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Atomvulkan Golkonda
Science Fiction (B)

Titel: Atomvulkan Golkonda
Originaltitel: ~
Autor: Arkadi & Boris Strugatzki
Übersetzer: Willi Berger
Verlag / Buchdaten: Heyne Verlag, 1980, ISBN-13: 978-3453302549

Eine Besprechung / Rezension von Cornelius Ibs-von-Seht

 

Ein tiefer Griff in die Klamottenkiste hat den Atomvulkan Golkonda zutage gefördert. Ein Frühwerk der russischen Brüder Arkadij und Boris Strugatzki, die sich durch intelligente SF ein großes Renommee erarbeitet haben. Nun, dieser Roman kommt sozusagen aus der Steinzeit der sowjetischen SF, direkt aus dem kalten Krieg und das wird auf jeder Seite deutlich.

Erzählt wird die Geschichte der Eroberung der Venus aus der kommunistischen Weltsicht der Fünfziger Jahre. Eine Gruppe von Astronauten, pardon Kosmonauten bricht mit einem neuartigen Raumschiff mit Photonenantrieb auf, um endlich die Venus zu bezwingen, die schon einige frühere Missionen ins Verderben gerissen hat. Ihr erklärtes Ziel dabei ist, den geheimnisvollen Atomvulkan Golkonda zu erforschen, der seinen Höllenschlund nuklearer Prozesse in die Planetenkruste gebrannt hat. Sie sollen an seinem Fuß ein ebenes Flugfeld auskundschaften und mit Funkfeuern markieren, um für die Zukunft einen reibungslosen Raumschiffverkehr zu ermöglichen. Geplant ist nämlich die Ausbeutung der reichlichen Vorkommen schwerer und überschwerer Elemente zum Nutzen der atomtechnisch expandierenden Menschheit, vornehmlich der kommunistisch regierten. Man verspricht sich einiges von diesem energiespendenen Segen, zumindest die Begrünung der Erde von Pol zu Pol zur landwirtschaftlichen Verwendung und ähnliche Kleinigkeiten.
Die Schilderung der Venus-Abenteuer sind aus heutiger Sicht äußerst kurios. So setzt das Raumschiff nach einem konstruktionsbedingten Landeanflug im Blindflug unfreiwilligerweise in einem Sumpf auf, in dem sich urzeitmäßiges Viehzeug tummelt. Die Strugatzkis haben sich bei ihrer fiktiven Raumschiffahrt wohl von der christlichen Seefahrt inspirieren lassen. So müssen die Kosmonauten vor ihrer Abreise erstmal Säcke und Kisten mit Proviant und Munition an Bord schleppen - man muß ja schließlich was zu beißen mitnehmen und sich wehren können. Das Raumschiff ist übrigens äußerst mondän u.a. mit Bibliothek und Wannenbädern ausgestattet, sowie mit Linoleum ausgelegt. Die "Raumwölfe" können darin gemütlich pfeiferauchend Schach spielen oder sich einfach nur Witze erzählen. Beim Vorstoß zur Golkonda müssen sich die Helden mit allerlei Unbilden der Venus herumquälen, aber als echter Kommunist heißt es "Befehl ist Befehl" und man schlägt sich irgendwie durch. Wenn's pressiert, rennt man auch schon mal kurz ohne Anzug vor die Tür.

Aber der Roman ist nicht nur wegen seiner skurilen weltanschaulichen Perspektive und den archaischen Technikvorstellungen lesenswert, er fesselt auch durch eine packende Handlung und interessante Charaktere. Im Vergleich zu Ben Bovas Venus hat er die phantastischeren Schauplätze zu bieten und braucht keine überkonstruierten Beziehungsgeflechte und Zufälligkeiten bemühen, um dem Leser zu gefallen. Wer ein Faible für klassische Planetenabenteuer hat und vielleicht gerade von den aktuellen 500 bis 1000-Seiten-Wälzern übersättigt ist, empfehle ich zu versuchen, diesen Titel im Antiquariat zu besorgen.

 

Kommentare (3)
  • Anonymous  - Atomvulkan Golkonda
    Vor 50 Jahren war die Welt nun mal politisch zutiefst gespalten.Autoren aus der
    UdSSRmussten auch im Bereich SF den Sieg des Kommunismus im Auge behalten, wenn
    sie noch weitere Bücher veröffentlichen wollten. Aber im Nachhineinempfinde ich
    esals so schlecht nicht, dass statt der blutigen Vernichtung ekliger und
    hinterhältiger Aliens der ruhmreiche Kampf gegen drohende Naturgewalten angesagt
    war. Aus dieser Sicht vermutlich habe ich als 15-jähriger (DDR-Bürger) den
    Atomvulkan Golkonda in zwei Nachtsitzungen verschlungen. Ebenso ist die
    archaische Technikdarstellung einfach der Zeit geschuldet. 1959 war ja noch
    nicht mal Gagarin im All, den steckte man erst 2 Jahre später in eine Blechkugel
    und ließ ihn einmal um die Erde fliegen, mit viel Glück landete er lebend wieder
    auf der Erdoberfläche. Seither haben sich viele SF-Autoren mitblumigen
    Schilderungen künftiger Expedition befasst. Die Realitätkonnte bis heute jedoch
    nicht m...
  • Anonymous  - veralterte SF
    Also ich finde wohl, dass es draum geht, denn ich findees furchtbar von sw
    Filmentwicklungen und aehnlichen Mist zu lesen.
  • eglseer  - veraltete SF
    Nun, du ignorierst völlig, das alles immer von irgendetwas abstammt. Du willst
    nur das hier und jetzt haben - nun, das sei dir gestattet, ist ja schliesslich
    geschmacksache. Jedoch solltest du diejenigen tolerieren, die auch veraltete SF
    lesen wollen. Du selber bist ja in keinem Fall dazu gewungen...
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