zum Teil recht unterschiedliche Geschichten ersonnen, die dem Teufel hauptsächlich durch Hinterhältigkeit schmeicheln – im besten Sinne!

Herr Sander von David Grashoff

Ein ehrgeiziger Teufel begibt sich auf die Erde, um im Auftrag Luzifers einen neuen Anwärter für die Höllenhierarchie anzuwerben.
Er glaubt schon, an die falsche Tür geklopft zu haben, denn dieser Mensch ist bis ins kleinste Detail spießig, aber dann erzählt dieser ihm, wie er sich für die Karriere in Luzifers Dienste qualifiziert hat, und weiterhin zu qualifizieren gedenkt.

Herrlich böse!


Die Bewerbung von Thomas Plischke

Der Arbeitsmarkt verlangt einem Bewerber sehr viel ab, aber dieser hier hat seine Hausaufgaben gemacht. Er bewirbt sich im richtigen (höllischen) Unternehmen und weiß sowohl durch seine Bewerbungsunterlagen, als auch im Bewerbungsgespräch zu überzeugen – aber dann kommt alles anders!

Eine tolle Geschichte, die sehr viel Wert auf Details legt. Dazu kommt eine wirklich tolle Pointe, die ich so nicht erwartet habe (und auch nicht verrate). Die beste Geschichte des Buches!


Die Beichte von Nicolaus Equiamicus

Ein Pfarrer hofft noch auf dem Sterbebett, dass er dem Engel des Herrn entkommen werde. Schließlich hat er sein leben dem Teufel geweiht. In seiner Lebensbeichte berichtet er von den sexuellen Übergriffen im Kloster, und wie ihm diese gefallen haben. Wie er sich in der Verderbtheit ausgezeichnet hat, und so an die Spitze der Teufelsanbeter gebuhlt hat...

Für mich nicht halb so schockierend, wie vom Autor beabsichtigt, und ohne jegliche Überraschung.


Engelsfall von Dave T. Morgan

Ein perfekter Treffer, aber bei einem Selbstmord sollte das auch so sein.
Der Ich-Erzähler ist ein Engel, der eine Todsünde begeht, um hinab in die Hölle z  fahren. Dort will er ... die Geschichte ist banal, die Pointe wirkt herbeigeholt. Aber sprachlich weist die Geschichte ein paar unterhaltsame Sequenzen auf. Nett.


Dein Name sei Antobaal von Bernd Rümmelein

Dies ist die Geschichte eines Mörders, der für die Taten von Teufelsanbetern nur Verachtung übrig hat – denn er allein will das ultimative Verbrechen verüben, um die Aufmerksamkeit des Teufels zu erwecken ...

... was ihm nicht gelingt. Langweilig und langatmig und banal. Das einzige Highlight ist der Mops Harry.


Virus von Gian Carlo Ronelli

Der Teufel hasst Kinder. Warum? Nun, er berichtet von Patricia Darlington, die es so toll trieb, dass er ihr mit Freuden den Einlass in die Hölle gewährte ...

... eine Geschichte voller Bosheiten und Überraschungen. Klasse!


Die Vernunft im Blute von Marc-Alastor E.-E.

In einer Gerichtsverhandlung muss sich ein Arzt rechtfertigen, für Geld diverse Obduktionen vorgenommen zu haben – Obduktionen, die sich im Wesentlichen darin beschränkten, den Kopf der Toten abzutrennen und das Herz zu durchbohren ...

Der Autor hat sicherlich die höchst interessante Dokumentation Die Vampir-Prinzessin um Eleonore von Schwarzenberg gesehen, und den Plot in dieser Geschichte nacherzählt. Allerdings ist der zweite Teil der Geschichte, der sie mit den Vorgaben der Herausgeberin versieht vollkommen überflüssig und auch fehl am Platz, sodass sich mir der Eindruck aufdrängt, dass sie angefügt wurde, um die bereits vorhandene Geschichte für dieses Buch anzupassen. Was in meinen Augen nicht gelungen ist!


Passion Killer von Aino Laos & Christoph Marzi

Eine Autorin und ein Autor erzählen die Geschichte einer Frau und eines Mannes aus deren/dessen jeweiliger Sicht. Sehr interessant und unterhaltsam, wobei der weibliche Part der deutlich originellere ist. Der letzte, gemeinsame Part ist dann ein wenig schwächer, aber nicht viel. Insgesamt schöne Geschichte!



Poison Eve von Tanya Carpenter

Eva, äh, Eve hat eine Vorliebe für Schlangen. Hauptsächlich für giftige Schlangen, mit deren Hilfe sie jeden um die Ecke bringt, der ihr im Wege steht.
Und natürlich ist Eve so heiß, dass sich alle Männer von ihr betören lassen, und ihr somit niemand auf die Schliche kommt. Und weil der Teufel auch nur ein Mann ist, trifft das auch auf ihn zu...

Tja, an die Poison Ivy (Batman) kommt Poison Eve nicht heran. Der Vergleich zu Eva ist ein bisschen lahm, um eine (diese) Geschichte draus zu machen. Liest sich alles in allem wie eine uninspirierte Auftragsarbeit.


Tag der offenen Tür von Torsten Sträter

Reinkorber trifft in einem lokal auf den Teufel. Der hat ihn zu sich bestellt, weil Reinkorber gemordet hat und nun mit den Konsequenzen seines Tuns konfrontiert wird.

Sträter hat echt skurrile Einfalle. VORSICHT SPOILER: Reinkorber ist einer der armen Kerle, die die Hinterlassenschaft sorgloser Menschen beseitigen müssen. Deswegen ermordet er Wildpinkler. Dumm nur, dass er den braunen Umhang einer Prinzessin nicht von der Kutte eines Jedi-Ritters unterscheiden kann ... »Du hast einen Jedi beim Kacken gestört, und er hat dir eine zerbrochene Krombacher-Flasche ins Gesicht gestoßen. Das muss man erstmal bringen.«

Klasse! Auf so etwas muss man erstmal kommen!


Unlicht von Ascan von Bargen

Eine unbezwingbare Felsformation und ein Auftragskiller bilden den Mittelpunkt einer verworrenen Geschichte, durch die ich mich gequält habe, und deren Inhalt ich nun doch nicht mehr zusammen kriege. Ich weiß nur noch, dass ich sie wirklich schlecht fand...


Die Macht der Ewigkeit von Melanie Stone

Der Ange de la Mort Esmael sucht nach einer Beschwörung, die ihn zum Menschen macht. Denn nur so kann er, der nicht aus einem Seelengefäß gemacht wurde in die Hölle hinabfahren...

Genau das ist die Art von Fantasy, die ich pubertären Mädchen überlasse. Sämtliche Mythen werden verdreht und romantisiert. Für Fans von Twilight vielleicht ein Genuss, aber nichts für mich, sorry!


Rolfs Methode von Sören Prescher

Meine Mutter hatte immer gesagt, dass meine Taten mich irgendwann in die Hölle bringen würden ... was mit kleinen Geschäften auf dem Schulhof beginnt, endet mit dem Geschäftsgebaren heutiger Manager.

Eine erfreuliche Vorstellung, dass diese alle in der Hölle schmoren werden!


Der Engel von Andreá Martyna

Die Geschichte der großen Dulderin, dem Engel von Bremen, der  Giftmischerin Margarethe Timm, die mit Mäusebutter sehr kreativ umging. Was im Roman vielleicht gut funktionierte, bedurfte in der Kurzgeschichte einer Pointe, und die passt leider so gar nicht zu dem Rest.


»Peg, wenn wir in der Hölle wären, säßest du auf dem Thron und die Teufel würden packen!«
Mit diesem Zitat von Al Bundy bringt uns das Buch gleich in die richtige Stimmung...

Nun gut, nicht alle Geschichten haben mir gefallen. Aber einige waren doch ziemlich beeindruckend. Sollte ich Schulnoten vergeben, würde das Buch im Gesamten nur eine Drei bekommen – trotzdem möchte ich Euch die Lektüre ans Herz legen – eben weil Ihr Euch die herausragenden Geschichten nicht vorenthalten solltet.

Ich möchte zum Schluss aber noch einmal Betonen, dass bei der Rezension meine eigene, subjektive Meinung vorherrscht. Handwerklich sind alle Geschichten in Ordnung, und so mancher von Euch wird der Fantasy oder den Romantic Thrillern mehr zugetan sein als ich.

 

FFganz okay

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