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1W6 Freunde

Titel: 1W6 Freunde
Art: Rollenspiel
Regeln: 1W6-System
Sprache: Deutsch
Publikationsjahr: 2009
Autoren: Markus Heinen, Thomas Michalski, Ralf Murk und Matthias Schaffrath
Übersetzer: -
Illustrationen: Markus Heinen
Verlag: Prometheus Games und DORP, 96 Seiten Softcover, 12,00 €

Eine Rezension von Martin Wagner
(weitere Rezensionen von Martin Wagner auf fictionfantasy finden sie hier)

TKKG, Fünf Freunde, Scotland Yard, Die drei ??? und so weiter, wer kennt nicht mindestens eine dieser Hörspiel-, Film- und Buchreihen? Eine davon oder mehrere sind allgemein bekannt und strahlen schon viele Jahre eine Faszination auf Jugendliche, junge Erwachsene und ewig Junggebliebene aus. In der Dimension of Roleplaying, kurz DORP, haben sich TMMR, die vier Autoren, zusammengetan und mit 1W6 Freunde ein Abenteuerspiel geschaffen, das uns in die Welt der Jugenddetektive führt. Mit Prometheus Games als Partner war es auf der SPIEL 09 in Essen schließlich soweit, 1W6 Freunde erblickte als Pocket RPG im DinA5 Format das Licht der Welt.

Genau in diesem Licht betrachte ich nun das vor mir liegende Buch. Bunt ist es geworden und doch ist der Einband düster gehalten, schließlich sind es ja auch Krimis die man nachspielt und Verbrechen geschehen nun mal am ehesten im Dunkeln. Innen drin ist es aber wieder fröhlich hell und gewollt erinnert das Buch an das Heft eines Schülers, inklusive Randnotizen, Spickzetteln und Karteikarten. Sehr stylisch und damit ist der Leser mitten im Flair der Jugenddetektivreihen. Die Bilder selbst sind handwerklich eher durchschnitt, etwas zu kantig meiner Meinung nach, passen aber auch zum Spiel und dem Hintergrund.

Inhaltlich wird dem Leser auf den wenigen Seiten viel geboten. Einer Begrüßung des Autorenteams folgen eine Erklärung zum Thema Abenteuerspiel beziehungsweise Rollenspiel mit den altbekannten aber bewehrten Beispielen, diesmal aber in Jugenddetektivvariante gehalten, und den wichtigsten Phrasen und Kürzeln.
Nachdem das geklärt ist und die Grundlagen vorgestellt worden sind, gehen das zweite und dritte Kapitel schließlich auf die Charaktere, eben Jugenddetektive, und die Art der Abenteuer ein. Wie spielt man die Jungdetektive, was gilt es zu beachten, insbesondere dabei natürlich, dass es Jugendliche sind, die im normalen Leben noch Schüler und Kinder sind und dementsprechend auch nicht alle Arten von Verbrechen als Thematik geeignet sind, und wann wird gespielt, dabei gilt es je nach Jahrzehnt andere Voraussetzungen zu beachten. Vorgeschrieben wird den Spieler kein Jahrzehnt, die 80er Jahre sind aber sicherlich am ehesten geeignet und dementsprechend ist auch 1W6 Freunde eher in diesem Jahrzehnt angesiedelt und voller Klischees dieser Jahre. Jugendliche ohne Handys, ohne W-Lan und ohne MP3-Player.
Nachdem nun die Grundlagen der Charaktere beschrieben wurden, geht es weiter zu den Regeln und der Charaktererschaffung. 1W6 ist dabei Programm, mehr Würfel braucht man nicht und das Zeugnis, der Charakterbogen, beinhaltet nur vier Attribute, Stärke, Cleverness, Mut und Umgang mit Werten von 1 bis 5, die eigentlich keine Beschreibung benötigen. Dazu gibt es dann noch Fleißkärtchen, die Vorteile bei besonderen Würfen geben, Platz für Merkmale des Charakters und Freunde und Feinde des Jungdetektivs. Für die Bande der Jugenddetektive gibt es Bandenpunkte, ein gemeinsamer Pool an Punkten, die jedes Mitglied der Bande zum Verbessern oder Ausbessern der Würfe zur Verfügung hat.
Jetzt muss man nur noch Wissen, wie sich Würfel und Werte auswirken. Ein Erfolg errechnet sich aus dem Ergebnis des W6 plus Attribut und wenn vorhanden plus Fleißkärtchen und Boni oder minus Mali gegen eine einfache Sechs als Schwierigkeit. Ein einfaches System mit einer mehr als durchschnittlichen Erfolgswahrscheinlichkeit, aber schließlich geht es hier um Jugenddetektive und nicht um CIA-Agenten.
Hat man selbst mal keine Lust einen Charakter zu erschaffen, kann man auch einfach einen der vier Beispielcharaktere nutzen, die in der Mitte des Buches zu finden sind.
Für den Erzähler, der schließlich ein spannendes Abenteuer schöpfen und leiten soll, gibt es dann zwei Kapitel. Das erste beschreibt den Aufbau eines Falles und das zweite gibt schließlich Elemente vor, die ein Fall beinhalten sollte. Dank eines Tabellensystems kann jeder Erzähler spontan einen Fall auswürfeln mit allem was man braucht. Zum Beispiel Art des Verbrechens, Tatort und Methoden der Verbrecher. Allein mit diesen Tabellen und dem Zufallsfaktor lassen sich viele tolle Fälle kreieren und selbst ohne Würfel findet der Erzähler dort viele Impulse. Ich hatte beim Lesen schon viele Ideen, werde aber sicher das eine oder andere Mal einfach nur aus Interesse auch mal einen Fall erwürfeln, allein weil ich die Idee so gut finde.
Kapitel 9 und 10 bieten schließlich eine Millionenstadt und deren Einwohner. Meer und Alpen, Flughafen, Yachtclub, WM-Stadien, alles was man braucht oder brauchen könnte, um viele Fälle schaffen zu können und dazu noch die wichtigsten Personen der Stadt, Polizisten, Bürgermeister, Journalisten und Ganoven. Die Beschreibungen der Örtlichkeiten ist einfach klasse, voller Witz und Charme, und die Personen der Stadt haben Merkmale, die für Wiedererkennung sorgen werden. Auch wenn ich sicher selbst noch einige NSCs und Örtlichkeiten basteln werde, den einen oder anderen werde ich ohne Änderung übernehmen.
Zum Abschluss gibt es für Jungdetektive und im speziellen für den Erzähler noch ein spannendes Abenteuer mit Ganoven, Schulproblemen und einem Hauch Mystik.

Inhaltlich wäre damit alles gesagt und da immer wieder über Fehler und falsche Formatierungen diskutiert wird, jetzt ein großes Lob. Mir sind keine Fehler aufgefallen, das spricht für ein gelungenes Lektorat und für eine gute Formatierungsarbeit.

Fazit:
Wer Geschichten a la TKKG und Die drei ??? mag, wird um dieses Rollenspiel wohl nicht herum kommen. Einfaches Regelsystem trifft auf Jugenddetektive und spricht dabei sicher nicht nur alte Rollenspielhasen an. 1W6 Freunde hat dabei aber mehr zu bieten als die Regeln und den Hintergrund. Ein tolles Layout und tolle Ideen zur Umsetzung und Schaffung von Fällen sind dabei ebenso vorhanden wie eine gut ausgearbeitete Großstadt zum Losspielen. Eine Investition die sich auf und für jeden Fall lohnt.

 

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