Reihe: Tales of Partholon, Band 1 Eine Besprechung / Rezension von Jana B |
Da ich die "House of Night"-Reihe der Autorin sehr mag, wollte ich auch dieses Buch sehr gerne lesen. Vergleichbar sind die Bücher nicht, denn bei diesem hier wird deutlich, dass es für Erwachsene geschrieben wurde. Das war nicht schlimm, denn ich habe mich auch so gut unterhalten gefühlt.
Handlung: Shannon Parker, eine unterbezahlte 35jährige Englischlehrerin, ist eigentlich recht zufrieden mit ihrem Leben, auch wenn es Sachen gibt, die besser laufen könnten. Bei einer Auktion kauft sie sich mit viel Glück eine Urne - eine Urne auf der Shannon selbst abgebildet ist. Auf dem Heimweg gerät Shannon in ein starkes Gewitter. Plötzlich fängt die Urne neben ihr an, zu glühen und im nächsten Moment fällt Shannon in Ohnmacht. Als sie aufwacht, ist sie in einer neuen Welt und wird wie eine Königin behandelt! Sie findet heraus, dass Rhiannon, die Hohepriesterin aus dieser Welt mit Shannon den Platz getauscht hat. Nun ist es an Shannon, ein ganzes Volk zu leiten und zu beschützen. Dazu kommt noch, dass die meisten Menschen aus dieser Welt genauso aussehen, wie die aus Shannons alter Welt. Und dann stellt sie noch fest, dass sie verheiratet werden soll - mit einem Zentaur! Kaum hat sie sich ein wenig an die neue Umgebung gewöhnt, steht das nächste Problem vor der Tür: Ihr Volk wird von vampirähnlichen Kreaturen bedroht, die sich mit menschlichen Frauen paaren. Shannon oder besser gesagt Rhea (wie sie später genannt wird) muss ihr Volk retten, doch wie stellt man das an, in einer Welt ohne Computern und Autos...?
"Wir alle haben nur ein Leben, einen kleinen Funken zwischen zwei Ewigkeiten.
Keine zweite Chance, kein 'Ich gehe zurück und lebe mein Morgen noch einmal.'
Im Leben geht es nicht um Schmerzen oder Vergnügen - es geht darum,es authentisch zu leben, und um die Magie, die zwischen Augenblicken und Seelen entstehen kann." (Seite 511)
Eigene Meinung:
Charaktere:
Shannon/Rhea ist eine 35jährige Frau, die alles sehr humorvoll aufnimmt und versucht, das Beste aus dem was ihr widerfahren ist, zu machen. Sie kommentiert alles in ihren Gedanken, was nervig, aber auch lustig sein kann. Für mich war es schwer, mich mit ihr zu identifizieren, das liegt aber eher daran, dass ich um einige Jahre jünger als sie bin. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Frauen in ihrem Alter beim Lesen mit dem Kopf nicken und Shannon zustimmen. Außerdem kann man gut Shannons/Rheas Wandlung verfolgen - am Anfang noch die Frau, der es schwer fällt, etwas ernst zu nehmen, am Ende eine starke, selbstbewusste Frau, die sich für ihr Volk einsetzt. Was mich gestört hat, waren manche Kommentare, die sie in den unpassendsten Situationen abgab - ich hab auf fast jeder zweiten Seite mitbekommen, wie hungrig sie ist o.ä.
ClanFintan (ja, so heißt er wirklich!) ist der Zentaur, mit dem Rhea verheiratet wird. Und er war mir einfach zu perfekt. Er sieht toll aus, ist stark, ein erfolgreicher Krieger, verständnisvoll, beschützend, lieb und nett, groß und kräftig und außerdem kann man auf ihm reiten. Negative Punkte? Gab es nicht. Ich dachte mir die ganze Zeit "Wann macht er endlich etwas falsch?", damit er wenigstens etwas natürlicher und menschlicher wirkt aber nein, der große ClanFintan machte nichts falsch, sondern war unglaublich verständnisvoll und las Rhea jeden Wunsch von den Lippen ab. Unglaubwürdig, wirklich.
Dafür habe ich wirklich fast alle anderen Nebenfiguren in mein Herz geschlossen, sie waren alle liebenswürdig, obwohl sie ihre Ecken und Kanten hatten. Jeder war präsent und wurde geschickt in die Handlung mit eingebunden.
Kritik:
Wie schon oben erwähnt, bei diesem Buch merkt man, dass es ein Buch für Erwachsene ist, und das nicht nur, weil die Protagonistin 35 Jahre "alt" ist, sondern auch an der Art des Erzählens und auch an dem Handlungsverlauf.
Das Buch ist spannend, es passiert viel, aber manchmal passiert auch einfach zu viel. Es gibt Szenen, die nicht wichtig waren und wenn man diese weggelassen hätte, wäre das Buch viel dünner geworden. Außerdem gibt es Szenen, bei denen ich das Gefühl hatte, als ob sie sich wiederholen. Shannon ist ungefähr 10 Mal von A nach B geritten, war ziemlich oft im Bad, kuschelte 235 Mal mit ihrem Ehemann und küsste ihn auf jeder Seite des Buches (ja, natürlich übertreibe ich, sie kuschelte nicht 235 Mal mit ihrem Mann, aber trotzdem so oft, dass es auffiel). Die vielen Beschreibungen störten den Lesefluss, aber man gewöhnte sich dran.
An sich ist die Idee wirklich interessant, man überlegt, wie wäre es, wenn man plötzlich in eine komplett andere Welt gesaugt wird, in eine Welt, die dem Mittelalter sehr ähnelt, in der Zentauren und andere Kreaturen üblich sind? Shannon/Rhea benutzt Wörter, die bei uns normal sind, die die Leute dort aber nicht verstehen, z.B. "krass". Das sorgte für einige lustige Situationen.
Teilweise wirkte die Geschichte nicht gut durchdacht und unglaubwürdig. Fragen, die der Leser sich fragte, wurden zwar beantwortet, aber auch nur auf sehr unzufriedenstellende Art. Als Shannon/Rhea erfährt, dass sie nicht mehr in ihre Welt zurück kann, reagiert sie unglaublich gelassen. Ich an ihrer Stelle würde mir viele Gedanken machen und wäre auch sehr traurig darüber, wenn ich erfahren würde, dass ich meine Eltern, Freunde usw. nie wiedersehen werde. Und Shannon? Sie verlor kein Wort darüber. So nach dem Motto: "Achja, was solls, such ich mir halt neue Freunde". Von Heimweh keine Spur. Das hätte man glaubwürdiger gestalten können.
Das alles klingt jetzt vielleicht ziemlich negativ, ihr dürft mich nicht falsch verstehen: An sich ist die Geschichte spannend und interessant und es macht auch wirklich Spaß, sie zu lesen. Sie wird viele begeisterte Leser finden, denn dieses Buch ist perfekt, um in eine neue Welt ein zu tauchen und alles um sich herum zu vergessen.
Schreibstil und Sichtweise:
Der Schreibstil ist einfach, teilweise zu einfach. Die Formulierungen erinnerten mich mehr an einen Teenager, als an eine erwachsene Frau (die manchmal ziemlich zweideutig denkt). Lässt sich flüssig lesen, auch wenn manche Beschreibungen gestört haben.
Shannon erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht, erste Person Singular Präteritum. Sie wendet sich oft an den Leser und kommentiert vieles. Diese Kommentare werden in Klammern gesetzt. Sie versucht, alles mit Humor zu nehmen und so ist auch ihre Denkweise. Manchmal ist das unterhaltsam, manchmal auch nervig.
Cover:
Schön anzusehen, aber nichts besonderes. Ein halbes Frauengesicht, umrahmt von Schnörkeln. Ich mag lila und deshalb mag ich auch das Cover, denn es ist in verschiedenen Lilatönen gehalten. Die Schrift gefällt mir auch sehr gut. Der Name der Autorin sticht heraus - "P.C. Cast" wird eben viele Leser anlocken, denn sie ist recht berühmt.
Fazit:
Kein Meisterwerk, aber sehr unterhaltsam. Frauen werden großen Gefallen an diesem Buch finden, jüngeren Leserinnen würde ich eher die "House of Night"-Reihe empfehlen. Interessante Charaktere, ein lockerer Schreibstil und eine Geschichte, die den Leser in eine komplett neue Welt entführt in einem -das macht gute 3,5 Sterne (von 5).