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Alaizabel Cray

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Titel: Alaizabel Cray
Originaltitel: The Haunting of Alaizabel Cray
Autor: Chris Wooding
Übersetzer: Wolfgang Ferdinand Müller
Verlag: Bastei Lübbe (2003), Seiten: 351, ISBN: 3-40420479-4

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)

Thaniel Fox hat das schwere Erbe seines Vaters, eines legendären Hexenjägers, angetreten: Ausgestattet mit einem besonderen Gespür für Hexlinge, allerlei Amuletten, einem Wissen, das seinesgleichen sucht, und einer Pistole, die er meisterhaft beherrscht, jagt der junge, wohlhabende Mann in den düsteren Gassen Londons jene Wesen, die die meisten Menschen nur aus ihren Albträumen kennen.
Eines Tages findet er auf einer Jagd in einem heimgesuchten Haus ein verstörtes Mädchen, dem große Teile seiner Erinnerung zu fehlen scheinen und dessen Name Alaizabel Cray lautet. Auch wenn ihm sein Verstand zur Vorsicht rät, so siegt doch der Beschützerinstinkt, so dass er dem hilflosen Geschöpf in seinem Heim Unterschlupf gewährt.
Zusammen mit seiner Freundin, Lehrerin und Mentorin Cathaline versucht er, das Geheimnis um Alaizabel, die aus irgendeinem Grund Hexlinge geradezu anzieht, zu lüften.
Schon bald finden die beiden Jäger heraus, dass das Mädchen im Mittelpunkt einer Verschwörung steht, die das Ziel hat, einen uralten Dämon zu erwecken.
Da "Die Gilde", deren Mitglieder sich auch aus dem "Who’s Who" der Londener Society rekrutieren und die hinter diesem Plan steckt, jedoch zu mächtig ist, um sich mit ihr direkt anzulegen, suchen Thaniel, Cathaline und Alaizabel Hilfe bei den Bettlern, die unter der Stadt hausen.
Doch es scheint alles vergebens, denn der letzte Mord in einer ganzen Serie von grauenhaften Morden an jungen Frauen, die alle nach einem bestimmten Muster begangen wurden, öffnet dem Dämon das Tor in Thaniels Welt.

Es gibt Auszeichnungen - Neudeutsch: Awards -, die es wert sind, werbewirksam vermarktet zu werden, weil sie echtes, mehr oder weniger hart erarbeitetes Expertenwissen repräsentieren. Ob der "Nestlé Children’s Book Prize" (aka "Nestlé Smarties Book Prize" oder "Smartie-Award") - Nestlé ist das Unternehmen, unter dessem Namen "Smarties", jene zuckerüberzogenen Schokolade-Sphäroiden, deren kurze Achse etwa 5 mm und deren lange Achse etwa 15 mm messen und die es seit 2006 auch in Natur-Blau gibt - vertrieben werden, in die Reihe dieser Preise gehört, kann man mit guten Gründen in Frage stellen.
Natürlich sind die Kinder, die neben den erwachsenen Juroren des Booktrusts über die Awards entscheiden, in gewisser Weise Experten. Experten im Kind-sein! Und nicht in der Beurteilung, ob etwas - Buch, Film, PC-Spiel - didaktisch/künstlerisch 'hochwertig' (gut) oder wenigstens nicht schädlich (schlecht) ist. Und sollten sie es doch wissen, dann sind es keine echten Kinder mehr. Eltern werden wissen, wovon ich rede.
Kurz und gut: Die von Bastei herausgestellte Tatsache, dass "The Haunting of Alaizabel Cray" im Jahre 2001 den zweiten Platz in der Kategorie "9 - 11 Years" des "Smartie-Awards" errang, sagt über die Qualität des Romans - zurückhaltend ausgedrückt - eher wenig aus. Und da der Roman in Deutschland nicht explizit als Kinderbuch, sondern in Basteis 'erwachsener' Fantasy-Reihe veröffentlicht wurde, vergessen wir an dieser Stelle die vielen, vielen bunten Smarties.

Zwei Dinge werden bei der Lektüre dieses Romans besonders augenfällig: Zum einen erscheint die Geschichte wie eine Aneinanderreihung zahlreicher kleiner Szenen, die zwar von einem roten Faden durchzogen werden, denen aber der große innere Zusammenhalt fehlt. Zum anderen hält sich Chris Woodings eigener 'schöpferischer' Beitrag in einem überschaubarem Rahmen. Das heißt nichts anderes, als dass er sich mit beiden Händen kräftig aus dem Fundus alter und moderner Mythen bedient, sich von renommierten Autoren wie Dickens oder Lovecraft überdeutlich inspirieren lässt und auch nicht davor zurückscheut, die Figur Jack The Rippers unter dem Namen Flickengesicht auferstehen zu lassen - allerdings ohne wirkliche Einbindung in die Geschichte.

Den insgesamt sehr hölzernen, motivationsarmen Charakteren und der wenig kohärenten, in Teilen deutlich zu kitschigen Story stehen immerhin einige atmosphärisch sehr dichte Beschreibungen der düsteren Örtlichkeiten eines alternativen, viktorianisch angehauchten Londons gegenüber, die den Roman zwar nicht retten, die aber ebenso wie die verhaltenen Steampunk-Anklänge wenigstens als kleines Trostpflaster angesehen werden können.

Fazit: ein gefällig geschriebener Roman für Kinder, der dem erwachsenen Leser nichts Neues bietet.

Alaizabel Cray - die Rezension von Erik Schreiber

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